Bundesliga

Kalou macht‘s möglich - Hertha feiert ersten Saisonsieg

Der VfL Wolfsburg agierte überlegen, Hertha BSC beendete aber das lange Warten auf einen Bundesliga-Sieg. Der erste „Dreier“ der neuen Spielzeit brachte den Berlinern Erleichterung.

Manchmal kann man den Ausgang eines Fußballspiels schon erahnen, wenn man den Beteiligten beim Warmschießen zusieht. So zum Beispiel bei der Partie von Hertha BSC gegen den VfL Wolfsburg am Mittwochabend. Da drosch der Brasilianer Ronny jeden Ball in die Maschen, und selbst der ansonsten jeder Torgefahr unverdächtige Marcel Ndjeng traf das Ziel. Auf der anderen Seite landeten die Schüsse der Niedersachsen in schöner Regelmäßigkeit im Seitenaus.

Man liest aus so etwas dann gern eine gewisse Galligkeit bei den einen und eine Schludrigkeit bei den anderen heraus. Und das Gallige, das war es ja, was den Berlinern zuletzt so gefehlt hatte. Diesmal allerdings war es da – und es wollte sich auch vom zuvor so gut aufgelegten Europapokalteilnehmer nicht austreiben lassen. Hertha gelang dank eines beherzten Auftritts und Salomon Kalous erstem Tor für die Berliner (34. Minute) der so herbeigesehnte erste Saisonsieg mit 1:0 (1:0) gegen den VfL.

Heitinga durfte wieder ran

„Wir wollten einen Kampf zeigen, wir wollten Herz zeigen und unseren Fans, die zuletzt etwas zu kurz gekommen waren, etwas bieten“, sagte Ndjeng. Trainer Jos Luhukay hatte seine Mannschaft mal wieder umbauen müssen: Für den Rot-gesperrten Nico Schulz rückte Rechtsverteidiger Peter Pekarik nach links. Ansonsten brachte der Niederländer vier neue Spieler im Vergleich zum schwachen Auftritt gegen Freiburg (2:2). John Heitinga durfte ebenso wieder mitwirken wie Ndjeng und Per Skjelbred. Zudem gab Kalou sein Startelfdebüt für die Herthaner.

Die begannen, wie schon das Warmmachprogramm vermuten ließ, druckvoll und attackierten die Niedersachsen mutig. Erstaunlich war das deshalb, weil die Blau-Weißen zuletzt eher seltsam ängstlich in ihre Spiele gingen. Luhukay hatte vor der Partie gefordert, sein Team solle den Glauben an sich und den ersten Saisonerfolg ausstrahlen – und das tat es, auch wenn längst nicht alles gelang. Da kam Kalou nach einem feinen Pass von Genki Haraguchi in den Strafraum noch einen Schritt zu spät. Da misslang auch mal eine Ballannahme. Aber der Wille war erkennbar – und der schien zuletzt ja irgendwo verloren gegangen. „In dem einen oder anderen Moment hatten wir das Glück“, sagte Luhukay, „wir haben den Sieg heute erzwungen. Wir können noch viel verbessern, aber wenn man sich etwas erkämpft, wird man auch belohnt.“

Hertha macht fleißig Druck nach vorn

Die erste Gelegenheit für die Hausherren hatte Hajime Hosogai, doch den Kopfball des Japaners nach einer Ecke von Ronny klärte Wolfsburgs Schlussmann Diego Benaglio mit der Schulter (27.). Im Gegenzug hätte sich der Offensivdrang der Berliner fast gerächt, als Vierinha nach einem Konter allein vor Herthas Torwart Thomas Kraft auftauchte – doch dieser parierte mit einem sehenswerten Reflex (31.). Hertha war die engagiertere Mannschaft – und sie wurde belohnt: Ndjeng lief Wolfsburgs Linksverteidiger Ricardo Rodriguez im Vollsprint an, klaute dem Schweizer den Ball und trat, als wolle er jenes Vorurteil seiner Torungefährlichkeit revidieren, eine so butterweiche Flanke in den Strafraum, dass der völlig verwaiste Kalou nur noch zum 1:0 einköpfen musste (34.). Erstes Spiel von Beginn an für den Ivorer – erstes Tor.

So schwungvoll, wie die erste Halbzeit endete, begann auch die zweite. Hertha machte weiter fleißig Druck nach vorn und kniete sich vor allem in die Zweikämpfe. „Man hat gesehen, dass man mit Zusammenhalt und Teamgeist einen stärkeren Gegner schlagen kann“, freute sich der Hertha-Trainer.

Wolfsburg riskierte nun mehr. VfL-Trainer Dieter Hecking wechselte mit Daniel Caligiuri, Aaron Hunt und Ivan Perisic gleich drei neue Offensivspieler ein. Ein Schuss von Nicklas Bendtner (60.) ging ebenso über das Tor wie ein Versuch von Caligiuri (69.). Hertha verlegte sich aufs Kontern vor nur 35.847 Zuschauern im eigenen Stadion. Und hätte VfL-Torwart Benaglio im Eins-gegen-Eins nicht so bravourös gegen Kalou pariert, es hätte zwanzig Minuten vor Schluss die Entscheidung gegeben.

Erster Heimsieg seit April

Luhukay wollte nun das Ergebnis sichern und die Größenverhältnisse auf dem Platz korrigieren. Er nahm den nur 1,80 Meter kleinen Innenverteidiger Heitinga vom Feld und stellte den 1,94 Meter großen Mittelfeldspieler Jens Hegeler ins Abwehrzentrum, um bei hohen Bällen weniger anfällig zu sein.

Den gleichen Grund hatte der Wechsel Kalou gegen Sandro Wagner. Die Erkenntnis der eigenen Schwäche bei Standardsituationen zuletzt war hier der Vater des Gedanken. Gefährlich wurde es nur noch einmal, als Kraft einen Fernschuss von Rodriguez erst im Nachfassen vor dem heranstürmenden Perisic sicher hatte (82.). Hertha ließ auch in den spannenden Schlussminuten nichts mehr zu, blieb zum ersten Mal in dieser Spielzeit ohne Gegentor und erkämpfte sich so den verdienten ersten Heimsieg seit April.

Als der Abpfiff ertönte, riss Luhukay die Arme in den Berliner Nachthimmel, und seine Spieler lagen sich aus Erleichterung in den Armen. Vor dem Auswärtsspiel gegen Augsburg am Sonntag kann der zuletzt kriselnde Hauptstadtklub wieder aufatmen.