Transfer

Wie Hertha den Japaner Genki Haraguchi holte

Hertha hat Genki Haraguchi von den Urawa Red Diamonds bis 2018 verpflichtet. Doch die Zusage haben die Berliner bekommen, weil sich ein Hertha-Spieler bei dem Japaner für den Klub stark gemacht hat.

Foto: Ahmad Yusni / dpa

Vielleicht hat Herthas Zugang Genki Haraguchi schon eine Einladung von seinem zukünftigen Berliner Teamkollegen Hajime Hosogai bekommen. Denn die japanischen Fußballprofis in Deutschland haben eine geschlossene Chatgruppe bei Line. Die Anwendung ist die asiatische Variante von Whatsapp, in der sich die Spieler fernab der Heimat unterhalten, Bilder und Videos austauschen.

Der Zusammenhalt der japanischen Community in Deutschland ist ein wichtiger Anreiz für Kicker aus Fernost, den Wechsel in die Bundesliga anzustreben. Doch auch Hertha verspricht sich viel von dem erst 23-jährigen Haraguchi, der einen Vierjahresvertrag bis Juni 2018 in Berlin unterschrieben hat.

„Genki Haraguchi ist ein variabler Angreifer, der auf der linken wie rechten Seite, im Zentrum oder als hängende Spitze spielen kann. Durch seine Verpflichtung eröffnen sich für uns im Offensivbereich viele Möglichkeiten“, sagte Manager Michael Preetz. Es sind allerdings nicht einfach die verschiedenen Positionen, auf denen der Japaner spielen kann, die Herthas Verantwortliche von ihm überzeugt haben. Er passt in das Anforderungsprofil, mit dem der Klub seine Offensive zur neuen Saison verstärken möchte. „Er ist sehr schnell und kommt auch zum Torabschluss“, nannte Preetz die Kriterien, nach denen die Berliner gesucht haben.

Scouting zahlt sich aus

Der Transfer sagt viel über das Berliner Scouting aus. Denn obwohl das Herauslösen von Haraguchi aus seinem bis Ende 2014 laufenden Vertrag bei den Urawa Red Diamonds für eine mittlere sechsstellige Summe vergleichsweise günstig war, hat Hertha einen hohen Aufwand betrieben, um sämtliche Informationen über den Japaner zu bekommen.

Der Tipp, sich den 1,77 Meter großen Offensivspieler anzusehen, kam von einem Beobachter, den die Berliner für den Raum Südostasien beauftragt haben. Danach reiste Hertha-Scout Sven Kretschmer zwei Mal nach Japan, um sich Haraguchi vor Ort anzusehen.

Expertise von Ex-Coach Volker Finke

Zusätzlich sagte auch Hosogai, der seit einem Jahr bei den Blau-Weißen spielt, nur Gutes über den flinken Angreifer. Auch Guido Buchwald und Volker Finke, beides ehemalige Trainer der Red Diamonds wurden zu dem schnellen Japaner befragt. Vor allem Finke, der sich gerade als Trainer der Nationalmannschaft von Kamerun auf die Weltmeisterschaft vorbereitet, hat in dem Fall eine konkrete Expertise. Er holte als Trainer Haraguchi von der Jugend zu den Profis. Seitdem kam Herthas Neuer zu 195 Pflichtspielen.

Zuletzt flog Preetz selbst Ende April für drei Tage nach Japan, sah sich ein Spiel von Urawa an und begann die Verhandlungen. Die Sorgfalt, die in dem Transfer steckt, ist auch ein Verdienst der Leistung der vergangenen Saison, in der Hertha dank des frühen Klassenerhalts Planungssicherheit hatte.

Für Haraguchi war klar, dass er irgendwann den Schritt in eine große Profi-Liga wagen muss. Schon zwei Mal stand er vor einem Wechsel. Die scheiterten vor allem an weichen Faktoren. Nicht umsonst betonte Hertha-Trainer Jos Luhukay, dass er dem Zugang Zeit zur Integration lassen würde. „Natürlich muss Genki sich erst mal umstellen – das braucht sicher Zeit, die wir ihm natürlich zugestehen. Für ihn ist hier alles absolut neu: Der Kontinent, die Stadt, der Verein, die Sprache, die Lebensgewohnheiten“, sagte der Niederländer.

Hosogai schwärmte Haraguchi von Berlin vor

Helfen soll ihm dabei Hosogai, der einen nicht unwesentlichen Anteil daran hat, dass Haraguchi sich für Hertha entschied. Beide spielten zwei Jahre bei Urawa zusammen in einem Team. Es war Hosogai, der dem 23-Jährigen von Berlin vorschwärmte. Die deutsche Hauptstadt kann eine große japanische Community vorweisen.

Nicht nur die Botschaft des Landes sorgt für eine lebendige Kultur, sondern auch viele Restaurants und hier lebende Japaner. Berlin sei um drei Klassen besser als jeder andere Bundesliga-Standort, um den Schritt aus der J-League nach Europa zu wagen. Hertha profitiert zudem vom Image der Bundesliga, das insgesamt in Südostasien ansteigt.

Für Haraguchi geht es nicht nur darum, sich in einer europäischen Top-Liga zu etablieren, in der ein anderes Niveau und auch eine andere Härte herrscht. Der 23-Jährige, der auf drei Einsätze für Japan zurückblicken kann, möchte über Hertha wieder den Sprung in die Nationalmannschaft schaffen. Für die Weltmeisterschaft in Brasilien unter Trainer Alberto Zaccheroni reichte es in dieser Saison nicht.

Mit Kagawa fing der Japan-Trend an

Der Vierjahres-Vertrag, den Hertha dem Zugang zur Unterschrift vorgelegt hat, zeigt aber auch, dass die Berliner in ihm viel Potenzial sehen. Sollte er sich bei Hertha durchsetzen und in der Bundesliga auf sich aufmerksam machen, wäre er nur gegen größere Summen aus dem Vertrag zu kaufen. Als Beispiel gilt in Deutschland die Verpflichtung des damals unbekannten Shinji Kagawa durch Dortmund. Der Angreifer kam 2010 für 350.000 Euro ins Ruhrgebiet und brachte zwei Jahre Später beim Wechsel zu Manchester United eine geschätzte Ablöse von 16 Millionen.

Diesen Aspekt sieht Hertha aber nicht im Vordergrund, auch wenn die Vertragskonstellation eine Vorbereitung darauf ist. „Wir erwarten uns vor allem viel Freude an ihm auf dem Platz“, sagte Preetz dazu. Zu sehen bekommen die Hertha-Fans den Japaner erst zum offiziellen Trainingsauftakt am 30. Juni. Urawa bestand auf einer richtigen Verabschiedung von Haraguchi. So wird er am 1. Juni noch einmal mit seiner Mannschaft im Pokal gegen Nagoya Grampus antreten, bevor er seinen Umzug nach Berlin vorbereitet.