Beteiligung

Finanzinvestor KKR steigt bei Bundesligist Hertha BSC ein

Das weltweit tätige Unternehmen KKR investiert rund 61 Millionen Euro in Hertha. Die Berliner sind damit auf einen Schlag schuldenfrei, wollen nun Rechte für Vermarktung und Catering zurückkaufen.

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Hertha BSC verkauft für 61,2 Millionen Euro Anteile am Klub an die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR). Damit beteiligt sich erstmals in der Geschichte der Fußball-Bundesliga ein Finanzinvestor an einem Verein. Die Berliner wollen mit dem Geld größtenteils Schulden zurückzahlen und im Voraus veräußerte Rechte zurückkaufen.

„Es ist eine bahnbrechende Entscheidung für Hertha, dass wir mit der KKR einen strategischen Partner gefunden haben. Die finanzielle Verfassung von Hertha heute ist nicht zu vergleichen mit der, die wir noch gestern hatten“, sagte Hertha-Präsident Werner Gegenbauer. Das Investment von KKR ist auf mindestens sieben Jahre angelegt. Als Gegenleistung erhalten die Amerikaner unter anderem eine Minderheitsbeteiligung von 9,7 Prozent an der Hertha BSC GmbH &Co. KGaA, in der die Profiabteilung ausgegliedert ist, und einen Sitz im Aufsichtsrat der Gesellschaft.

Der Investor hat die Option, seine Anteile auf bis zu 33 Prozent auszubauen. Dem vorausgegangen war eine Taxierung des Vereinswertes auf insgesamt gut 220 Millionen Euro. Alle Vereinsgremien wie Präsidium und Aufsichtsrat, sowie die Gremien der Hertha BSC Gmbh und Co. KGaA haben dem Investment zugestimmt. Ein Votum der Vereinsmitglieder ist aus Sicht des Klubs nicht notwendig. Der Vertrag ist bereits unterschrieben und rechtskräftig.

Mit dem Einstieg des Finanzinvestors KKR betritt Hertha in Deutschland Neuland. Bisher beteiligten sich in der Bundesliga vor allem Mäzene wie SAP-Gründer Dietmar Hopp bei 1899 Hoffenheim oder Firmen, die bei den Vereinen jeweils auch als Sponsoren auftraten, wie Audi oder Adidas beim Rekordmeister FC Bayern München. Die Beteiligung externer Geldgeber wird durch die Deutsche Fußball-Liga dadurch begrenzt, dass der Verein immer die Mehrheit des Stimmrechts in den Kapitalgesellschaften besitzen muss. Mit dieser sogenannten 50+1 Regel soll der Verkauf von Vereinen wie in England verhindert werden.

Hertha kann jetzt die Catering-Rechte fürs Stadion zurückkaufen

„Ich bin seit 16 Jahren hier. Aber heute ist der schönste Tag für mich bei Hertha“, sagte Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller. Den Verein, der in der vergangenen Saison noch sieben Millionen Euro Minus gemacht hatte, drücken aktuell rund 37 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Mit dem Geld möchte der Verein den größten Teil dieser Schulden abbauen. Zudem sollen zuvor veräußerte Rechte wie beispielsweise am Catering im Stadion und der Vermarktung zurückgekauft werden. Durch den Verkauf oder die Verpfändung zukünftiger Einnahmen hatte sich Hertha in der Vergangenheit die finanzielle Handlungsfähigkeit gesichert. Mit dem Deal verbessert sich aus Sicht von Hertha die Ertrags- und Kostensituation nachhaltig.

KKR war bisher in Deutschland durch die Übernahmen wie der Werkstattkette A.T.U. oder dem Einstieg beim Privatsender ProSiebenSat.1 bekannt geworden. 2005 bezeichnete der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering die Beteiligungsgesellschaft aufgrund ihres Geschäftsmodells als „Mutter aller Heuschrecken“. KKR verspricht sich vom Investment bei Hertha Gewinne durch Wachstum des Klubs. Die 2010 und 2012 jeweils aus der Bundesliga abgestiegene Hertha ist aus Sicht der Amerikaner absolut unterbewertet. Sie setzen auf ein Wiedererstarken des Klubs und wollen von dem Wachstum finanziell profitieren. Deshalb hat sich KKR neben dem Aktienpaket von 9,7 Prozent noch weitere Optionen wie der Aufstockung der Anteile auf bis zu ein Drittel gesichert.

„Ein historischer Tag für Hertha“

Michael Preetz, Geschäftsführer Sport und Kommunikation der Hertha BSC GmbH und Co. KGaA, sieht den Einstieg der Amerikaner positiv für die Berliner: „Wir haben mehr Spielräume, aber es geht um Kontinuität. Es geht nicht um die anstehende Rückrunde. Es geht um die nächsten Jahre. Das ist ein Meilenstein, ein historischer Tag für Hertha, auf den wir alle unglaublich stolz sind.“

An der prinzipiellen strategischen Ausrichtung des Vereins soll sich auch in Zukunft nichts ändern. Sportlich soll weiterhin auf die Jugendarbeit und die Einbindung junger Spieler gesetzt werden und damit eine langfristige Wirtschaftlichkeit gesichert werden. „Wir setzen weiter auf den großartigen Nachwuchs von Hertha. Wir werden die Mannschaft maßvoll verstärken. Wir setzen auf Wachstum“, sagte Preetz. Transfers mit hohen Ablösesummen werde Hertha auch in Zukunft nicht realisieren können.

Am Freitagnachmittag informierte Hertha BSC über den Deal. Unsere Reporter tickerten die Pressekonferenz live auf ImmerHertha.de.

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