Bundesliga

Ronny bewahrt Hertha vor Niederlage in Freiburg

Mit einem Freistoß in der sechsten Minute der Nachspielzeit hat Doppeltorschütze Ronny Hertha vor der nächsten Enttäuschung in der Fußball-Bundesliga bewahrt. Er rettete das 2:2 (1:1) beim SC Freiburg.

Foto: Patrick Seeger / dpa

Die Nacht hing schon über Freiburg, als Ronny sich noch ein letztes Mal den Ball für einen Freistoß zurechtlegte. 90 Minuten waren schon gespielt. Hertha rannte nach schwacher Leistung einem 1:2-Rückstand gegen den SC Freiburg hinterher. Alles schon vorbei. Die Krise schien gegenwärtig. Doch dann lief der Brasilianer an und drosch den Ball aus 30 Meter Entfernung zum Ausgleich ins Netz.

Dass sein Schuss noch abgefälscht war, passte zu diesem seltsamen Spiel, das Hertha am Ende nur dank Ronny und mit viel Glück mit einem schmeichelhaften 2:2 (1:1) beendete. Somit gelang der Auftakt in die englische Woche, die schon am Mittwoch mit dem Heimspiel gegen Wolfsburg weitergeht, wenigstens vom Ergebnis her. „Es war schön, zwei Tore zu erzielen, aber wir haben heute nicht gut gespielt“, sagte Ronny. Auf die Frage, ob er sich sicher gewesen sei, dass er den zweiten Freistoß im Tor versenken würde, antwortete er schlicht. „Ja.“

Vor dem Spiel hatte Luhukay umgebaut

Herthas Trainer Jos Luhukay hatte seine Mannschaft im Vergleich zum enttäuschenden 1:3 gegen Mainz vor einer Woche gleich auf vier Positionen umgebaut: Hajime Hosogai, Peter Pekarik, Ronny und der wiedergenesene Japaner Genki Haraguchi rückten in die Startelf. Das bedeutete aber auch, dass der neue Stürmer Salomon Kalou zunächst erneut auf der Bank Platz nehmen musste. Dem Ivorer fehle noch die Bindung zu seinen Kollegen, hatte Luhukay vor der Partie erklärt.

Gleiches aber hätte der Niederländer nach den ersten 30 Minuten gegen Freiburg auch über so ziemlich jeden seiner Spieler sagen können. Bindung nämlich gab es kaum welche zwischen den Berliner Profis. Nach dem holprigen Saisonstart mit nur einem Punkt aus drei Partien und der zunehmenden Kritik unter der Woche begannen die Herthaner auffällig ängstlich. Die ebenfalls bis dahin noch sieglosen Breisgauer übernahmen – obwohl durch die Ausfälle ihrer beiden besten Angreifer Admir Mehmedi und Dani Schahin geschwächt – schnell die Kontrolle über die Partie.

Hertha zeigt bekannte Schwächen

30 Minuten hatte das noch keine Folgen, dann aber zeigten die Herthaner wieder einmal ihre Schwäche bei gegnerischen Standardsituation: Ein Eckball segelte in den Berliner Strafraum, Stürmer Julian Schieber träumte, und Kempf nickte zum verdienten 0:1 für den SC ein (30.). Es war bereits Herthas drittes Gegentor nach einem ruhenden Ball in dieser Saison – drei Mal war Schieber beteiligt. Der Großteil der 23.600 Zuschauer im Stadion an der Schwarzwaldstraße rissen die Arme hoch, während die Berliner die Köpfe hängen ließen.

Doch so schwach Hertha auch bei gegnerischen Standards ist, bei eigenen sind sie mit einem Spezialisten ausgerüstet: Nur sechs Minuten nach dem Rückstand legte Ronny sich den Ball in 25 Meter Entfernung zurecht, lief an und – anstatt drauf zu dreschen wie für gewöhnlich – hob der Brasilianer das Spielgerät gefühlvoll zum 1:1 über die Mauer ins rechte Toreck (36.).

Der Zeitpunkt für jenen Kunstschuss war weise gewählt: Just im Moment, als Hertha das Spiel völlig zu entgleiten drohte, brachte Ronny die Hoffnung der rund 1000 mitgereisten Berliner Anhänger zurück. Glück aber hatte Hertha, als Freiburgs Felix Klaus mit dem Pausenpfiff nach einem schönen Alleingang nur knapp das Tor verfehlte (45.).

Auf der Tribüne kaute Bundestrainer Joachim Löw gelangweilt Kaugummi, als Hertha mit Beginn der zweiten Halbzeit da weitermachte, wo man aufgehört hatte: wacklig bei Standards sein. Freiburgs Jonathan Schmid legte sich in eine Freistoßflanke, traf aber nur das Außennetz (51.). Luhukay hatte zur Pause reagiert und den schwachen Schieber vom Feld genommen – für ihn kam Kalou. Besserung wollte das aber auch nicht bringen.

„Hier regiert der BSC“

Herthas Fans, die 812 Kilometer bis in den Breisgau zurückgelegt hatten, sangen: „Hier regiert der BSC.“ Allein, zu sehen war davon auf dem Feld nichts. Hätte Kraft nicht mit einer Flugeinlage den Schuss von Philipp aus dem Torwinkel gefischt, es hätte hier erneut den Rückstand gegeben (67.).

Luhukay nahm nun den schwachen Haraguchi vom Feld, und damit kam Herthas teuerster Einkauf in diesem Sommer, Valentin Stocker, zu seinem Bundesligadebüt. Betrieb gab es aber gleich wieder auf der Bank: Kapitän Fabian Lustenberger, gerade erst zurück nach siebenmonatiger Abstinenz, musste wegen einer Fußverletzung ausgewechselt werden (74.). Löw hatte seinen Platz da schon längst verlassen.

Wäre der Bundestrainer geblieben, hätte er verfolgt, was sich zuvor schon angedeutet hatte: Wieder verlor Hertha ein Kopfballduell im Strafraum nach einem hohen Ball, Klaus stand plötzlich völlig blank und schoss den Ball zum 2:1 ins Netz (79.). Als dann auch noch Nico Schulz kurz vor dem Abpfiff die Rote Karte wegen einer Notbremse sah, schien dieser Freitagabend endgültig gelaufen für die Berliner. Aber dann kam Ronny.