Bei Hertha BSC wird auch nach sechs Runden der neuen Saison weiter am Gerüst gebastelt. Immerhin, ein Puzzle-Stein, das zuletzt gefehlt hat, lässt sich am Freitag einfügen. Wenn es ab 20 Uhr im Olympiastadion gegen den VfB Stuttgart geht, wird wohl Nico Schulz, 21, zurückkehren. Der U21-Nationalspieler hat seine Zwei-Spiele-Sperre nach dem Platzverweis beim SC Freiburg (2:2) abgesessen.

Schulz ist vom Trio der Hertha-Youngster der einzige, der permanent zum Einsatz gekommen ist. Das DFB-Pokalspiel gegen Viktoria Köln (4:2) mitgerechnet, stand Schulz in den ersten fünf Pflichtspielen jeweils in der Startelf.

Schulz hat auf die Herausforderung der neuen internen Konkurrenz mit Genki Haraguchi, Valentin Stocker und Marvin Plattenhardt so reagiert, wie sich Trainer Jos Luhukay das wünscht: Mit einer Top-Fitness, einer grimmigen Entschlossenheit in der Defensive, dazu gehörigem Schwung in der Offensive.

Trotz guter Frühform – Brooks in der Kritik

Im Gesamtpaket bietet Schulz, der seine dritte Profisaison bestreitet, eine relativ erwachsene, meint für die Mitspieler berechenbare Leistung an.

John Brooks, 21, und Hany Mukhtar, 19, zahlen ein wenig den Preis dafür, dass das Hertha-Gebilde sich zu oft instabil präsentiert hat. Brooks zeigte sich in guter Frühform, musste aber auf seine Chance warten. Als sich Sebastian Langkamp verletzte, war Brooks da.

Der US-Nationalspieler spielte in Leverkusen stark, hatte aber gegen Mainz (Kicker-Note 4) und in Freiburg (Kicker-Note 5) Probleme. Trainer Jos Luhukay rügte öffentlich: „Für John ist es das Entscheidende, dass er konstant wird. Das Wellental, das er erlebt hat, war letzte Saison akzeptierbar, aber dieses Jahr nicht mehr.”

Brooks: „Es ist nicht einfach für mich“

Brooks war schon in der Vorsaison mehrfach vom Trainer angezählt worden. Sei es mit zwei Auswechslungen innerhalb der ersten halben Stunde. Oder mit dem Streichen aus dem Kader, nachdem Brooks wegen eines Rücken-Tattoos nur eingeschränkt trainieren konnte. Am vergangenen Wochenende war Brooks mit Herthas U23 in der Regionalliga im Einsatz (0:3 in Babelberg).

„Es ist im Moment nicht einfach für mich“, sagte Brooks der Morgenpost. „Aber ich kenne das alles schon aus dem vergangenen Jahr. Ich habe gelernt, damit umzugehen. Für junge Spieler ist so ein Rückschlag nicht einfach zu verkraften, aber Kritik macht einen besser, nicht wahr? Ich versuche, weiter meinen Weg zu gehen.“ Aus seinem Umfeld ist zu hören, dass Brooks geknickt ist.

Brooks ist hochbegabt, nicht zufällig hat US-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann den Berliner mit zur WM nach Brasilien genommen. Luhukay erlebt Brooks täglich im Training. Und eben weil er um dessen Potenzial weiß, geht der Trainer streng mit seinem Innenverteidiger um. „Es liegt an John, ob er wieder in den 18er-Kader oder in die erste Elf zurückkehrt. Das wird aber nur klappen, wenn er im Training an das Maximum kommt.”

Hertha sucht mehr Stabilität

Noch komplizierter ist die Lage für Mukhtar: Der war zwar Ende Juli ein EM-Held, als er im Finale gegen Portugal die deutsche U-19-Nationalmanschaft mit 1:0 zum Titel schoss. Doch Mukhtar macht gerade einen Entwicklungsschritt: Weg vom technisch versierten, wuseligen Offensivspieler, der im Angriff jeden Ball haben will, hin zu einem, der versucht, die Kollegen mit klaren Aktionen einzusetzen.

Und, ebenfalls wichtig: Jemand, der bei Ballverlust genauso emsig in der Defensive unterwegs ist, wie im Vorwärtsgang. Doch Hertha sucht nach dem mäßigen Start (ein Sieg, zwei Remis, drei Niederlagen) nach Stabilität.

Die Herausforderung für die Jungen ist, trotz der persönlichen Rückschläge die Ruhe zu bewahren. Weiter zu arbeiten. Und beherzt die Chance zu ergreifen, wenn sie sich bietet.