Bundesliga

Nach Pfiffen aus der Ostkurve wollen sich die Sieger nicht feiern lassen

Die Stimmung im Olympiastadion hätte ungetrübt sein können nach dem Sieg gegen Mainz. Doch die Partylaune der Hertha-Spieler war nicht gerade überschäumend. Sie hatten sich über Pfiffe zu Spielbeginn geärgert.

Foto: Ole Spata / dpa

Änis Ben-Hatira wollte unbedingt zu den Fans in die Ostkurve. Der tunesische Nationalspieler winkte seinen Mannschaftskollegen zu, doch die blieben reserviert auf dem Rasen. Bis zur Torauslinie gingen sie den Anhängern entgegen, klatschten höflich. Mehr nicht.

Kritik hat Spuren hinterlassen

Fans und Profis trennte nicht nur optisch die große blau-weiße Tartanbahn. Das sehr zurückhaltende Verhalten der Spieler stand im krassen Gegensatz zum emotionalen Verlauf des Spieles. Doch die vergangene Woche mit dem Pokal-Aus und der harschen Kritik danach hat Spuren hinterlassen. Beim Team. Aber auch bei Trainer Jos Luhukay.

Der Niederländer hatte nach dem Spiel einen selten starken Gefühlsausbruch, in dem er sich über das Einreden einer möglichen Krise bei den Berlinern nach zuvor vier sieglosen Pflichtspielen in Folge beschwerte. „Wir müssen nüchtern und realistisch bleiben. Die Medien tun alle so, als wäre es eine Selbstverständlichkeit, dass wir von vier Heimspielen drei gewonnen und eines verloren haben, bei dem wir die deutlich besser waren. Aber wir sind Hertha BSC und ein Aufsteiger. Wir träumen nicht von der Champions League. Wir kämpfen um den Klassenerhalt.“

Der Kapitän greift zum Mikrofon

Die Mannschaft ging zum Schluss doch noch in die Kurve, ließ sich aber nicht feiern. Stattdessen nahm sich Kapitän Fabian Lustenberger ein Mikrofon und forderte Zusammenhalt und Unterstützung von den Fans ein. Zu sehr waren der Mannschaft zu Spielbeginn die Pfiffe gegen Angreifer Sandro Wagner und Tolga Cigerci aufgestoßen, an denen Teile der Anhänger das Pokal-Aus in Kaiserslautern festmachten. „Wir hätten gern mit den Fans gefeiert“, sagte Innenverteidiger Sebastian Langkamp. „Denn unter der Woche drohte die Stimmung zu kippen. Doch dann kamen die vereinzelten Pfiffe im Stadion, die uns sehr getroffen haben. Das war schade, denn ein Heimspiel muss ein Vorteil für uns sein.“

Die Spieler machten kein Geheimnis daraus, dass die Unmutsbekundungen sie auch in der Halbzeitpause beschäftigten, in der sie sich eigentlich darauf einschwören wollten, das Spiel zu drehen. Dabei hatten sie sich fest vorgenommen, sich keine Krise einreden zu lassen. Umso mehr traf sie die Reaktion des Publikums, das die Herthaner bei ihrem Kampf um den Klassenerhalt bis dahin auf ihrer Seite vermuteten.

Kritik aus dem Präsidium an Lustenbergers Reaktion

„Wir haben das aber geklärt. Wir müssen alle gemeinsam kämpfen, um unser Ziel zu erreichen“, wollte Lustenberger einen Schlussstrich ziehen. Und der Kapitän wusste zum Schluss auch seinen Trainer hinter sich, der dazu sagte: „In der zweiten Hälfte war es ein Heimspiel, wie es sein muss. Mit den Fans im Rücken.“ Doch die Ansprache Lustenbergers kam nicht überall gut an. Hertha-Präsidiumsmitglied Marco Wurzbacher twitterte: „Unglaublich, was sich Lusti heute rausgenommen hat. Ein Kapitän ohne Gespür für die Situation des Vereins. Darüber wird zu reden sein.“