Bundesliga

Zugang Per Skjelbred macht Hertha BSC Hoffnung

Der norwegische Leihspieler findet sich in Berlin schneller als erwartet zurecht. Nach seinem starken Debüt gegen Stuttgart hat er sich ins Team gespielt. Ein anderer muss hingegen zittern.

Foto: ODD ANDERSEN / AFP

Irgendwo hinter den eisblauen Augen steckt ein kleiner Junge. Manchmal lässt ihn Per Ciljan Skjelbred kurz hervorlugen. Dann kichert Herthas 26 Jahre alter Norweger und freut sich, wenn sein Gegenüber mitkichert.

Zu beobachten war jene Portion Kindlichkeit nach Herthas Niederlage gegen den VfB Stuttgart (0:1). Da hatte der Mittelfeldspieler zum allerersten Mal in einer Pflichtpartie für Hertha auf dem Platz gestanden, nachdem ihn die Berliner kurz vor Ende der Transferperiode vor zwei Wochen in einem Leihgeschäft mit dem Hamburger SV für ihren Stürmer Pierre-Michel Lasogga eingetauscht hatten.

Wie er seinen ersten Auftritt im Olympiastadion erlebt habe, wurde er gefragt: „Wahnsinn“, sagte Skjelbred. „So ein großes Stadion.“ Er sei schon als Kind bei einem Schulausflug vom Olympiastadion beeindruckt gewesen. Jetzt habe er Gänsehaut gehabt. „Gåsehud, auf Norwegisch. Klingt wie Gänsehut“, sagte Skjelbred. Kichern. Kurz wieder Junge sein.

Trainer Luhukay lobt den Mittelfeldspieler

Dass Skjelbred aber auf dem Spielfeld dagegen mittlerweile ein ziemlich erwachsener Profi ist, zeigte sich bei der Begegnung gegen die Schwaben. Herthas Cheftrainer Jos Luhukay hatte den norwegischen Nationalspieler überraschend von Beginn an aufgeboten, und Skjelbred bedankte sich, indem er keine lange Anlaufzeit benötigte: „Er war sehr dynamisch, sehr laufstark und ballsicher. Er hat das absolut gut gemacht“, lobte ihn Luhukay später.

Und Skjelbreds Werte bestätigen die Einschätzung seines Trainers: Für einen Flügelspieler überdurchschnittlich gute 64,3 Prozent seiner Zweikämpfe gewann er und brachte 21 von 27 Pässen zum eigenen Mann (78 Prozent) – davon knapp die Hälfte nach vorn, was besonders dem in den Offensivfußball vernarrten Luhukay gefallen haben dürfte.

Der hob Skjelbreds gute Leistung noch etwas mehr hervor, als er betonte: „Bedenken Sie, dass er erst zehn Tage bei uns ist!“ Mit seinem Hintermann Peter Pekarik auf der rechten Abwehrseite, der mit der slowakischen Nationalmannschaft auf Reisen war, habe Skljebred zudem kein einziges Mal zusammen trainieren können.

Nicht für die Ersatzbank verpflichtet

Schneller als erwartet also und gegen ein paar Widerstände hat sich Skjelbred bei Hertha zurecht gefunden. Zudem dürfte er mit dem Auftritt gegen den VfB vorerst Sami Allagui verdrängt haben. Für Skjelbred und gegen den umgeschulten Stürmer Allagui, der im rechten Mittelfeld in den ersten zwei Saisonspielen drei Tore erzielte, hatte sich Luhukay entschieden.

An dessen Reisestrapazen zur tunesischen Nationalmannschaft habe das nicht gelegen: „Sami war zuletzt nicht immer so glücklich in seinen Aktionen“, sagte Luhukay, der schon in der Vergangenheit auf diese Weise Denkzettel verteilt hatte.

Er habe Skjelbred ebenso wie den zweiten Last-Minute-Zugang, Tolga Cigerci, direkt von Beginn an aufgeboten, „um ihnen das Gefühl zu geben, dass wir sie nicht für die Bank geholt haben“, so der 50-Jährige.

Hat Skjelbred die schnelle Berücksichtigung überrascht? „So ist das im Fußball“, antwortete der zweifache Familienvater. „Da muss man da sein, wenn man gebraucht wird. Wann und wie ist egal. Das ist meine Arbeit.“

Das Wie war ja das Zweite, was bei seinem Debüt überraschte. Denn gegen den VfB spielte der gebürtige Trondheimer auf einer Position, die er zuvor beim HSV anders interpretieren musste. Dort hatte er, wenn er überhaupt spielen durfte, oft in der Raute im halbrechten Mittelfeld und deshalb wesentlich defensiver agiert. „Bei Hertha darf ich offensiver spielen. Das finde ich besser so“, sagte Skjelbred.

Schlechte Erinnerungen an den HSV

Dass ihn die neuerliche Offensivausrichtung aber öfter auch in Tornähe führt, erlebte er schon am Freitag, als er nach dem Rückstand im direkten Gegenzug den Ausgleich auf dem Fuß hatte, aber scheiterte: „Ich konnte das gar nicht verstehen. Ich dachte: Das ist ein Tor.“ Bremsen lassen will er sich von der verpassten Gelegenheit ebenso wenig wie von der Niederlage: „So ist Fußball. So ist das Leben auch. Man ist nicht immer auf dem richtigen Weg“, sagte Skjelbred.

Er weiß, wovon er spricht. Mit 21 Jahren sollte er von Rosenborg Trondheim einst zum Premier-League-Klub Newcastle United wechseln. Doch die Briten ließen den Deal kurz vorher platzen. Auch die zwei Spielzeiten beim HSV verliefen enttäuschend.

Bei Hertha darf er sich nun Hoffnung auf mehr Einsatzzeit machen. „Wenn ich nicht Fußball spielen kann“, hatte Skjelbred bei seiner Ankunft in Berlin gesagt, „bin ich nicht der gleiche Junge“. Da war er wieder und lugte kurz hervor.