Millionendeal

Wie Investor KKR aus New York zu Berlins Hertha BSC kam

Der Einstieg des Private-Equity-Finanzunternehmens ist für Hertha BSC ein Glücksfall. Zumindest finanziell. Bei den Blau-Weißen weiß man jedoch: Eine Liebeshochzeit ist das nicht.

Foto: Soeren Stache / dpa

Der Weihnachtsbaum war geschmückt. Die letzten Besorgungen für Heiligabend waren erledigt, als das Telefon von Ingo Schiller klingelte. Der Anrufer am anderen Ende überbrachte die entscheidende Nachricht. Sie lautete: „Wir steigen ein.“ Der 24. Dezember 2013 wird als der beschwingteste Weihnachtsabend ins Stammbuch der Familie Schiller eingehen.

Diese Nachricht auf dem Handy des Finanzgeschäftsführers von Hertha BSC besiegelte Verhandlungen, die bereits sechs Monate zwischen dem Fußball-Bundesligisten und dem Private-Equity-Finanzunternehmen Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) mit Sitz in New York andauerten. Hertha BSC erhält 61,2 Millionen Euro, die Summe ging am Freitag auf dem Konto ein. Mit dem Geld kann der bisher chronisch klamme Hauptstadt-Klub seine Finanzverhältnisse völlig neu ordnen. „Das ist eine bahnbrechende Entscheidung für Hertha BSC, dass wir mit KKR einen strategischen Partner gefunden haben“, sagte Hertha-Präsident Werner Gegenbauer. „Herthas finanzielle Lage von gestern ist nicht zu vergleichen mit der von heute.“

Zwölf Jahre hatte Hertha gesucht, solange liegt die Umwandlung von einem eingetragenen Verein in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) zurück. Auf den halbjährlichen Mitgliederversammlungen war die Frage nach einem Investor zu einer Art Running Gag geworden, ähnlich wie der Vortrag von Manager Michael Preetz über Herthas (Miss-)Erfolge im DFB-Pokal. Seit zwei Jahren hat Hertha die Suche mit Vermittlung der schweizerischen Investment-Firma IM1872 betrieben. Die stellte den entscheidenden Kontakt zu KKR her.

KKR ist ein ebenso bewundertes wie gefürchtetes Unternehmen. Ihr Investment bei Hertha folgt dem eigenen Geschäftsmodell: Einsteigen, das Unternehmen besser machen. KKR hat jedoch in allen Gesprächen stets versichert, sich nicht in sportliche Belange einmischen zu wollen.

Hertha ist 220 Millionen Euro wert

Bei Hertha umfasst der 61-Millionen-Deal ein Paket mit mehreren Komponenten. Die KKR hat 9,7 Prozent der Anteile erworben, die Zusammenarbeit ist auf mindestens sieben Jahre angelegt. Zusätzlich gibt es die Option, diesen Anteil auf 33,3 Prozent zu erhöhen. Weiterer Bestandteil ist eine Einmalzahlung („Signing fee“) für die Beteiligung am Hertha-Gewinn. Außerdem hat die KKR eine Vorfinanzierung von Lizenzgebühren geleistet. „Wir sehen deutliches Potenzial darin, den Verein national und international stärker zu etablieren“, setzt Johannes P. Huth, Europachef von KKR, auf Wachstum und einen steigenden Wert der KKR-Anteile beim Bundesligisten.

Das Investment in einen Fußballklub ist für KKR neu. Das Finanzunternehmen hat Hertha bis in alle Winkel durchleuchtet („Due-Diligence-Prüfung“). Für den Vertrag wurde der Unternehmenswert von Hertha untersucht und auf 220 Millionen Euro taxiert.

„Das ist ein Meilenstein für Hertha“, frohlockte auch Michael Preetz, der Geschäftsführer Sport und Medien. Er bremste allerdings Erwartungen, dass Hertha nun mit Transfer-Millionen um sich werfen werde. „Wir setzen weiter auf die Talente unserer tollen Nachwuchsarbeit und werden die Mannschaft behutsam weiterentwickeln.“

Hertha setzt das Geld dafür ein, um sich für die kommenden Jahre besser aufzustellen. So wird der Aufsteiger den größten Teil seiner 37 Millionen Euro Verbindlichkeiten auflösen. Zudem werden die Catering-Rechte, die Hertha im Juni 2013 veräußert hatte, zurückgekauft. Ein weiterer Coup: Hertha hat den Vertrag mit Sportrechte-Vermarkter Sportfive modifiziert. Künftig erhält Sportfive geringere Prozente. Alles in allem summieren sich diese Maßnahmen auf eine Ersparnis auf Herthas Ausgabenseite von acht, neun Millionen Euro – pro Jahr. „KKR ermöglicht uns den Zufluss von Eigenkapital, Kostenentlastung und langfristige Planungssicherheit“, sagte Finanzchef Schiller. Preetz sagte, warum die wirtschaftlich Konsolidierung für die sportliche Wettbewerbsfähigkeit nötig ist. „In der Bundesliga geht es unterhalb von Bayern München unglaublich eng zu. In der kommenden Saison kommen mit dem 1. FC Köln und eventuell dem 1. FC Kaiserslautern zwei weitere Traditionsklubs dazu. Wir werden uns mit diesem Partner langfristig verbessern.“

Champagner in der Chefetage

Hertha, genauer die Führungscrew Gegenbauer, Schiller und Preetz, ist damit ein Trendsetter in der Liga. Erstmals beteiligt sich eine ausländische Beteiligungsgesellschaft bei einem Bundesligisten. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat sich die Vertragskonstruktion genau erklären lassen. „Wir haben die DFL umfassend über den Einstieg von KKR informiert“, sagte Schiller. Mit Blick auf das anstehende Lizenzierungsverfahren für 2014/15, „sind wir überzeugt, dass alle Liga-Statuten eingehalten werden.“

Auf der Geschäftsstelle im Friesenhaus wurde nach der Vorstellung der Partnerschaft am Freitag mit Champagner gefeiert. Schiller, seit 1998 Finanzchef, war locker wie nie. „Das ist der schönste Tag, seit ich bei Hertha bin.“

Hertha weiß jedoch: Wer sich mit einem Private-Equity-Unternehmen einlässt, darf keine Liebeshochzeit erwarten. In der Regel verkauft KKR seine Firmen-Anteile nach einigen Jahren. Schiller teilte mit, dass auch dieser Fall im Vertrag geregelt sei. „Der Hertha e.V. hat dann ein Vorkaufsrecht für die Anteile.“