Änis Ben-Hatira ist offenbar ganz gut darin, Menschen Hoffnung zu geben. Am Donnerstagabend erhielt das Berliner Sozialprojekt „MitternachtsSport“ den Bambi in der Kategorie „Integration“. Es macht sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen in Berlin ein kostenloses Sportangebot, holt sie so von der Straße und vermittelt ihnen Werte wie Fair Play und gegenseitigen Respekt.

Ben-Hatira, der Mittelfeldspieler von Hertha BSC, hat dem Projekt als „Großer Bruder“ sein Gesicht gegeben und ist oft bei den Trainingseinheiten dabei. Der Bambi für „MitternachtsSport“ ist damit auch ein bisschen sein Bambi. Über Facebook verlieh Ben-Hatira seiner Freude über die Auszeichnung Ausdruck: „Ich kann es einfach immer noch nicht fassen“, schrieb er.

Die Preisverleihung verfolgte Ben-Hatira im Internet in Tunesien. In das Land seiner Eltern war der 25-Jährige nach Herthas 3:2 gegen die TSG 1899 Hoffenheim vor acht Tagen aufgebrochen, um auch dort ein bisschen Hoffnung zu verbreiten. Denn der in Berlin geborene Ben-Hatira ist schließlich auch Nationalspieler Tunesiens, und die krisengebeutelten Nordafrikaner stehen kurz vor dem Erreichen der WM-Endrunde in Brasilien im kommenden Sommer.

Ben-Hatira: „Für Tunesien wäre es der größte Traum“

Nur ein einziges Spiel trennt sie noch von ihrer fünften WM-Teilnahme nach 1978, 1998, 2002 und 2006: das Rückspiel im Play-off gegen Kamerun. Das Hinspiel im tunesischen Radès endete 0:0. Heute nun kommt es in Kameruns Hauptstadt Jaunde zum Entscheidungsmatch (15.30 Uhr). „Die WM ist für uns alle, und vor allem für das Land, der größte Traum“, sagte Ben-Hatira vor seiner Abreise.

Im Kampf um den eigenen WM-Traum weiß Ben-Hatira einen Spieler an seiner Seite, den er mittlerweile ziemlich gut kennen dürfte: seinen Mannschaftskollegen Sami Allagui von Hertha BSC. Auch der in Düsseldorf geborene Angreifer, mit dem sich Ben-Hatira bei Reisen mit den Berlinern oft ein Zimmer teilt, spielt für das Land seiner Eltern und hofft auf seine allererste WM-Teilnahme: „Es ist für jeden ein Traum, bei einer Weltmeisterschaft Fußball zu spielen“, sagte Allagui.

Dass es gegen Kamerun um ein Weltturnier geht, das ausgerechnet in Brasilien stattfinden wird, sei speziell, „weil es dort eine besondere Fußballkultur gibt“.

Dass es dieses Play-off gegen die vom deutschen Trainer Volker Finke trainierten „unzähmbaren Löwen“ überhaupt gibt, liegt an einem Fauxpas, den es so wohl nur noch im afrikanischen Fußball geben kann: Denn eigentlich hatten Ben-Hatira und Allagui bereits mit Tunesien die letzte Chance verspielt, nachdem sie das entscheidende Gruppenspiel gegen Kap Verde 0:2 verloren. Doch der Inselstaat setzte dabei fälschlicher Weise einen Spieler ein, der gesperrt war und verlor das Spiel dadurch am gründen Tisch.

Eto’o klagt über fehlende Anspiele

Ben-Hatira erwartet gegen Kamerun nun ein hitziges Spiel um das WM-Ticket: „Auswärtsspiele in Afrika sind immer etwas Besonderes. Die Leute, die Atmosphäre, der Gegner, die Stadien – das ist speziell“, sagte er. Der Weg nach Rio führe in Jaunde durch einen „Hexenkessel“, befürchtete der Linksfuß.

Im Hinspiel kam Ben-Hatira wegen Verletzungsproblemen nur in den Schlussminuten zum Einsatz, Allagui wurde nach der ersten Halbzeit ausgewechselt. Diesmal könnte Ruud Krol, der niederländische Nationalcoach Tunesiens, von Beginn an auf das Hertha-Duo setzen. Dieser übernahm das Team nach der Pleite gegen Kap Verde von seinem Vorgänger Nabil Maaloul.

Die größten Sorgen aber dürfte ihm Samuel Eto’o bereiten. Der Weltklasse-Stürmer vom FC Chelsea hat pünktlich zum Play-off sein Comeback in Kameruns Nationalteam gegeben. Will Tunesien zur WM, muss es Eto’o aus dem Spiel nehmen. Hilfreich könnte sein, dass dieser gerade für Zoff bei den Westafrikanern sorgt. Weil seine Mitspieler ihm die Anspiele verweigern würden, spiele er nun im Mittelfeld, verkündete der Topstar. Finke reagierte genervt und sprach von „Kindergarten-Niveau“.

Ben-Hatira wird es recht sein. Seine Chancen auf die WM dürften dadurch nur steigen.