Bundesliga

Jos Luhukay hat Herthas Gerüst gefunden – ohne John Brooks

In Augsburg wird der Hertha-Coach zum ersten Mal in dieser Saison seine Startelf beibehalten. Der Niederländer hofft auf mehr Stabilität – und nimmt einen seiner Youngster ausdrücklich in die Pflicht.

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Für einen Augenblick wechselte Jos Luhukay die Branche. „Wenn man ein Haus baut“, sagte der Niederländer, „dann braucht man ein starkes Fundament.“ Es war ein passendes Bild, mit dem er seine Ausführungen begann – schließlich ist er als Trainer von Hertha BSC gewissermaßen auch Baumeister.

Aus einer Ansammlung von Individualisten muss er ein tragfähiges Gesamtkonstrukt errichten. Und jenes sollte vor allem eins sein: stabil. Also spannte Luhukay schnell den Bogen zurück zu seinem Fachgebiet. Auch in einer Mannschaft sei es wichtig, dass sieben oder acht Spieler für das Fundament sorgen.

Nach dem befreienden ersten Saisonsieg gegen den VfL Wolfsburg scheint der Hertha-Coach das Gerüst seines Teams gefunden zu haben. In den bisherigen fünf Saisonspielen hatte Luhukay nicht ein Mal dieselbe Startformation auf den Platz geschickt, sei es aufgrund von Verletzungen, Länderspielbelastungen oder, weil er neue Spieler integrieren wollte.

Deutliche Botschaft an Brooks

Ein Muster, von dem er am Sonntag (15.30 Uhr bei Sky und im Liveticker auf immerhertha.de) in Augsburg abrücken dürfte. „Es gibt keinen Grund dafür, etwas zu ändern“, sagte Luhukay. Herthas Fundament, es nimmt Form an.

Die Hertha-Profis, die am vergangenen Mittwoch mit unbändigem Einsatz das 1:0 verteidigten, werden das gern hören. Diejenigen, die gegen Wolfsburg nicht zum Zuge kamen, weniger. Einen zuletzt wackelnden Pfeiler scheint der Chef-Konstrukteur besonders kritisch zu beäugen.

„John Brooks hat viele Momente gehabt, in denen er nicht stabil war“, sagte Luhukay mit Blick auf die Partie beim SC Freiburg, die für Hertha mit einem äußerst glücklichen 2:2 endete. In der Innenverteidigung, wo Fehler meist gnadenlos bestraft werden, könne man sich das nicht erlauben.

Tatsächlich fehlt es Herthas Eigengewächs an Konstanz. Das sportliche „Wellental“ (Luhukay), das der 21-Jährige während seiner Premierensaison in Deutschlands höchster Spielklasse durchschritt, sei in der letzten Saison noch hinnehmbar gewesen. In dieser nicht mehr.

Lustenberger und Heitinga gesetzt

Luhukay nimmt Brooks in die Pflicht: „Ob er in den 18er-Kader oder in die Startelf zurückkehrt, liegt an John selbst. Das wird nur klappen, wenn er im Training an das Maximum herankommt.“ Harte Worte, die auch deshalb so bemerkenswert sind, weil sich Luhukay normalerweise sträubt, über Spieler zu sprechen, die auf der Bank oder gar auf der Tribüne sitzen.

Anstelle von Brooks wird Luhukay im Abwehrzentrum also erneut auf Fabian Lustenberger und John Heitinga vertrauen. Davor sollen die laufstarken Hajime Hosogai und Per Skjelbred für zusätzliche Stabilität sorgen. Mit demselben Personal, so hofft Luhukay, werden sich in den kommenden Spielen die nötigen Automatismen einstellen.

Zunächst aber folgt der Belastungstest in Augsburg. Wie tragfähig das neue Hertha-Gerüst zum jetzigen Zeitpunkt ist, zeigt sich am Sonntag.