Saisonstart

Union-Trainer Düwel steht vor der Reifeprüfung

In seinem zweiten Jahr als Union-Trainer muss Düwel nun zeigen, dass er den Klub tatsächlich in die Zweitliga-Spitze führen kann.

Union-Trainer Norbert Düwel hat Platz eins bis sechs als Ziel ausgegeben

Union-Trainer Norbert Düwel hat Platz eins bis sechs als Ziel ausgegeben

Foto: Jörg Carstensen / picture alliance / dpa

Berlin –.  Die Szene erinnerte ein wenig an alte Monumentalfilme. Auf dem obersten Rang der Tribüne hatte sich Norbert Düwel positioniert, um seine Mannen, die unten auf dem Rasen ackerten, in der Vorbereitung in Augenschein zu nehmen. Dort, im Trainingslager in Bad Kleinkirchheim, mit den österreichischen Alpen als stille Zuschauer, fielen beim Trainer des 1. FC Union vielleicht endgültig letzte Zweifel ab, ob seine Mannschaft tatsächlich eine gute Zweitliga-Saison spielen kann.

Dieses gewisse Maß an Zufriedenheit, diese Lockerheit aus den Tagen in Kärnten sind wenige Stunden vor dem ersten Pflichtspiel am Sonntag gegen Fortuna Düsseldorf (15.30 Uhr, Alte Försterei) keineswegs verflogen. „15.30 Uhr ist eigentlich eine sehr, sehr gute Anstoßzeit“, sagt Düwel. Wo doch jeder Fan des Fußballs genau weiß, dass um halb Vier die erste Liga ihren angestammten Platz hat. „Aber bis dahin ist es ein langer Weg“, schiebt der Coach gleich hinterher, „deshalb sollten wir nicht zwanghaft von Aufstieg reden.“

Doch tun sie das nicht schon längst in Köpenick? Düwel selbst hat die Plätze eins bis sechs als Ziel ausgegeben, Klubchef Dirk Zingler will mit Union in die Top 20 vorstoßen – das darf als clevere Umschreibung für den Wunsch betrachtet werden, unbedingt in die Bundesliga zu wollen.

Vor einem schweren zweiten Jahr

Der Mann, der dies Union ermöglichen soll, ist Norbert Düwel. Was für Aufsteiger im Allgemeinen gilt, gilt für den 47-Jährigen im Besonderen: Das zweite Jahr ist meist das schwerere. Düwel geht in sein zweites Jahr als Cheftrainer der Köpenicker.

Es warten 34 Spiele, in denen der Oberbayer im Ligaalltag den Beweis erbringen muss, dass er das erfüllen kann, was sich die Verantwortlichen des Klubs bei seiner Verpflichtung vor einem Jahr von ihm versprochen haben: die Mannschaft auf ein spielerisch besseres Niveau zu bringen; die Lücke zu den Spitzenteams komplett zu schließen; Union zum zweiten Bundesligisten der Hauptstadt zu machen. Dabei will er selbst am Bild eines erfolgreichen Cheftrainers bauen. Keine Frage: Die Saison 2015/16 wird für Düwel zur Reifeprüfung.

Die Hausaufgaben dafür hat er gemacht. „Vergangenes Jahr war es ein struktureller Umbruch, dieses Jahr ein personeller“, erklärt er die große Anzahl von neun Zugängen. Dadurch konnte Düwel erstmals ein Team zusammenstellen, dass zu hundert Prozent seine Handschrift trägt.

Teamgeist als Schlüssel zum Erfolg

Insofern wird diese Saison auch aussagekräftiger sein, was die Qualitäten des Coaches angehen. Die Vorsaison war vor allem dadurch geprägt, im Strudel der Umwälzungen im Kader und der damit einhergehenden Talfahrt nicht unterzugehen. Was unter dem Strich nur mit viel Glück und einer starken zweiten Halbzeit gegen Sandhausen gelang. Am zehnten Spieltag drohte Union als Schlusslicht den Anschluss zu verlieren. Doch an jenem Sonnabend im Oktober zeigte ein Haufen Unioner auch erstmals Ansätze jenes Teamgeistes, der nun der Schlüssel für ein erfolgreiches Spieljahr werden kann.

„Gerade in engen Phasen muss man den Teamspirit vorleben. Zum Großteil ist die Mannschaft selbst verantwortlich, in welche Richtung die Dinge laufen. Den Teamspirit muss die Mannschaft selber finden und auch leben“, sagt Düwel.

Gegen Düsseldorf wird sich Düwel wie in jedem Spiel an der Seitenlinie positionieren, um seine Mannen zu beobachten. Mehr als 20.000 Zuschauer werden es auch tun. Mehr als 9000 Dauerkarten dokumentieren zudem die Neugier auf die Lösungen, die Düwel zu finden hofft auf dem schweren Weg in die Zweitliga-Spitze. Die Vorbereitung hat gezeigt, dass die Neugier durchaus berechtigt ist.