Bundesliga

Herthas Tausch Skjelbred gegen Lasogga hat vier Gewinner

Vor einem Monat haben die Berliner Pierre-Michel Lasogga an den HSV verliehen. Im Gegenzug kam Bankdrücker Per Skjelbred. Der Deal hat sich für alle Beteiligten ausgezahlt – vor allem für Hertha.

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Der Boss ist Kristina. Das verriet Per Skjelbred kürzlich, als er über sein neues Leben in Berlin sprach. Und Kristina Jørgensen, die Frau, mit der Herthas norwegischer Mittelfeldspieler seit knapp einem Jahr verheiratet ist und zwei kleine Kinder hat (Jonathan und Elina Sofie), achtet eben darauf, dass ihr Mann trainingsfreie Tage wie gestern mit ihr und dem Nachwuchs verbringt.

„Ich brauche Zeit für meine Familie. Das ist meine erste Aufgabe im Leben. Dann kommt Fußball“, sagte Skjelbred, nachdem ihn Hertha bis Saisonende vom Hamburger SV ausgeliehen hatte. Trotz des befristeten Arbeitsverhältnisses ziehe die Familie deshalb mit nach Berlin. Kristina und die Kinder sollen schließlich nicht die Leidtragenden eines Deals sein, der sich ansonsten für alle Beteiligten auszuzahlen scheint.

Vor genau vier Wochen trainierte Per Skjelbred zum allerersten Mal mit seinen neuen Kollegen von Hertha BSC – begleitet von einer gehörigen Portion Skepsis auf Seiten der Berliner Anhängerschaft. Schließlich hatten die Blau-Weißen im Gegenzug Publikumsliebling Pierre-Michel Lasogga an den HSV verliehen und bekamen – auf den ersten Blick – einen Profi, der die allermeiste Zeit seiner zwei Jahre in Hamburg auf der Ersatzbank verbrachte (26 Ligaeinsätze, nur drei davon über 90 Minuten).

Lob von Trainer Jos Luhukay

Doch spätestens seit Sonnabend dürften die Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines solchen Tauschgeschäfts deutlich kleiner geworden sein. Skjelbred zeigte beim 3:1 gegen Mainz nach der Halbzeitpause eine starke Leistung, als er vom rechten Flügel ins zentrale, defensive Mittelfeld rückte und das dritte Tor durch Änis Ben-Hatira vorbereitete.

„Per hat der Mannschaft Aggressivität gegeben und es im zentralen Mittelfeld hervorragend gemacht", lobte Herthas Trainer Jos Luhukay den 26-Jährigen. Der Niederländer stellte Skjelbred nun bereits im dritten Ligaspiel in Folge seit dessen Ankunft in die Startelf.

In Hamburg nur Bankdrücker, in Berlin erste Wahl – der Tausch Skjelbred gegen Lasogga hat sich für den Norweger bereits ausgezahlt und entwickelt sich darüber hinaus zu einem Win-win-Geschäft. Denn auch die anderen drei der vier Parteien des Deals profitieren: Lasogga, der HSV und vor allem Hertha.

Lasogga trifft nach 532 Tagen wieder in der Bundesliga

Nach 532 Tagen Abstinenz durfte Lasogga am Sonnabend wieder einmal spüren, wie es sich anfühlt, in der Bundesliga ein Tor zu erzielen. Sein Kopfballtreffer zum 1:1 beim 2:2 gegen Frankfurt rettete dem neuen HSV-Coach Bert van Marwijk den positiven Einstand.

Es war die zweite Partie in Folge, in welcher der 21-Jährige, der bei Hertha nach seinem Kreuzbandriss nicht zurück in die erste Elf fand, von Beginn an für seinen neuen Klub auflief. Schon sein 1:0 im Pokalspiel gegen Fürth am Dienstag sicherte den Hamburgern den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals.

Lasogga darf plötzlich wieder spielen und der HSV hat mit ihm einen Stürmer gefunden, der die bisher brotlose Schönspielerei des Teams um Kapitän Rafael van der Vaart zu etwas Zählbarem verwertet. „Lasogga ist ein Arbeitstier, eine echte Maschine da vorne drin“, lobte HSV-Sportchef Oliver Kreuzer.

Dass Kreuzer für den Angreifer keine Kaufoption aushandeln konnte, um ihm nach Ende des Leihgeschäfts ganz an den HSV zu binden, sah er wenig problematisch: „Wenn alles passt, dann wird man eine Lösung finden.“

Manager Michael Preetz ist zufrieden

Das macht Hertha zum größten Profiteur des Deals: Läuft es für Lasogga weiterhin nach Wunsch, könnte der HSV am Ende der Spielzeit ein lukratives Angebot für den Stürmer abgeben, dessen Marktwert deutlich über dem von Skjelbred geschätzt wird.

Ein endgültiger Tausch samt Millionen-Aufschlag aus Hamburg wäre denkbar. Bis dahin hat Trainer Luhukay mit Skjelbred einen Spieler, der dank seiner Flexibilität die Verletzungssorgen der Berliner lindern kann. Er dürfte nun vom Flügel vorerst ins Mittelfeldzentrum rücken, wo er Kapitän Fabian Lustenberger ersetzt, der seinerseits den verletzten John Brooks in der Innenverteidigung vertritt.

„Im Moment“, sagt Herthas Manager Michael Preetz über das Tauschgeschäft, „deutet einiges darauf hin, dass es so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben.“