Mitgliedertreffen

„Hertha im Dialog“ - diesmal ein entspanntes Familientreffen

Keine Buhrufe, keine Rücktrittsforderungen, kein Stress: Hertha schlägt sich gut - und das war auch beim Treffen der Vereinsspitze mit den Hertha-Fans zu spüren. Der „Dialog“ war kurz und harmonisch.

Die Stimmung war aufgeheizt. Buhrufe gegen den Manager. Rücktrittsforderungen gegen Michael Preetz. Präsident Werner Gegenbauer rief in die unruhige Menge: „Sie wollen ein Schlachtfest. Das wird es mit mir nicht geben.“ So war es im Mai 2012, damals hatten sich 608 Mitglieder eingefunden in den turbulenten Tagen nach dem skandalösen Relegationsrückspiel in Düsseldorf. Am Dienstag gab es bei der gleichen Veranstaltung, „Hertha im Dialog“, das Kontrastprogramm. Die Zusammenkunft im ICC hatte den Charakter eines Familientreffens. „Ich bin ganz begeistert“, sagte ein Mitglied, „das erste Mal seit 20 Jahren habe ich das Gefühl, dass Ordnung im Verein herrscht.“

Am gestrigen Dienstag erlaubte Moderator Axel Kruse das Träumen. Prompt fragte ein Mitglied, ob denn nicht die Entwicklung des SC Freiburg und von Eintracht Frankfurt Mahnung genug sei. Die waren in der Vorsaison als Abstiegskandidaten gehandelt worden und hatten überraschend die Europa League erreicht. Und bezahlen die Doppelbelastung in der laufenden Saison mit dem Abstiegskampf. Axel Kruse grinste: „Wenn ich träume, träume ich von Platz vier.“ Der berechtigt für die Qualifikationsrunde zur Champions League.“

Sportliche Erfolge im Mittelpunkt

Es war das vierte Mal, dass der Fußball-Bundesligist seine Mitglieder zum Dialog geladen hatte. Gefragt wurde zu den wichtigsten Themen der vergangenen Wochen. Präsident Werner Gegenbauer lobte die Vertragsverlängerung mit Manager Michael Preetz bis 2017. „Das ist nicht nur das richtige Zeichen, sondern die richtige Entscheidung für Hertha BSC. Dass das Präsidium mit 8:0-Stimmen votiert hat, ist ein toller Vertrauensbeweis.“ Der Präsident berichtete, dass es nach wie vor nicht gelungen sei, einen Investor oder einen strategischen Partner zu finden. „Bisher arbeiten wir da erfolglos.“

Im Mittelpunkt standen die sportlichen Erfolge der laufenden Saison. Es gab Applaus für die bisher erreichten 18 Punkte und Platz sieben der Mannschaft. Preetz sagte:. „Es sind zwölf Spiele absolviert, und wir sind absolut konkurrenzfähig.“ Der Manager begründete einmal mehr, warum Pierre-Michel Lasogga an den HSV ausgeliehen wurde: „Wir konnten ihm nicht das bieten, was ein junger Spieler nach einer schweren Verletzung braucht: ausreichend Spielpraxis.“ Er wiederholte, dass der Stürmer weiter Hertha gehört. „Wir freuen uns über jedes Tor, das er erzielt, denn es ist auch ein Tor für Hertha BSC.“

Fall Fiedler trübt ein wenig die Stimmung

Ein Mitglied erntete Stirnrunzeln vom Manager. Die Frage war, ob Ronny vorsätzlich kaputt gemacht werde. Preetz erinnerte, dass es Trainer Luhukay gewesen war, „der Ronny als bisher erster Trainer geknackt und zu vorzüglichen Leistungen gebracht hat. Ronny hat weiter das volle Vertrauen.“

Auf wenig Zustimmung unter den 269 Mitgliedern stieß die Erklärung, warum sich Hertha von Torwarttrainer Christian Fiedler getrennt hat. „In meiner Position muss man auch Entscheidungen treffen, für die es keinen Applaus gibt“, sagte Preetz. „Es gab den Wunsch nach Veränderung. Wir haben eine Entscheidung getroffen mit Jos Luhukay. Zu der stehen wir zu 100 Prozent.“ Dafür gab es keinen Applaus. Aber für den Fragesteller, der sagte: Wenn man sich von einem Angestellten trennt, der über 20 Jahren im Verein war, hätte man das mit Stil im Olympiastadion machen sollen.

Schon nach 90 Minuten ist Schluss

Finanzchef Ingo Schiller sagte, dass die Verbindlichkeiten von 43 Millionen Euro (Stand Juni 2012) in diesem Sommer auf eine Zahl „mit einer drei vorne sinken werden“.

Hatte die aufgeregte Veranstaltung im Mai 2012 drei Stunden und zehn Minuten gedauert, war gestern nach 90 Minuten Schluss. Am Ende griff Präsident Gegenbauer zum Mikrofon: „Das mit dem Träumen ist in Ordnung. Aber ich erinnere: Vor einem Jahr standen wir hier, unser Ziel war der sofortige Aufstieg. In diesem Jahr wollen wir den Klassenerhalt und mittelfristig die Etablierung in der Bundesliga. Helfen Sie uns dabei.“