Da war es wieder, das ansteckende Lächeln des Salomon Kalou. Als der Ivorer am Sonnabend vor die Medienvertreter trat, strahlte er mit der Herbstsonne um die Wette. Herthas neuer Star fühlt sich sichtlich wohl in Berlin – und das nicht nur, weil er seine Mannschaft am Vorabend mit zwei Toren zum 3:2-Sieg gegen den VfB Stuttgart geschossen hatte. „Ich komme immer mehr an“, sagt Kalou, „im Team und auch in der Stadt“.

Einer, der ihm bei der Integration besonders hilft, ist John Heitinga. Beide kennen sich schon seit Jahren, doch während sie in den Niederlanden und England als Gegner aufeinandertrafen, steuern sie in Berlin fast auf eine Wohngemeinschaft zu.

„Ich habe John schon gebeten, dass er mir einen Zweitschlüssel für seine Wohnung gibt“, erzählt Kalou. Nicht selten stattet er dem Verteidiger zum Essen einen Besuch ab.

Genauso schnell wie in Heitingas Küche ist der 29-Jährige zum Stammgast in Herthas erster Elf geworden. Beim ersten Saisonsieg gegen den VfL Wolfsburg (1:0) hatte er mit seinem Siegtor ein erstes Ausrufezeichen gesetzt, gegen Stuttgart ließ er nun zwei weitere folgen.

Ebenso bescheiden wie treffsicher

Den viel diskutierten Elfmeter, der zum 1:1 führte, verwandelte er mit der ihm eigenen Lässigkeit (22. Minute), ehe er beim 2:1 (65.) seine ganze Klasse aufblitzen ließ. Mit brillanter Technik und rasantem Tempo, vor allem aber durch eine kurze Finte, mit der er den starken VfB-Torwart Thorsten Kirschbaum verlud.

Als Matchwinner aber wollte sich Kalou trotz seiner Saisontore zwei und drei nicht feiern lassen. Stuttgarts Keeper habe bis dahin wirklich sehr gut gehalten, erklärte er in aller Bescheidenheit, die Idee mit der Täuschung sei wohl nicht so schlecht gewesen. Ein typisches Kalou-Statement.

Jos Luhukay weiß den Charakter seines Stürmers zu schätzen. „Wenn man nicht wüsste, dass er eine so fantastische Karriere hinter sich hat, würde man es ihm nicht anmerken“, sagt der Niederländer.

Kalous Tore geben Hertha Sicherheit

Die frühere Mitgliedschaft im Star-Ensemble des FC Chelsea scheint Kalous zurückhaltendes Wesen nicht verändert zu haben. Er beobachte lieber, statt viel zu reden, sagt er. „Ich versuche die Dinge um mich herum erst mal zu verstehen.“

Luhukays Idee vom schnellen Umschaltspiel scheint er schon nach fünf Spielen verstanden zu haben. „Dass wir so einen Spieler haben, gibt uns Vertrauen“, sagt der Hertha-Trainer. „Einen, der mit individueller Stärke immer ein Tor erzielen kann, so wie es Adrian Ramos in den letzten Jahren gemacht hat.“

Mit 16 Treffern war Ramos in der vergangenen Saison Herthas Lebensversicherung. Von Sehnsucht ist trotzdem nichts zu spüren in Berlin – weil Kalou die Lücke derzeit nahtlos schließt. Ob er die Torausbeute seines Vorgängers erreicht, bleibt abzuwarten. Derzeit macht es aber stark den Anschein, als würde Kalou noch häufiger Grund zum Lächeln haben.