Bundesliga

Adrian Ramos sagt Adios – „Bei Hertha bin ich gereift“

Adrian Ramos bestreitet sein letztes Punktspiel für die Berliner gegen seinen neuen Klub BVB. Er will sich mit der Torjägerkanone verabschieden und empfiehlt Pierre-Michel Lasogga als Nachfolger.

Foto: Maurizio Gambarini / picture alliance / dpa

Adrian Ramos hatte Glück, dass er zu schlecht war. Zumindest in den Augen der anderen Klubs. „Als ich 2009 noch in Kolumbien gespielt habe, waren viele Vereine an mir interessiert“, erzählt der Stürmer. „Aber als sie mich dann bei einem Spiel beobachteten, waren sie zum Glück nicht zufrieden mit meinen Leistungen.“ Dann kamen Michael Preetz und Lucien Favre.

Herthas Manager und sein damaliger Trainer waren überzeugt von dem schmalschultrigen Angreifer und verpflichteten ihn in den letzten Stunden der Transferperiode im Sommer 2009 von América de Cali, als der geplante Deal mit dem russischen EM-Helden Roman Pawljutschenko scheiterte.

Dortmund ist der richtige Schritt

„Zum Glück“ sagt Ramos, über jene Tage in Kolumbien, denn fünf Spielzeiten später hat sich in Berlin aus dem Verschmähten von einst ein umworbener Topstürmer der Bundesliga entwickelt. Hertha ist er nunmehr entwachsen. Der 28-Jährige wird am Sonnabend zum allerletztes Punktspiel für die Berliner auflaufen und das ausgerechnet – da beweist das Schicksal mal wieder sein feines Gespür für Ironie – gegen seinen neuen Arbeitgeber Borussia Dortmund.

„Es ist ein komisches Gefühl. Ich bin einerseits traurig, weil es nun das letzte Mal für Hertha sein wird, und ich weiß, dass dieser Klub mich immer unterstützt hat.“ Anderseits, so ist das nun mal, wartet ja schließlich auch ein neues Abenteuer auf ihn – eines, das noch einmal schmackhafter zu werden verspricht: Titelrennen in der Bundesliga mit dem BVB, zudem die Champions League.

„Dieser Schritt ist gut für mich“, sagt Ramos. „Dortmund ist eine der besten Mannschaften der Welt. Jeder Spieler will in so einem Team spielen, und ich bin dankbar, dass ich diese Möglichkeit bekomme.“

Der Schatten Lewandowskis

Was sie im Ruhrgebiet in Zukunft von Ramos erwarten, kann der Stürmer am Sonnabend aus nächster Nähe begutachten: Denn es ist ja nicht nur Ramos’ letztes Spiel für die alten Kollegen, sondern auch die letzte Bundesligapartie im Dortmund-Trikot für seinen Vorgänger beim BVB, Robert Lewandowski.

Der Schatten des Polen wird Ramos ab Sommer in Dortmund verfolgen. Kann er Lewandowski ersetze, der in 130 Ligaspielen 72 Tore erzielte? Traut er sich das zu? Ramos’ Augen suchen nach Halt auf dem Boden: „Dortmund ist ein Klub mit hohen Anforderungen, und ich weiß, dass ich dort sehr hart arbeiten muss.“

Mit BVB-Trainer Jürgen Klopp gab es ein erstes Telefonat. Ein bisschen auf Deutsch habe man sich verständigt, erzählt Ramos. Das Gespräch muss kurz gewesen sein. Mit der deutschen Sprache tut sich Ramos auch nach fünf Jahren in Berlin noch schwer.

Dennoch, sagt er, sei Berlin so etwas wie seine zweite Heimat geworden: „Ich habe hier viel gelernt. Ich bin bei Hertha als Mensch und als Fußballer reift.“ Bei jenem Reifeprozess maßgeblich beteiligt war Herthas Trainer Jos Luhukay. „Er hat mir Vertrauen geschenkt, obwohl ich nicht in meiner besten Form war, als er 2012 kam. Dafür bin ich ihm sehr dankbar“, sagt Ramos.

An 60 Prozent aller Hertha-Tore beteiligt

Luhukay baute Ramos mental auf, als er nach seinem Eigentor in der Relegation gegen Düsseldorf und dem Abstieg in Liga zwei verkraften musste, dass sein Wechsel zu Mainz 05 platzte, und er zum zweiten Mal wider Willen mit Hertha in die Zweitklassigkeit gehen musste.

Verbrieft ist, dass Ramos im August 2012 schon auf der Mainzer Geschäftsstelle saß, um seinen neuen Vertrag zu unterschreiben, Preetz aber im letzten Moment sein Veto einreichte.

Luhukay erkannte, dass der damals deprimierte, aber hoch veranlagte Stürmer im Angriffszentrum spielen muss, um seine bestmögliche Leistung zu zeigen, und nicht, wie unter Luhukays Vorgängern oft auf dem Flügel. Ramos zahlte das mit Torgefahr zurück und war in den beiden Jahren unter dem Niederländer an 42 Prozent aller erzielten Hertha-Tore (44 von 105 Treffern) direkt beteiligt.

In dieser Saison lag sein Einfluss auf das Wohl oder Wehe des Aufsteigers gar bei 60 Prozent (mit 16 Toren und acht Vorlagen war er an 24 von insgesamt 40 Saisontreffern der Blau-Weißen beteiligt).

Empfehlung für Lasogga

Damit sich aber zwei noch ausstehende Ziele für Ramos erfüllen, sind gegen den neuen Arbeitgeber BVB noch Tore nötig. Der Kolumbianer hofft, sich als Torschützenkönig aus Berlin zu verabschieden – braucht dafür aber mindestens zwei Treffer gegen den BVB.

„Das wäre wunderbar für mich, aber es wird nicht leicht.“ Ebenso schwer wird es für Ramos, noch in den kolumbianischen WM-Kader zu rutschen. „Es gab noch keinen Kontakt, aber ich hoffe weiter, dass ich dabei bin“, sagt er. Am 13. Mai wird das Aufgebot bekannt gegeben.

Von Hertha und den Berliner Anhängern, die ihn spätestens in dieser Saison ins Herz geschlossen haben, will sich Ramos in bester Manier verabschieden: „Ich will am Sonnabend noch einmal so hart arbeiten, wie ich es in den vergangenen fünf Jahren getan habe“, sagt er.

Über Herthas Zukunft ohne ihn hat er sich zumindest am Rande auch seine Gedanken gemacht: „Ich hoffe, dass Hertha in der Zukunft noch besser wird“, sagt Ramos. Und er hoffe auch, dass der, der ihm nachfolgen wird in Berlin, es nicht vermasselt. Wenn es nach Ramos geht, wird dies Pierre-Michel Lasogga sein, mit dem er seit 2010 zusammen gespielt hat: „Bei ihm kann man sicher sein, dass man einen guten Stürmer kriegt.“

Auf Deutsch probiert es Adrian Ramos zum Abschied doch noch einmal leise: „Auf Wiedersehen.“