Bundesliga

Hertha punktet – Verletzter Lustenberger schreibt WM ab

Die Berliner kamen in Augsburg nicht über ein 0:0 hinaus. Überschattet wurde das Spiel von der erneuten Verletzung Fabian Lustenbergers. Für ihn ist die Saison beendet – und wohl auch der WM-Traum.

Foto: Adam Pretty / Bongarts/Getty Images

Hertha BSC tut sich weiter schwer in der Bundesliga. Aber durch das 0:0 beim FC Augsburg hat der Aufsteiger mit nun 38 Punkten den Klassenerhalt so gut wie sicher. Wenn Nürnberg und Stuttgart in den beiden Sonntagsspielen nicht gewinnen, ist das Saisonziel auch rechnerisch erreicht.

Überschattet wurde das 4000. Unentschieden der Bundesliga-Geschichte von einer erneuten Verletzung von Fabian Lustenberger. Dessen eigentlich auskurierter Muskelfaserriss im Oberschenkel brach beim Warmmachen vor dem Spiel wieder auf. „Er hat bei einem langen Pass ein Stechen gespürt“, sagte Hertha-Trainer Jos Luhukay.

Entsetzen bei allen Beteiligten. Lustenberger lag auf dem Boden und schlug die Hände vors Gesicht. Neun Wochen hatte er pausiert wegen eines Faserrisses, der am Ansatz des Muskelbündels zur Hüfte saß. Neun Wochen hat er für seine Rückkehr geackert.

Luhukay sprach am Abend vor der Partie mit seinem Kapitän: „Fabian hat sich gut gefühlt, er wollte unbedingt. Aber man steckt da nicht drin.“

Erneuter Muskelfaserriss beim Kapitän

Lustenberger humpelte im Zeitlupentempo vom Platz, Ronny strich ihm über den Kopf. Die erneute Verletzung hat verschiedene Auswirkungen: Lustenberger wird in dieser Saison keine Partie mehr für Hertha bestreiten. Damit dürfte für den Schweizer Nationalspieler auch der Traum von der Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Brasilien (12. Juni bis 13. Juli) geplatzt sein.

„Das war bitter für uns, den Kapitän so unmittelbar vor dem Anpfiff zu verlieren“, sagte Luhukay. „Vor allem aber ist das bitter für Fabian. Er muss das jetzt erst ein mal mental verarbeiten.“ Stürmer Sandro Wagner sagte: „Fabian ist mein Freund, mir tut das unheimlich leid für ihn.“ Sami Allagui sagte: „Er hat schon lange genug gelitten. Das ist bitter.“

Brooks nach Tattoo-Streit sicher

Und so bestätigte sich in Augsburg, dass Profifußball eine schnelllebige Branche ist. Denn für Lustenberger rückte John Anthony Brooks in die Startelf. Der war in der Vorwoche gegen Bayer 04 Leverkusen noch aussortiert worden, weil er körperlich keinen fitten Eindruck gemacht hatte, nachdem sich Brooks ein großflächiges Rücken-Tattoo hatte stechen lassen. Doch unverhofft wurde Brooks nun gebraucht. Und der 21-Jährige lieferte eine ruhige, sachliche, fehlerfreie Partie ab.

Luhukay wollte bei seiner Rückkehr zum Ex-Verein, mit dem er 2011 aufstieg, auf keinen Fall verlieren. Sein Nachfolger, FCA-Trainer Markus Weinzierl, sagte: „Es war ein zähes Spiel. Hertha hat uns das Leben sehr schwer gemacht. Die Mannschaft war sehr gut eingestellt. Wir haben es nicht geschafft, unsere Stärke durchzubringen.“ Auch Herthas ehemalige Augsburger Spieler hatten sich einiges vorgenommen. Sebastian Langkamp, Hajime Hosogai und Marcel Ndjeng boten gute Leistungen. Dazu überzeugte der Norweger Per Skjelbred.

Hertha ist das besser Team

Für die Zuschauer ist eine Partie, in der sich beide Mannschaften weitgehend neutralisieren, schwieriger zu akzeptieren. Hertha hatte eine sehr gute Gelegenheit mit einem Kopfball von Langkamp, der von der Unterkante der Latte zurücksprang (11.). Dann scheiterte Wagner aus Nahdistanz nach Flanke von Ndjeng an FCA-Torwart Marwin Hitz (30.). Ndjeng hatte den besten Angriff der Berliner mit einem Schuss aus der Drehung abschloss, aber Hitz faustete den Ball aus dem Eck (44.).

Die Hausherren kamen auf zwei, drei Beinahe-Gelegenheiten. Ein Schuss von Alexander Esswein strich knapp am linken Pfosten vorbei (26.). Ebenso wie ein Versuch von Tobias Werner (39.).

Im zweiten Durchgang kämpften beide Teams verbissen. Es gab diverse harte Aktionen, vor allem Ndjeng und Pekarik mussten einiges einstecken. Hertha stand weiter gut in der Defensive, Torwart Thomas Kraft hatte keine Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Aber im Vorwärtsgang fehlte ohne Adrian Ramos (Muskelquetschung im Oberschenkel) die Torgefahr. Zum Ende ging auch etwas die Kraft aus.

Sonnabend gegen Braunschweig

Das Fazit ist ein bittersüßes. „Wir sind als Einheit mit Moral und Mentalität aufgetreten“, sagte Wagner. „Diesmal kann uns niemand einen Vorwurf vom Einsatz machen.“ Manager Michael Preetz hatte in der Vorwoche kritisiert, dass es einigen Spielern an der Bereitschaft fehle.

„Die war heute da“, fand Allagui. Dennoch bleibt es dabei, dass Hertha seit nun neun Spielen auf einen Sieg wartet. „Wir müssen mit dem Punkt leben“, sagte Luhukay. „Für uns ist das ein kleines Erfolgserlebnis. Mit diesem Spiel können wir gut über die Ostertage kommen.“

Nächster Gegner ist am Sonnabend Mitaufsteiger Eintracht Braunschweig. Das letzte Wort in Augsburg hatte Pechvogel Lustenberger. Der Kapitän presste die Lippen zusammen und hatte tiefe Falten auf der Stirn: „Ich bin total enttäuscht und frustriert. Es war ein langer Ball, da ging ein Stich rein in die gleiche Stelle wie beim letzten Mal. Das ist keine Zerrung, das ist ein Muskelfaseriss.“

Er hatte sich vorgenommen, noch mit Spielen für die Blau-Weißen in WM-Form zu kommen. „Wenn ich aber bei Hertha nicht spiele, brauche ich mir keine Gedanken über eine WM-Teilnahme machen“, sagte Lustenberger.

So war das Spiel in unserem Liveticker.