Zweite Liga

Union findet kaum Antworten für die Pleite in Sandhausen

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Michael Färber
Bei Union ist die Ratlosigkeit nach der Niederlage in Sandhausen fast greifbar

Bei Union ist die Ratlosigkeit nach der Niederlage in Sandhausen fast greifbar

Foto: Ronald Wittek / dpa

Bei Union herrscht nach nur einem Punkt aus zwei Spielen Ernüchterung statt Euphorie. Es gibt Gesprächsbedarf an der Alten Försterei.

Berlin.  Der Tag an der Alten Försterei begann mit Sonne, viel Sonne. Doch das sommerliche Idyll in Köpenick täuschte. Innerhalb der Mauern der Haupttribüne knirschte es gewaltig. Der dilettantische Auftritt des 1. FC Union beim SV Sandhausen, dieses 3:4 trotz zweimaliger Führung hat sichtlich Spuren hinterlassen.

So bekamen die Profis des Berliner Fußball-Zweitligisten zunächst auch nichts von dem hochsommerlichen Ambiente mit. Es gab einiges zu bereden, immerhin so viel, dass sich die Spieler erst um 11.42 Uhr auf ihre Fahrräder schwangen, um die Regenerationseinheit nach einem Spiel anzugehen. Normalerweise ist um zehn Uhr Trainingsbeginn.

„Es wird nach jedem Spiel diskutiert, ob mit oder ohne Trainerteam“, sagte Stephan Fürstner: „Aber es ist natürlich nach einem Sieg immer angenehmer, ein Spiel zu analysieren.“ Dass es unangenehm wurde, hatten sich der Union-Profi und seine Mitspieler selbst zuzuschreiben.

„Haas war zu recht aufgebracht“

Die Aufräumarbeiten nach der ersten Saisonniederlage hatten bereits Sekunden nach dem Abpfiff im Hardtwaldstadion begonnen. Torwart Daniel Haas „war zu recht aufgebracht. Das ist aber auch gut so, der Fußball besteht aus Emotionen, und dann sollte man das, was man nach so einem verlorenen Spiel zu sagen hat, auch sagen dürfen“, erzählte Verteidiger Fabian Schönheim.

Später, vor dem Rückflug nach Berlin, gingen die Gespräche auf dem Frankfurter Flughafen weiter. Teil drei fand dann am Montagvormittag in der heimischen Kabine statt.

Über allem stand nur ein Wort: „Dieses große Warum, auf das wir schleunigst eine Antwort finden müssen“, sagte Schönheim. Warum zerfiel Union in der Schlussphase gegen Sandhausen, anstatt mit aller Macht den Sieg einzufahren? Und warum verschlief die Mannschaft die erste halbe Stunde der Partie?

Dreierkette? Viererkette? Fehlerkette

Schönheim macht keinen Hehl daraus, dass „wir klarere Worte gefunden haben als sonst. Aber ich habe bis heute keine Lösung finden können“, warum passierte, was passiert ist. „Wenn man die erste halbe Stunde komplett verschläft und dann 3:2 führt, geht man davon aus, dass wir dieses Spiel gewinnen. Nur haben wir in der letzten Viertelstunde nicht so agiert, als ob wir auch wirklich die Überzeugung gehabt hätten. Damit haben wir Sandhausen wieder stark gemacht“, sagte Schönheim. „Wir müssen dahin kommen, dass wir dem Gegner das Gefühl geben, heute ist hier nichts mehr zu holen“, schlug Fürstner in die gleiche Kerbe. Der einzige, der dieses Gefühl phasenweise vermittelte, war Kapitän Damir Kreilach, nicht nur wegen seiner Tore.

Unweigerlich kommt man zur Diskussion um Dreier- und Viererkette in der Abwehr. In Sandhausen war es eher eine Fehlerkette. Trainer Norbert Düwel fasste es wie folgt zusammen: „Wir haben uns in einigen Situationen taktisch schlecht verhalten.“ Schönheim ging schon mehr ins Detail. „Wir sind die Viererkette gewohnt und haben die Dreierkette in der Vorbereitung trainiert. Da hat sie gut funktioniert“ so der Verteidiger. Deshalb dürfe es keinen Unterschied machen, welche Variante nun praktiziert wird.

Auffällig war es dennoch, dass sich just mit der personellen Aufstockung auch die Unsicherheiten und damit auch die Fehlerquote vergrößerten. „Die Abstände waren zu groß. Wenn es darum geht, zu verteidigen, dann sollten alle daran beteiligt sein und alle kompakt stehen.“ Das war weder beim 3:4 der Fall, als gleich vier Sandhäuser am Fünfmeterraum freistanden. Zuordnung? „Die gab es“, so Schönheim. Wer sollte sich um Torschütze Florian Hübner kümmern? „Kein Kommentar.“

Die Gefahr des Schönredens ist groß

Schon beim 0:1 durch Andrew Wooten stand Christopher Trimmel allein auf weiter Defensivflur. „Dann wird es für ihn schwer zu verteidigen, weil der Stürmer immer den Bewegungsvorteil hat“, sagte Schönheim: „Normalerweise sollten auch nicht immer zwei Mann auf mich zugerollt kommen. Wir sollten mit mehreren Leuten verteidigen. Das ist uns nicht gelungen.“

Zwei Spiele, ein Punkt, Platz zwölf – wieder muss Union gleich zu Beginn der Spitzengruppe hinterherhecheln. „Wir müssen jetzt aber auch nicht den Teufel an die Wand malen und sagen: Es geht wieder los wie jedes Jahr, wir verpatzen komplett den Start“, sagte Schönheim: „Ich will mir das auch gar nicht einreden lassen.“

Fakt ist: Die Gefahr, sich die Situation schönzureden, ist bereits jetzt groß. Um dem eigenen Anspruch zu erfüllen, nicht wieder nur Jäger sein zu wollen, muss ein Sieg her. Ein Erfolg am Sonnabend im DFB-Pokal bei Viktoria Köln (15.30 Uhr, Sky) kann helfen, mit einem positiven Gefühl in die schweren Ligawochen zu gehen.