DFB-Pokal

Angespannte Stimmung bei Union nach Pokal-Pleite

Unions Pokal-Aus bei Viertligist Viktoria Köln hinterlässt erste Risse im Verhältnis zu den Fans. Trainer Düwel sieht ein mentales Problem.

Unions Benjamin Kessel und die Enttäuschung über das Pokal-Aus in Köln

Unions Benjamin Kessel und die Enttäuschung über das Pokal-Aus in Köln

Foto: Marius Becker / dpa

Berlin.  Ein wenig in sich gekehrt stand Norbert Düwel unter der Tribüne des Sportparks Höhenberg, als ihn plötzliche Rufe ins Jetzt zurückholten. „Düwel raus“, riefen einige wenige Fans kurz nach dem Aus im DFB-Pokal bei Regionalligist Viktoria Köln (1:2) . Der Trainer des 1. FC Union reagierte darauf mit einfachem Winken.

Die Rufe sind ohne Zweifel der Enttäuschung nach dem erneut frühen Scheitern, noch dazu bei einem Viertligisten, geschuldet. Auch wenn Düwel nicht der Union-Trainer ist, den jeder Fan bedingungslos in sein Herz schließen wird. Jedwede Trainerdiskussion wäre zu einem so frühen Zeitpunkt der Saison allerdings in keiner Weise nachvollziehbar. Und doch zeigt jene kleine Szene, wie es um die Stimmung im Umfeld des Berliner Fußball-Zweitligisten bestellt ist.

Wohl kein anderer Verein im deutschen Profifußball lebt derart in Symbiose mit seinen Fans wie Union. Die Spieler wissen um das immer wieder „sensationell“ und „außergewöhnlich“ genannte Umfeld. Die Fans stehen, egal ob in der Alten Försterei oder auswärts, lautstark hinter ihrer Mannschaft. Diese Einheit, die Union in den vergangenen Jahren immer wieder stark gemacht hat, hat nun jedoch die ersten Risse bekommen.

Doppeltes Straftraining am Sonntag

„Es ist normal, dass man als Fan nach so einem Spiel nicht mehr sachlich ist“, sagte Maximilian Thiel. Alle, ausnahmslos, auch Trainer Düwel, hatten sich der Diskussion mit den Fans – rund 2000 waren mit nach Köln gereist – gestellt. Man habe sich einiges anhören müssen, so der Tenor. Worte wie „Das war peinlich, richtig peinlich“ werden da noch das Harmloseste gewesen sein.

Genau so, wie der Anhang eine über weite Strecken enttäuschende Partie der Seinen ertragen musste, ertrugen die Spieler den Frust der Fans. Fans, die selbst bei Niederlagen nicht pfeifen, so lange die Profis bis zuletzt alles geben. Genau das ist in Köln jedoch nicht passiert.

Köpenick am Tag danach. Es wurde trainiert. Um neun und 14 Uhr, in voller Mannschaftsstärke. Kein bloßes Auslaufen der Stammspieler, kein einfaches Training der Reservisten. „Wir müssen einige Dinge verändern, weil wir uns in dieser Art und Weise nicht mehr präsentieren wollen und können“, erklärte Düwel. Dinge im allgemeinen Ablauf, „um aus dem Gewohnten auszubrechen und die Sinne für das Wesentliche zu schärfen“, so der Coach. Nennen wir es: Straftraining.

Quaner an der Schulter verletzt

Und es ging zur Sache. Im Trainingsspiel räumt der für das Pokalspiel aussortierte Toni Leistner nach wenigen Augenblicken Collin Quaner derart ab, dass der Stürmer auf die Schulter fällt und das Training mit schmerzverzerrtem Gesicht abbrechen muss.

Kurze Zeit später giftet Thiel in Richtung Steven Skrzybski, der vor dem Tor auf ein Abspiel gewartet hatte. „Was, früher spielen? Das war ein Torschuss aus zehn Metern“, brüllt der Mittelfeldspieler. Sein Schuss wird abgeblockt.

„Für uns geht es einfach darum, den Kopf auszuschalten und Fußball zu spielen“, sagte Michael Parensen. Es sind die Worte des dienstältesten Union-Profis, die es auf den Punkt bringen. Denn dass Union wie schon beim Ligaspiel in Sandhausen (3:4) in der Schlussphase auseinanderbricht, ist keine Sache fußballerischer Qualität.

Das Selbstvertrauen ist im Keller

„Wir haben dreimal in Führung gelegen, dreimal das Ergebnis aber nicht über die Runden gebracht. Das trägt nicht dazu bei, dass das Selbstvertrauen in die Höhe schießt“, analysierte Düwel.

Der Trainer sieht im späten Ausgleichstor in der Auftaktpartie gegen Düsseldorf den Knackpunkt: „Dieser Nackenschlag nagt offensichtlich mehr an der Mannschaft, als wir das haben wollen. Wir sind ja wie ein totaler Verlierer vom Platz geschlichen, obwohl es ein Unentschieden war.“ Und obwohl die Köpenicker über weite Strecken gut gespielt haben.

„Für die Spiele, die jetzt anstehen, muss man aber eine entsprechende Mentalität mitbringen. Mentalität kann oft Qualität schlagen, das hat uns das Spiel in Köln gezeigt“, sagte Düwel mit Blick auf die anstehenden Ligapartien gegen Kaiserslautern, 1860 München und RB Leipzig.

Die Führungsspieler enttäuschen

Was in jenen desaströsen Schlussphasen besonders auffällt: Es gibt kaum ein Aufbäumen, keinen Spieler, an dem sich die anderen aufrichten können, der den Fans Hoffnung auf ein Happy End gibt. „Nicht nur in Köln hatten wir eine Menge an erfahrenen Akteuren auf dem Platz, die den Anspruch haben und auch formulieren, Führungsspieler zu sein. Ich bin schon enttäuscht“, sagte Düwel. Stephan Fürstner, Benjamin Kessel, auch Damir Kreilach, der Kapitän, dürfen sich angesprochen fühlen.

Es obliegt nun dem Trainer, dieses Problem schleunigst zu lösen. „Das Fatale ist, wenn sich ein Spieler, der nicht im Kader war, nun als Sieger wähnt. Dann ist im Vorfeld etwas schief gelaufen, weil diese Spieler auch die Chance gehabt hätten, im Kader zu sein“, sagte Düwel. Gemeint sind Leistner, Fabian Schönheim oder Christopher Quiring.

Man wolle „Verein und Fans nicht schlecht dastehen lassen“, sagte Parensen. Thiel forderte: „Wir sollten wieder wissen, wer wir sind, müssen an uns glauben und nicht in eine Krise verfallen.“ Die Fans werden jedenfalls im Großteil weiter hinter ihrer Mannschaft stehen, davon kündete das dreifache „Eisern Union!“ nach der kleinen Aussprache am Zaun des Sportparks Höhenberg. Wiederholen sich solche Auftritte wie in Köln jedoch, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Stimmung umschlägt.