Bundesliga

John Anthony Brooks, der Zauberlehrling von Hertha

Eben noch wegen Formschwäche aussortiert, nun auf dem Sprung zur Weltmeisterschaft nach Brasilien: Herthas Innenverteidiger John Brooks pendelt in seiner ersten Bundesliga-Saison zwischen den Extremen.

Foto: JOHN MACDOUGALL / AFP

John Brooks wurde bestimmt beiseite gezogen. Der Pressesprecher versuchte eine Brücke zu bauen. Die Medienvertreter wollten Brooks sprechen. Er könne sagen, sagte Pressechef Peter Bohmbach, dass Brooks nur zu sportlichen Fragen Stellung nehme. Er sei mittlerweile im dritten Jahr Fußball-Profi, Medienarbeit gehöre zum Job. Doch Brooks schüttelte den Kopf. Er wolle nichts sagen, nur weil er mal ein Tor geschossen habe. Sprach’s und strebte kommentarlos in Richtung Kabine.

Dafür sprach sein Vorgesetzter. „Ich habe mich sehr gefreut, dass John sein Leistung mit dem wichtigen 1:0 gekrönt hat“, sagte Jos Luhukay. Der Trainer von Hertha BSC war heilfroh über den Treffer seines Innenverteidigers, der nach einer guten Stunde die Berliner auf die Siegerstraße gebracht hatte. Am Ende stand mit dem 2:0 gegen den Tabellenletzten Eintracht Braunschweig der erste Heimsieg des Jahres.

Brooks Herthas torgefährlichster Defensivspieler

Und der Aufsteiger schaut sich die verbleibenden zwei Bundesliga-Runden mit nunmehr 41 Punkten von Rang zehn aus in aller Gelassenheit an.

Brooks, 21 Jahre jung, gehört zu den Entdeckungen dieser Saison. Von seinen körperlichen Voraussetzungen erinnert der Innenverteidiger an Jerome Boateng. Gegen Braunschweig hat er als bisher einziger von Herthas Defensivspielern seinen zweiten Treffer erzielt. Eine Qualität, die der Trainer des öfteren von seinem Kader eingefordert hat. Doch ob Sebastian Langkamp, Peter Pekarik, Johannes van den Bergh, Fabian Lustenberger, Hajime Hosogai oder Peter Niemeyer – bei allen steht die Null.

Das Problem mit dem Tattoo

Gleichzeitig lernt Brooks das Profigeschäft auf die harte Tour kennen. Innerhalb von zwei Wochen erlebt er, wie schnell das Pendel von ‚total draußen‘ bis ‚Man of the Match‘ ausschlagen kann. Und wie extrem schnelllebig die Branche ist. „Es ist die erste Bundesliga-Saison von John“ sagte Luhukay. „Er erlebt das Jahr wie ein Wellenbad. Das muss man jungen Spielern zugestehen.“

Dass Brooks Ende April wieder von einem WM-Ticket im US-Nationalteam träumen darf, danach hatte es vor zwei Wochen nicht ausgesehen. Im Gegenteil. Gegen Leverkusen (1:2) stand der Youngster trotz Personalsorgen in der Abwehr nicht mal im 18er-Kader. Trainer Luhukay hatte die schwachen Trainingsleistungen bei Brooks reagiert. Die damit zusammenhingen, dass der Profi sich seit Wochen in diversen Sitzungen ein großflächiges Tattoo auf dem Rücken stechen lässt. „John hatte bittere Momente“, sagte der Trainer. „Es ist für einen jungen Spieler, der nicht so viel Lebenserfahrung hat, nicht einfach, wenn es öffentlich um seine Privatsituation geht.“ Aber das Tattoo „das wollte John selbst so, dafür hat er sich entschieden. Und das ist dann in die Öffentlichkeit gekommen.“

Trainer Luhukay: Man lernt auch aus schlechten Erfahrungen

Die gesamte Saison, so Luhukay „ist ein Zusammenhang zum Lernen für John. Das gehört zu einem Wachstumsprozess. Man wird nicht nur durch gute Momente erwachsen. Man wird auch von weniger guten Erfahrungen geprägt.“

Die Reaktion von Brooks auf die Rückschläge, zu denen auch mehrere vorzeitige Auswechslungen durch den Trainer gehörten, war zuletzt überzeugend. In der Vorwoche in Augsburg rutschte der Manndecker Minuten vor dem Anpfiff durch den Verletzungsausfall von Lustenberger in die Startelf. Und bot eine konzentrierte, sachliche Leistung. Ebenso agierte er gegen Braunschweig. Brooks war Herthas bester Zweikämpfer (75 Prozent gewonnene Duelle). Nachdem Herthas Offensivabteilung um Sami Allagui und Alexander Baumjohann beste Chancen hatte liegen lassen, brach Brooks mit seinem Führungstreffer den Bann.

Klinsmann setzt auf den Hertha-Manndecker

Jürgen Klinsmann, der US-Nationaltrainer, hatte sich vor zehn Tagen telefonisch bei Hertha-Manager Michael Preetz nach Brooks erkundigt. Ungeachtet der damaligen Rückschläge hatte Klinsmann erklärt, für die Weltmeisterschaft Brasilien (12. Juni bis 13. Juli) auf den Herthaner zu setzen – falls er regelmäßig bei seinem Verein spielt.

Mit Leistungen wie gegen Augsburg oder Braunschweig wird Brooks auch in den ausstehenden Saisonbegegnungen von Hertha (gegen Werder Bremen und Borussia Dortmund) erste Wahl sein. Und damit die Forderung von Klinsmann nach einem Spielrhythmus auf Erstliga-Niveau erfüllen.

Kommunikation per Twitter

Drei Länderspiele hat Brooks für die USA absolviert. Sollte der Junge aus Mariendorf den Sprung in den US-Kader schaffen, wird er sich weiterentwicklen. Für Brasilien gehört ein sicherer Auftreten in der Öffentlichkeit zur Standardausrüstung.

Luhukay sagt: „Wir stehen alle hinter ihm. John kommt aus der Hertha-Jugend. Er hat absolut das Potenzial, um sich in der Bundesliga durchzusetzen.“

Brooks freut sich per Twitter

Im Internet-Zeitalter entschied sich Brooks für eine Kommunikation mit seinen Fans, wo er auf keine Fragen antworten muss, aber trotzdem seine Stimmung ausdrücken kann. Auf Twitter, Instagram und Facebook stellte Herthas Jung-Profi ein Foto ein. Jene Szene, in der er am Sonnabend das 1:0 im Olympiastadion erzielt. Und schrieb (auf Deutsch und Englisch): „Sieg gegen Braunschweig und glücklich über mein zweites Saisontor – Great victory against Braunschweig and happy about my second goal of the season #hahohe.“

Luhukay schaut bereits nach vorn. „John kann aus diesem Jahr viel lernen, im ersten Lehrjahr gehört das dazu. Mit dem Hintergedanken, dass er sich im zweiten Bundesliga-Jahr mehr stabilisiert und konstanter wird mit seiner Leistung.“ Das gelte übrigens ähnlich auch für Nico Schulz, 21, ein weiteres Hertha-Eigengewächs.