Bundesliga

Stürmer Sami Allagui kommt bei Hertha endlich in Fahrt

Herthas tunesischer Angreifer Sami Allagui kam als Königstransfer in der Zweiten Liga nach Berlin, konnte sich aber im Sturm nicht durchsetzen. Auf einer neuen Position startet er nun durch.

Foto: Matthias Kern / Getty Images

Wenn Sami Allagui morgen Abend im tunesischen Nationaltrikot auf dem Rasen des Stade Olympique de Radès unweit der Hauptstadt Tunis steht, wird er hoffen, dass das Freundschaftsspiel gegen den Kongo dieses Mal ein Aufbruchsignal wird. Sein letztes Länderspiel liegt fast auf den Tag genau ein Jahr zurück.

Damals war er gerade als teuerster Einkauf nach Berlin gekommen und hatte im ersten Spiel ein Tor geschossen. Zwar stieg Hertha nach einer Rekordsaison aus der Zweiten Liga auf, doch Allagui galt lange als Missverständnis im Angriff. Diesen Ballast scheint der 27-Jährige auf neuer Position in der Bundesliga abzuschütteln.

Starke Serie beim Liga-Start

Die Glückwünsche zu seinen beiden Toren beim 6:1 gegen Frankfurt am Wochenende nahm Sami Allagui höflich an, doch er war etwas in Hektik. Das Flugzeug Richtung Tunesien wartete nach Abpfiff auf ihn. Deshalb fiel dem gelernten Angreifer auch nicht viel ein zu seiner eigentlich unglaublichen Serie. Seit er Profi ist, hat er nun sechs Mal in Folge zum Liga-Auftakt ein Tor geschossen. „Das freut mich sehr“, sagte er dazu. In seinem Gesicht ist nicht mehr das Strahlen zu sehen, das er noch auf dem Platz nach seinen Toren zeigte.

„Ich würde mich noch mehr freuen, wenn es nun auch mal so weitergeht“ Allagui spricht leise und ruhig. So wie in seiner gesamten Zeit bei Hertha. Öffentlich ist er nie aus sich herausgegangen. Dabei hätte er nach Logik der Unterhaltungsbühne Bundesliga allen Grund dafür gehabt. Für 1,4 Millionen Euro kam er von Mainz nach Berlin, sollte mit Adrian Ramos als Doppelsturm auflaufen. Doch Trainer Jos Luhukay setzte dann nur noch auf einen Angreifer und zog den Kolumbianer Adrian Ramos vor.

Allagui ist kein Querulant

Allagui blieb ruhig. Er protestierte nicht, als er 90 Minuten nur auf der Bank saß und beschwerte sich nicht über ein paar Kurzeinsätze. Die Mikrofone wurden ihm im Herbst letzten Jahres nach fast jeder Trainingseinheit dafür hingehalten. Doch der Tunesier sagte fast nichts. Meist ging er schweigend vorbei. Auch wenn der Frust über die eigene Glücklosigkeit vor dem Tor mit den Händen zu greifen war. Er griff stattdessen zu, als Luhukay ihm die rechte Außenposition anbot. Auch wenn er lieber im Sturmzentrum spielt und sichtbare Eingewöhnungsschwierigkeiten hatte.

Nach dem Sieg im DFB-Pokal (3:2 n.V. in Neumünster) und dem fulminanten Bundesliga-Auftakt gilt Allagui mit seinen drei Toren und drei Vorlagen in den beiden Partien als Durchstarter. Sein Trainer zuckt da nur mit den Schultern: „Für mich ist Sami keine Überraschung. Er ist ein vorbildlicher Junge, der seine Position auf der rechten Außenbahn sehr gut umsetzt.“

Luhukay sieht den Stürmer als Vorbild

Das ist nicht nur das übliche Lob eines Coaches für einen Spieler, der eine persönliche Durststrecke überwunden hat. Für Luhukay erfüllt Allaguis Umgang mit seiner für ihn persönlich schwierigen Situation alle Ansprüche, die der Trainer an seine Profis. Sich für den Erfolg der Mannschaft zurücknehmen. „Das ist professionell“, sagt der Niederländer dann einfach. „Ich sehe, dass es ihm auf der offensiven Außenposition auch Spaß macht.“

Doch der tunesische Angreifer hat nicht nur einfach sein Glück wiedergefunden. Allagui profitiert von der neuen Liga. „Letztes Jahr wurde uns die Initiative überlassen und wir mussten uns immer gegen eine Wand von Abwehrspielern Chancen herausspielen“, sagt Luhukay über die Zweite Liga. Nun profitiert die Berliner Offensive von dem höheren Tempo im Oberhaus und einer andere Art zu verteidigen. Statt am eigenen Strafraum steht die gegnerische Abwehrreihe nun gut 20 Meter weiter vorne.

Herthas Offensive mit unterschiedlicher Qualität

Für den Trainer die perfekte Umgebung, um die Stärken der jeweiligen Offensivspieler einzubringen: „Änis Ben-Hatira ist kreativ und kann in Eins-gegen-Eins-Situationen gehen.“ Das Zusammenspiel mit seinem Kollegen aus der tunesischen Nationalmannschaft, der den linken Flügel bei Hertha besetzt, funktioniert immer besser. Beide wechseln im Spiel auch die Positionen. Missverständnisse bei den Laufwegen, in der letzten Saison noch zu sehen, scheinen der Vergangenheit anzugehören.

An Alexander Baumjohann im Zentrum schätzt der Trainer das Auge für den Mitspieler und die fußballerische Qualität. Und an der einzigen Sturmspitze Adrian Ramos das Tempo und die Torgefahr. Als der Niederländer in seiner Aufzählung bei Sami Allagui ankommt, stockt er nicht. Er überlegt keine Sekunde, sondern sagt geradeaus: „Sami hat von allen diesen Qualitäten etwas.“

Traum von der WM 2014

Gerade die Erfahrung und Routine eines Stürmers hebt den tunesischen Nationalspieler von klassischen Außenbahnspielern ab. Allagui klebt nicht an der Außenlinie und lebt von seiner Geschwindigkeit. Er zieht oft ins Zentrum, schafft damit Raum für den nachrückenden Außenverteidiger und ist als zusätzliche Anspielstation im Strafraum neben Ramos zu finden. Diese neue Rolle kann Allagui im nächsten Sommer bis zur WM in Brasilien bringen. In der tunesischen Nationalelf kommt er häufig als Rechtsaußen zum Einsatz. Doch dafür muss er nicht nur gut in die Saison starten, sondern die Leistung konstant zeigen.