Zweite Liga

Union sichert sich mit Last-Minute-Tor Punkt in Hamburg

Union erkämpft sich in einem turbulenten Schlagabtausch mit dem HSV einen Punkt in letzter Minute und bleibt weiter ungeschlagen.

Suleiman Abdullahi (M.) lässt in der Nachspielzeit die Abwehr des Hamburger SV stehen und schießt zum 2:2 ein.

Suleiman Abdullahi (M.) lässt in der Nachspielzeit die Abwehr des Hamburger SV stehen und schießt zum 2:2 ein.

Foto: Stuart Franklin/Getty

Hamburg. Es hatte die Reifeprüfung werden sollen für den 1. FC Union. Der Nachweis, dass sich der Berliner Fußball-Zweitligist tatsächlich als Aufstiegsfavorit titulieren lassen darf. Das 2:2 (1:0) beim Hamburger SV am Montagabend untermauerte in jedem Fall die Ansprüche der Mannschaft von Trainer Urs Fischer, nicht nur weil auch das 14. Saisonspiel nicht verloren wurde.

„Das war ein tolles Fußballspiel. Viele Emotionen, sehr schnell. Das hat Spaß gemacht“, sagte Unions Trainer Urs Fischer, der Organisation, aber vor allem Mut von seinem Team gefordert hatte, um beim Bundesliga-Absteiger bestehen zu können. Hinter Sturmspitze Sebastian Polter ließ er die schnellen Joshua Mees, Marcel Hartel und Suleiman Abdullahi beginnen. Auch Mittelfeldspieler Grischa Prömel kehrte nach seiner Gelb-Rot-Sperre zurück. Nein, Union wollte sich nicht verstecken. Die Köpenicker wollten zeigen, dass mit ihnen zu rechnen sein wird. Am Montagabend im Volksparkstadion – und bis zum letzten Spieltag im Aufstiegsrennen zur Bundesliga.

Konzentriert die Räume zustellen und bei Ballbesitz den Turbo einlegen, so wollten die Unioner vor 45.584 Zuschauern, davon gut 6000 Berliner, einem HSV gegenübertreten, der in der Anfangsphase los legte wie die Feuerwehr, um gleich zu dokumentieren, wer Herr im Hause ist, trotz des Ausfalls von Torjäger Pierre-Michel Lasogga (Wadenprobleme). Doch es war das Konzept des Herausforderers, das als erstes aufging.

Eine gute Vorstellung der Köpenicker

Nachdem Union-Torwart Rafal Gikiewicz bereits früh zweimal eingreifen musste, gegen Hee-Chan Hwang (2.) und Lewis Holtby (9.), ging es das erste Mal mit Tempo in Richtung HSV-Fanblock. Mit Erfolg: Hartel schickte Mees steil, der im HSV-Strafraum beim Versuch, den Ball quer auf Polter zu legen, an HSV-Verteidiger Rick van Drongelen scheiterte. Zunächst. Denn der Ex-Hoffenheimer schaltete schneller als der Niederländer und schoss trocken ins kurze Eck zum 1:0 für Union ein (12.). Ein Treffer, der Wirkung zeigte, auf beiden Seiten. Bei den Hamburgern schlichen sich mehr und mehr Ungenauigkeiten ein. Union wiederum, gestärkt durch das Tor, schob seine Abwehrbemühungen einfach mal 20 Meter nach vorne, weiterhin hellwach und laufstark. Eine gute Vorstellung der Köpenicker, die erst kurz vor der Pause beim Schuss von HSV-Kapitän Aaron Hunt ein wenig wackelten (45.).

Keine Frage, der HSV musste sich nach dem Seitenwechsel etwas einfallen lassen gegen eine Union-Elf, die nun jedoch auf den angeschlagenen Torschützen Mees verzichten musste. Für ihn kam Simon Hedlund. Doch die Versuche der Hamburger durch die Mitte zum Erfolg zu kommen, fanden immer wieder bei Unions Innenverteidigern Marvin Friedrich und Florian Hübner ihr jähes Ende. Bis zur 58. Minute: Union bekam den Ball nicht aus dem eigenen Strafraum, dann spitzelte Ken Reichel das Spielgerät beim Abwehrversuch direkt vor die Füße von Hunt, der nicht lange fackelte, aus sieben Metern aber auch keine Schwierigkeiten hatte, den Ball an Gikiewicz vorbei zum 1:1 einzuhämmern.

Hamburg dreht die Partie innerhalb von sieben Minuten

Jetzt war der HSV da, und Union begann zu schwimmen. Wütend drückten die Hamburger die Berliner immer wieder in den eigenen Strafraum. Union-Trainer Fischer hatte inzwischen Sebastian Andersson für den engagierten, aber glücklosen Polter gebracht (63.), um für Entlastung zu sorgen. Es half nicht. Weil sich Jatta aus spitzem Winkel zweimal versuchen durfte und Torwart Gikiewicz den Ball nur direkt vor sein Tor abwehren konnte, wo Holtby nur noch einzuschieben brauchte (58.) – 1:2, der HSV hatte die Partie in sieben Minuten gedreht.

Und Union? Wollte sich nicht einfach so düpieren lassen. Hartel versuchte es von der Strafraumkante, van Drongelen kam dazwischen (75.). Später kam noch Akaki Gogia für Hartel. Doch es war der über weite Strecken eher unauffällige Abdullahi, der in der 90. Minute doch noch den Ausgleich erzielte. „Ich glaube an die Mannschaft. Wir kämpfen bis zum Schluss und das zeichnet uns am Ende auch aus“, sagte Polter. Der HSV eroberte die Tabellenspitze zurück. Und der 1. FC Union konnte die Heimreise mit dem Gefühl antreten, mehr als nur ein Aufstiegskandidat zu sein.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.