Berlin –

Union reichen nicht mal drei Tore zum Sieg in Sandhausen

Köpenicker verspielen Erfolg trotz zweimaliger Führung

Berlin.  Daniel Haas fiel auf seinen Rücken und blieb reglos liegen. Für einige Momente versuchte der Torwart des 1. FC Union, seinen Zorn irgendwie in den Griff zu bekommen. Es gelang ihm nicht, wie Torwarttrainer Dennis Rudel anschließend erfahren musste. Haas schimpfte, gestikulierte und schaute fassungslos auf den Rasen. Sören Brandy ging es ähnlich. „Ich weiß gar nicht, ob ich mich innerlich kaputtlachen oder alles zusammentreten soll“, sagte der Stürmer des Berliner Fußball-Zweitligisten: „So dilettantisch, wie wir uns angestellt haben, das ist mir noch nie passiert. So ein Spiel darf man nicht mehr aus der Hand geben.“

Hat Union aber, mit 3:4 (1:1) beim SV Sandhausen. Nach zweimaliger Führung. Trotz Überlegenheit in der zweiten Halbzeit. Der erhoffte gute Start in die Spielzeit 2015/16 ist nicht mehr als eine schöner Vorsatz geblieben. Union rangiert nach zwei Spieltagen auf Platz zwölf, anstatt gleich vorne mitzumischen. Mit nur einem Punkt und damit zwei Zählern weniger als Sandhausen, das sogar mit einem Minus von drei Punkten in die Saison gegangen war wegen des Verstoßes gegen die Lizenzierungsordnung.

Trainer Norbert Düwel hatte der gleichen taktischen Formation wie beim 1:1 zum Auftakt gegen Düsseldorf vertraut, personell gab es zwei Änderungen. Dennis Daube rückte für Steven Skrzybski ins Vierer-Mittelfeld, rechts spielte Raffael Korte. Christopher Trimmel rückte dafür zurück in die Dreierkette, Toni Leistner musste auf die Bank. Wirklich am Spiel teil nahm Union jedoch erst nach einer halben Stunde. Bis dahin wirkten die Köpenicker behäbig und uninspiriert. „Kommt schon!“, rief Düwel schon nach zehn Minuten verärgert.

Die Folge dieses Müßiggangs war der Rückstand in der 21. Minute. Philipp Klingmann setzte Aziz Bouhaddouz in Szene, der Marokkaner legte quer auf Andrew Wooten, der Christopher Trimmel enteilt war, 0:1. Dank Brandys Torinstinkt ging es mit einem 1:1 in die Pause. Der Stürmer drosch den Ball von rechts aus spitzem Winkel ins Tor, nachdem zuvor Bobby Wood in der Mitte aus fünf Metern eine Hereingabe von Maximilian Thiel verpasst hatte.

Die zweiten 45 Minuten lassen sich mit den Worten verrückt umschreiben. Damir Kreilach bugsierte das Spielgerät in bester Miroslav-Klose-Manier nach Brandys Kopfball-Vorlage über die Linie, 2:1 für Union (55.). Endlich waren die Berliner präsent, hatten die Partie im Griff. Bis der eingewechselte Ranisav Jovanovic erst Benjamin Kessel düpierte, und erneut Wooten in Szene setzte, 2:2 (70.). Doch Union zeigte sich nicht geschockt und ging durch einen herrlichen Kreilach-Schlenzer Sekunden später erneut in Führung (71.).

Wende durch Fehlentscheidung

„Wir haben dann die Ordnung verloren und es nicht geschafft, das Spiel über die Bühne zu bringen. Drei Tore auswärts sollten zumindest für einen Punkt reichen“, monierte Düwel. Es war eine Fehlentscheidung, die die Partie letztmalig drehen sollte. Kessel soll Jovanovic im Strafraum gefoult haben, nachdem der Serbe aufs Tor geschossen hatte. Schiedsrichter Thorben Siewer (Drolshagen) entschied auf Strafstoß, Bouhaddouz ließ sich die Chance nicht entgehen, 3:3 (79.).

Nun fiel Union auseinander, Sandhausen witterte die Siegchance – und nahm sie wahr. Nach einem Eckball stand Florian Hübner zusammen mit drei Teamkollegen völlig frei im Fünfmeterraum. Sein Kopfball in der 85. Minute besiegelte ein weiteres Kapitel in der schwarzen Union-Historie in Sandhausen (kein Sieg in fünf Spielen).

Der Rückstand auf die Spitzenplätze der Liga beträgt schon jetzt drei Punkte. Und am Sonnabend wartet in der ersten Runde des DFB-Pokals mit dem ambitionierten Regionalligisten Viktoria Köln ebenfalls eine Aufgabe, bei der Union ebenfalls nur verlieren kann.