Mitgliederversammlung

Union ist bereit für die Bundesliga

Zweitligist Union präsentiert seinen Mitgliedern erneut Rekordzahlen. Doch beim Stadionausbau wartet eine Herausforderung auf den Klub.

Union-Klubchef Zingler ist mit der Entwicklung des Klubs zufrieden

Union-Klubchef Zingler ist mit der Entwicklung des Klubs zufrieden

Foto: Soeren Stache / picture alliance / Soeren Stache/dpa

Berlin.  Ob Meinungsmacher in der Diskussion um die Reform der Deutschen Fußball Liga (DFL), Mehrheitseigner einer Stadion AG, die die Alte Försterei vergrößern will, dazu ohne Niederlage in der Zweiten Liga – die Botschaft, die den Anwesenden auf der jährlichen Mitgliederversammlung des 1. FC Union in der Ballsporthalle Hämmerlingstraße mitgegeben wurde, war eindeutig: Die Köpenicker sind bereit für die Bundesliga.

„Wir wachsen in allen Bereichen“, verkündete Union-Präsident Dirk Zingler am Mittwochabend. Wieder legte Union seinen Mitgliedern Rekordzahlen vor. So wurden in der Saison 2017/18 knapp 44 Millionen Euro eingenommen und ein Überschuss von rund 200.000 Euro erwirtschaftet. Dadurch konnte das negative Eigenkapital auf 11,48 Millionen Euro gesenkt werden. Darin enthalten sind jene 8,7 Millionen Euro, die Union noch Unternehmer Michael Kölmel schuldet und die dauerhaft mit Rangrücktritt versehen sind. Platz acht in der vergangenen Saison sei, so Zingler, „kein Erfolg“. Und er gestand: „Wir haben die Entlassung von Trainer Jens Keller in seiner Wirkung unterschätzt und schlecht kommuniziert.“

Für die aktuelle Spielzeit rechnet Union mit einem Etat von 47,1 Millionen und einem Gewinn von 70.000 Euro. Wieder nehmen die Kosten für die Lizenzspielerabteilung (13,3 Millionen Euro) den größten Einzelposten bei den Ausgaben ein. Im Vergleich zum Vorjahr wurde die Mitgliederzahl um 15 Prozent auf 21.394 gesteigert, die Zahl der Sponsoren wuchs von 395 auf 407.

Wahl des Aufsichtsrates

Turnusmäßig wurde der Aufsichtsrat nach vier Jahren neu gewählt. Mit dem Vorsitzenden Thomas Koch (Automobilhändler), Hans-Joachim Lesching (Unternehmer), Karlheinz Nolte (ehemaliges Mitglied des Abgeordnetenhauses), Dirk Fischer (Rechtsanwalt) und Joachim Müller (Fan-Vertreter) stellte sich das bislang amtierende Quintett erneut zur Wahl – und wurde mit deutlicher Mehrheit auch wiedergewählt, mit Koch an der Spitze.

In Sachen Stadionerweiterung machte Zingler noch einmal unmissverständlich deutlich: „Wir werden das Stadion bauen, wir werden es sinnvoll finanzieren, weil es ein Projekt für die nächsten Jahrzehnte ist.“ Die Kapazität soll von 22.012 auf 37.000 Plätze erhöht werden, die Gesamtkosten (inklusive Klubhaus, Nebenkosten und Grundstückankauf) belaufen sich auf 38 Millionen Euro.

Doch der Klubchef gab auch zu: „Es bleibt von den zeitlichen Abläufen eine Herausforderung. Doch wir wollen das Baurecht für 2019 bekommen.“ Dass Union den Druck auf die Behörden nicht verringern wird, um dieses Ziel zu erreichen, ist nachvollziehbar. Einen Baubeginn gebe es aber nur im Einklang mit der sportlichen Situation, „auf einer Baustelle zu spielen, macht wenig Sinn“, so Zingler.

Klare Worte an die DFL und die Profiklubs

Für die Großbaustelle DFL fand Zingler – angelehnt an das vor vier Wochen veröffentlichte Positionspapier – klare Worte. „Ziel muss eine stufenlosere Verteilung der Einnahmen sein“, auch damit ein Abstieg „nicht zum wirtschaftlichen Fiasko“ werde. Bei den Diskussionen forderte er „Transparenz, damit die Menschen wissen, wie sich ihre Vereine verhalten“. Zugleich nahm er die anderen 35 Profiklubs in die Pflicht: „Das Streben nach maximalen medialen Erträgen halte ich für einen gefährlichen Weg. Doch die Verantwortung dafür liegt nicht bei der DFL, sondern bei den Klubs selbst. Sie stimmen darüber ab.“

Das Weihnachtssingen wird trotz des Spiels in Aue (13.30 Uhr) am 23. Dezember um 19 Uhr stattfinden. „Das ist seit 16 Jahren so, dabei bleibt es. Wir machen daraus keine beliebige Veranstaltung“, so Zingler.

Nur ein „Aufstieg jetzt“ war nicht zu vernehmen. Zingler: „Wir wollten wieder die Richtung verändern. Da befinden wir uns auf einem guten Weg, von dem wir uns auch nicht abbringen lassen. Viele ambitionierte Vereine wollen Hamburg und Köln vor sich hertreiben. Dass wir dazugehören – toll. Ziel bleibt, dass wir mittelfristig in die Bundesliga aufsteigen wollen.“

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