Bundesliga

Hertha verliert 0:1 gegen Augsburg - mit Wut im Bauch

Hertha BSC wirkte beim Gastspiel in Augsburg in der Offensive ideenlos, Torgefahr strahlten nur die Hausherren aus. Die profitierten jedoch von einer umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidung.

Foto: Stefan Puchner / dpa

Die Durchschlagskraft kam erst, als das Spiel schon längst vorbei war. Thomas Kraft, der Torwart von Hertha BSC, stürmte nach dem 0:1 (0:1) gegen den FC Augsburg wütend durch die Katakomben der Augsburger Arena, trat einen Absperrpfosten mit den Stollenschuhen um, dass es krachte, und schimpfte: „Wie die sich hier benehmen in diesem Verein, das ist Wahnsinn, unfassbar“, polterte Kraft und meinte damit den Gastgeber. Damit aber nicht genug: „Selbst der Balljunge“, wütete Kraft, „der beschimpfte dich nach 20 Minuten schon als Pisser.“ Dann verschwand Kraft in der Kabine, doch er war nur der wütendste von vielen ziemlich wütenden Berlinern an diesem Tag.

Hertha verliert das Auswärtsspiel gegen Augsburg durch einen zumindest umstrittenen Foulelfmeter, den Paul Verhaegh für den FCA verwandelte (27. Minute), aber auch, weil den Berlinern gegen die aggressiv auftretenden bayrischen Schwaben die Leidenschaft fehlte, die noch am Mittwoch zum überraschenden Sieg gegen Wolfsburg (1:0) geführt hatte. Jos Luhukay sah das zwar ähnlich, doch Herthas Trainer war nach dem Schlusspfiff so aufgebracht wie selten zuvor nach einer Partie, weil er sich und seine Mannschaft von Schiedsrichter Bastian Dankert krass benachteiligt fühlte: „Ich bin stinksauer, weil wir das Spiel durch den Schiedsrichter verloren haben. Das war nie und nimmer ein Elfmeter. Sicher, wir waren auch nicht gut heute, aber diese Szene entscheidet alles.“

Jene Szene, die den 51-Jährigen aus der Fassung brachte, ereignete sich in der 26. Minute: Per Skjelbred hatte vorn den Ball verloren, und Hertha lief in einen Augsburger Konter. Raul Bobadilla tauchte plötzlich völlig frei vor dem herausstürmenden Kraft im Berliner Strafraum auf, suchte den Kontakt, fand ihn und ging ein bisschen zu gewollt zu Boden. Trotzdem gab es Elfmeter und die Gelbe Karte für Kraft. Verhaegh traf sicher.

„Ein billiger Elfmeter, den man nicht geben muss“, fand Skjelbred später. Und Herthas Kapitän Fabian Lustenberger wurde noch deutlicher: „Für mich war es kein Strafstoß. In anderen Partien wurden Spieler bei ähnlichen Aktionen schon mit Gelb für eine Schwalbe bestraft“, sagte der Schweizer. Am Ende nutzte das Lamentieren aber natürlich nichts. Hertha muss die dritte Saisonniederlage hinnehmen, tritt in der Tabelle weiter auf der Stelle (Platz 14) und wartet nun saisonübergreifend seit neun Auswärtsspielen auf einen Sieg.

Aber nicht nur die Elfmeterszene und das womöglich flegelhafte Verhalten einiger Balljungen im Stadion erzürnten die Hauptstädter. Auch über seinen Trainerkollegen Markus Weinzierl und FCA-Manager Stefan Reuter ärgerte sich Luhukay: „Sie haben sich ständig beim vierten Schiedsrichter beschwert – und das in Situationen, in denen ihre eigenen Spieler gefoult hatten. Das war mir des Guten etwas zu viel“, sagte Luhukay und reichte Weinzierl später zum Abschied ohne Blickkontakt die Hand.

Hertha in der Defensive wacklig

Doch bei allem Ärger über die Rahmenbedingungen, Luhukay hatte ebenfalls guten Grund, über die Leistung seines eigenen Teams verbittert zu sein. Seine Mannschaft begann seltsam verhalten, ließ sich von der aggressiven Gangart der Augsburger verunsichern und schaffte es zu keinem Zeitpunkt des Spiels, echte Gefahr vor dem FCA-Tor zu erzeugen. Eine einzige Chance hatten die Blau-Weißen im ersten Durchgang, als Salomon Kalou es aus 18 Metern mit einem wuchtigen Schuss probierte. Doch der Augsburger Keeper Marwin Hitz parierte (10.).

Dazu kam, dass Hertha in der Defensiv wieder so wacklig agierte wie vor dem Wolfsburgspiel. Da schob der ansonsten sichere Lustenberger dem Augsburger Halil Altintop unbedrängt den Ball genau in den Fuß (unangenehm), ließ sich von ihm dann auch noch durch die Beine spielen (besonders unangenehm) und hatte nur Glück, dass sich Peter Pekarik – der einzige Berliner mit Normalform an diesem Tag – in höchster Not dazwischen schmiss.

Nach dem Seitenwechsel und 20 Minuten ohne erkennbare Verbesserungen stellte Luhukay sein System um: Mit Julian Schieber kam ein zweiter Stürmer. Zudem sollte Valentin Stocker den Angriff beleben. Gelingen konnte es beiden nicht. So etwas Ähnliches wie eine Torchance hatte Kalou, als er einmal allein vor Hitz auftauchte, doch vom starken Augsburger Linksverteidiger Abdul Rahman Baba ausgebremst wurde (74.). Auf der anderen Seite verhinderte Pekarik im Fünfmeterraum, dass Tobias Werner für das 0:2 sorgte (78.). Das war es dann schon. „Uns hat diesmal die Durchschlagskraft ge-fehlt“, reüssierte Luhukay, als er seinen Ärger wieder ein bisschen verdaut hatte. Nur der Absperrpfosten in den Katakomben der Augsburger Arena würde anderes behaupten.