Bundesliga

Hertha zieht deutlich mehr Zuschauer an - das zahlt sich aus

Der Aufsteiger freut sich über unverhofft hohe Zuschauerzahlen. Das bringt den Berlinern eine Mehreinnahme von rund einer Million Euro. Zudem wird die Lizenz durch die Liga erteilt – mit zwei Auflagen.

Foto: Annegret Hilse/SVEN SIMON / picture alliance / Sven Simon

Wenn es um Zahlen geht, kann Ingo Schiller beeindrucken. In Sekunden rechnet Herthas Finanzchef mal eben im Kopf aus, wie sich ein unerwartet hoher Zuschauerzuspruch bei den Heimspielen auf das Konto des Aufsteigers auswirken kann: 15 mal 1000 mal 17 mal vier. Macht etwas mehr als eine Million.

Über eine Million Euro Mehreinnahmen können sich Schiller und Hertha freuen, weil neben dem Klassenerhalt bereits drei Spieltage vor Schluss auch über eine andere Ziellinie hinausgeschossen wird.

Vor Saisonbeginn hatten die Berliner bei den Lizenzunterlagen für die Deutschen Fußball-Liga (DFL) mit einem Zuschauerschnitt von 47.500 kalkuliert. Vor dem vorletzten Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig am Sonnabend (15.30 Uhr) steht fest, dass der Zuspruch der Hertha-Fans deutlich über dieser Zahl liegen wird.

Braunschweig soll 15.000 Fans nach Berlin mitbringen

Denn gegen den Mitaufsteiger aus Niedersachsen werden rund 50.000 Besucher im Olympiastadion erwartet. Allein die Braunschweiger sollen 15.000 Anhänger mitbringen. Und weil das letzte Heimspiel der Saison gegen Borussia Dortmund (10. Mai) seit Monaten ausverkauft ist – die Zusatztribüne, die für die Partie gegen den FC Bayern im März errichtet wurde, bleibt stehen, sodass 76.197 Besucher Platz finden werden –, wird Hertha auf einen Zuschauerschnitt von etwa 51.775 kommen.

Damit verpasst Hertha zwar den eigenen Zuschauerrekord aus der Saison 2011/12. Damals kamen durchschnittlich 53.448. Doch man übertrifft die eigenen Erwartungen um mehr als 4000 Besucher pro Spiel. „Dieses Ausmaß an Zuspruch haben wir so nicht erwartet. Ich bin begeistert“, sagt Schiller.

„Von Saisonbeginn an haben uns unsere Fans toll unterstützt – zahlenmäßig und von der Lautstärke her. Das ist fantastisch, und dafür bedanken wir uns bei unserer Fans.“ Er freue sich schon auf den Dauerkarten-Verkauf, sagt Schille. Im Sommer vergangenen Jahres erreichte Hertha mit etwas mehr als 20.000 verkauften Dauerkarten die beste Marke seit zehn Jahren. „Vielleicht ist für die kommende Saison ja noch mehr drin“, sagt Schiller.

Platz sechs in der Zuschauertabelle

Begeistert ist Schiller nicht nur über den unerwartet hohe Zuschauerschnitt, sondern auch über dessen Folgen für sein Ressort, die Finanzen des Klubs. Und damit kommen wir zur Anfangsrechnung zurück: 15 mal 1000 mal 17 mal vier. Durchschnittlich 15 Euro netto verdient Hertha an einer Eintrittskarte.

Das sind pro 1000 Zuschauer 15.000 Euro an Einnahmen. 17 Heimspiele hat die Saison, was insgesamt 255.000 Euro pro 1000 Zuschauer macht. Weil Hertha aber nicht nur 1000 sondern rund 4000 Schaulustige mehr angezogen hat als erwartet (also mal vier), ergeben sich daraus am Ende Mehreinnahmen von rund einer Million Euro für den Klub.

Mit 51.775 wird Hertha in der Zuschauertabelle auf Rang sechs landen – hinter Dortmund (derzeit 80.303 Besucher pro Spiel), FC Bayern (71.000), Schalke (61.515), Gladbach (52.123) und wohl dem HSV (51.502). Trotz der schlechten Rückrunde, in der den Blau-Weißen in sechs Partien kein Heimsieg gelang, ließ der Andrang kaum nach (Hinrunde: 52.351 pro Spiel/Rückrunde: 51.125).

Zu erklären ist dies mit den Topspielen gegen München und Dortmund., Deshalb sagt Schiller: „Die positive Abweichung bei unserem Zuschauerschnitt haben wir uns in der Hinrunde erarbeitet.“ Da gewann das Luhukay-Team fünf der neun Begegnungen vor eigenem Publikum.

DFL erteilt Lizenz mit Auflagen

Eine erfreuliche Nachricht gab es von der DFL. Hertha erhält die Lizenz für die kommende Saison. Erneut mit Auflagen, allerdings mit weniger gravierenden als in den zurückliegenden Jahren. Mit dem Einstieg von Finanzinvestor KKR im Januar hat sich die finanzielle Situation schlagartig entspannt.

So entfallen für Hertha künftig die monatlichen Reports an die DFL. Allerdings muss der Klub im Oktober bei der DFL, das ist die erste Auflage, seine angepasste Saison-Planung vorlegen. Die zweite Auflage hat der Klub bereits erfüllt: Die DFL verlangt von Hertha, dass der Stand des negativen Eigenkapitals vom 31. Dezember 2013 um zehn Prozent reduziert wird.

Dies ist bereits geschehen. Hertha hat im Januar mit den Mittel der KKR seine Bank-Verbindlichkeiten von 37 Millionen Euro auf praktisch Null gesenkt.