Bundesliga

Hertha-Coach Jos Luhukay spielt im Team Domino

Die wahrscheinliche Rückkehr von Verteidiger Langkamp kann eine Kettenreaktion im Hertha-Team auslösen. Ursache für diesen Domino-Effekt ist, dass Trainer Luhukay auf immer flexiblere Spieler setzt.

Foto: Stuart Franklin / Bongarts/Getty Images

Jos Luhukay packt im Training gern einmal zu. Dann hält er das Übungsspiel an, zieht einzelne Spieler am Arm und verschiebt sie wie beim Schach auf dem Rasen. Stellungsspiel und Laufwege macht der Niederländer so plastisch erlebbar. Doch auch bei der Mannschaftsaufstellung müssen sich die Hertha-Profis wie Spielfiguren vorkommen. Wie beim Domino führt eine Änderung zu einem Wechsel an einer ganz anderen Stelle.

Die mögliche Rückkehr von Verteidiger Sebastian Langkamp kann in der nächsten Partie gegen Freiburg zu solch einer Kettenreaktion führen. Sollten Langkamp und John Brooks wieder die Innenverteidigung bilden, würde Kapitän Fabian Lustenberger nach vorn ins defensive Mittelfeld rücken. Der Japaner Hajime Hosogai müsste anschließend dort seine Stellung räumen und um eins nach vorn rücken.

Cigerci Verlierer des Wechselspiels?

„Kann sein“, sagte Lustenberger unaufgeregt zu den Überlegungen. Der Schweizer, der viele Jahre nur für das defensive Mittelfeld vorgesehen war, wurde im vergangenen Jahr von einer Notlösung in der Abwehr zu einem Gewinn für die Defensive. Von der Lieblingsposition im Mittelfeld ist bei ihm schon lange keine Rede mehr. „Mittlerweile habe ich mich auch in der Abwehr etabliert. Es wäre also für mich so oder so okay.“

Leidtragender dieses Domino-Effektes wäre Tolga Cigerci (21). Der Zugang aus Wolfsburg debütierte zuletzt gegen Stuttgart. Da profitierte er noch von der Kettenreaktion. Allerdings in umgekehrter Richtung, weil Langkamp nach seinem Muskelfaserriss in den Augen des Trainers nicht fit genug war.

Auch wenn es nicht sehr wahrscheinlich ist, muss Cigerci nicht zwangsläufig aus der Startelf herausfallen. Bei dessen Verpflichtung lobte Luhukay die flexible Einsetzbarkeit des Türken und bezeichnete ihn als „einen kreativen Mittelfeldspieler, der auf der acht oder zehn spielen kann“. Auf der letzteren Position will sich gerade der Brasilianer Ronny wieder etablieren, ist aber nicht gesetzt.

Konkurrenzdruck bleibt hoch

Unabhängig davon, wie stark die Kettenreaktion in Herthas Startelf beim SC Freiburg am Sonntag tatsächlich ausfällt, illustriert die Situation einen Wandel der Eigenschaften des Teams. In der Zweitliga-Saison ging es noch vorrangig darum, gestandene Spieler zu holen, die sofort weiterhelfen.

Das gilt zwar auch für die Zugänge der aktuellen Spielzeit wie Langkamp, Hosogai oder den verletzten Alexander Baumjohann. Doch zusätzlich legte Jos Luhukay Wert auf flexibel einsetzbare Profis, die mehrere Positionen ähnlich gut ausfüllen können.

Damit sichert sich der Trainer fast immer zwei Handlungsoptionen und hält zusätzlich den Konkurrenzdruck hoch. Der Niederländer scheut sich nicht davor, unkonventionelle Entscheidungen zu treffen. Zuletzt hatte er unerwartet die beiden Last Minute-Verpflichtungen Cigerci und Skjelbred eingesetzt.

Etablierten Spielern droht die Tribüne

Im Gegenzug bedeutet diese Flexibilität, dass sich Spieler wie Peer Kluge auf der Tribüne wiederfinden, die in der vergangenen Saison nur bei Verletzungen dort Platz nehmen mussten. Für Manager Michael Preetz kein Problem: „Die Spieler kennen den Trainer und wissen, dass er die Mannschaft immer für den nächsten Gegner aufstellt. Da kann es schon zu Überraschungen kommen.“ Für den Manager ist vor allem entscheidend, dass alle Spieler den Kurs mitgehen. Jeder hätte die Chance, im nächsten Spiel wieder dabei zu sein.

Auch Jos Luhukay hat bei den kleinen Kettenreaktionen in seiner Aufstellung vor allem das große Ganze im Blick: „Jeder weiß, was wir wollen. Wir wollen mit Hertha erfolgreich sein. Und da muss sich letztendlich jeder unterordnen. Das war im letzten Jahr so, und das muss auch in diesem Jahr so sein.“