Der 22. Januar war ein Tag mit Gewicht für Adrian Ramos. Einerseits feierte Herthas Angreifer, der ab der nächsten Saison für Borussia Dortmund auflaufen wird, seinen 28. Geburtstag. Andererseits geschah an jenem Abend etwas, das maßgeblichen Einfluss darauf haben sollte, wie der Kolumbianer die kommenden Wochen verbringen wird.

In einem Pokalspiel mit dem AS Monaco riss am 22. Januar das Kreuzband von Radamel Falcao. Und obwohl der Heilungsprozess rascher verlief als erwartet und sich Falcao gemeinsam mit der kolumbianischen Nationalteam in Buenos Aires auf die WM vorbereitete, muss der Weltklassestürmer nun doch seine Teilnahme in Brasilien absagen.

Am späten Montagabend verkündete Kolumbiens Nationaltrainer José Pekerman, dass Falcao nicht rechtzeitig fit wird und er auf ihn verzichten muss. Mit dabei im 23-Kader der Kolumbianer allerdings ist Adrian Ramos – als einziger Bundesligaprofi.

Hertha-Manager Preetz: „Adrian hat es verdient“

Dass sich der 28-Jährige den WM-Traum erfüllen kann, war vor der abgelaufenen Saison nicht zu erwarten. Der erneute Gang in die Zweite Liga mit Hertha 2012 hatte dazu geführt, dass Pekerman mehr als zwei Jahre lang nicht mehr auf ihn setzte. Falcaos Verletzung war ein gewichtiger Grund für Ramos’ Rückkehr zu den „cafeteros“ – den Kaffeeplückern, wie die Südamerikaner genannt werden. Ein zweiter war Ramos selbst.

Vor allem in der Hinrunde mit Hertha zeigte er sich in bestechender Form, traf elf Mal und wurde zum Spieler der Hinserie gewählt. Die Rückrunde lief schleppender, und dennoch brachte er es auf insgesamt 16 Tore und acht Vorlagen. Damit war Ramos an 60 Prozent aller Berliner Saisontreffer beteiligt und für Hertha nicht mehr zu halten. Für 9,7 Millionen Euro wechselt er zum BVB.

Ramos’ Nominierung für die WM haben sie bei Hertha freudig zur Kenntnis genommen: „Wir gönnen es Adrian von Herzen. Er hat sich die WM verdient“, sagt Herthas Manager Michael Preetz. Eine Nichtberücksichtigung des Angreifers hätte Preetz ohnehin nicht nachvollziehen können: „Ein Spieler, der in einer Topliga Topleistungen gebracht hat, muss einfach bei der WM dabei sein.“

Berliner erhalten eine Abstellgebühr für Ramos

Ramos ist neben John Brooks (USA) der zweite Hertha-Profi bei der WM. Dazu kommt der Schweizer Valentin Stocker, der zur nächsten Saison nach Berlin wechselt. Für Hertha zahlt sich das aus: Der Klub erhält eine tägliche Abstellungsgebühr von den jeweiligen Verbänden. Bei Ramos gilt das bis zum 30. Juni, denn dann endet sein Vertrag in Berlin.

Voraussetzung dafür ist, dass Kolumbien auch bis zu diesem Zeitpunkt im Turnier bleibt. Die Zeichen dafür stehen gut, denn Ramos’ Expeditionstour durch Brasilien beginnt aussichtsreich: In Gruppe C trifft Kolumbien auf Japan, Griechenland und die Elfenbeinküste. Zwar wird es die erste WM-Teilnahme seit 16 Jahren für die Kolumbianer – und nie kam man bei den vier Auftritten zuvor über das Achtelfinale hinaus.

Doch mittlerweile ist Kolumbien bis auf Platz fünf der Fifa-Weltrangliste vorgerückt. Wie hochwertig Kolumbiens Sturm trotz Falcaos Ausfalls besetzt ist, zeigt eine Zahl: 75 Millionen Euro bezahlten Monaco und der FC Porto für die Offensivspieler James Rodriguez und Jackson Martinez zusammen. Adrian Ramos muss sich in diesem Ensemble seinen Platz suchen.