140 Zeichen bieten wenig Platz, um etwas mitzuteilen. Um komplexe Zusammenhänge zu erklären, reichen 140 Zeichen erst recht nicht. Doch die 140 Zeichen, die der Kurznachrichten-Dienst Twitter an Platz bietet, sind sehr populär. Auch im Fußball. So verwendete Marco Wurzbacher (35) am Abend nach Herthas 3:1 über Mainz Twitter, um seine Meinung zu veröffentlichen. „Unglaublich, was sich Lusti heute rausgenommen hat. Ein Kapitän ohne Gespür für die Situation des Vereins. Darüber wird zu reden sein.“ Später am Abend zwitscherte Wurzbacher: „Hier wird unnötigerweise eine Baustelle aufgemacht, die man vor den schweren kommenden Spielen nicht brauchen kann.“
Das klingt harsch. Weil Wurzbacher nicht irgendein Fan aus der Ostkurve ist. Sondern Präsidiumsmitglied von Hertha BSC. Und Fabian Lustenberger, Kapitän von Hertha BSC, ist seinem Trainer Rechenschaft schuldig. Und dem Manager. Aber sicher nicht einzelnen Präsidiumsmitgliedern. Am Tag danach waren die Beteiligten bemüht, keinen Konflikt entstehen zu lassen.
Präsident Gegenbauer redet mit Luhukay und Lustenberger
Wurzbacher wollte öffentlich ebenso wenig reden wie Präsident Werner Gegenbauer. Der hätte durchaus Anlass gehabt. Schließlich hat das Präsidium vereinbart, eine Vielstimmigkeit von Äußerungen zu vermeiden. Weshalb Diskussionen intern stattfinden sollen. Und nach außen spricht nur einer, der Präsident. Doch Gegenbauer schwieg. Er sprach gestern beim Training mit Trainer Jos Luhukay und Lustenberger. Später winkte der Präsident ab. Jeder Kommentar von ihm würde das Thema nur größer machen.
Michael Preetz indessen redete Klartext. „Der verantwortungsvolle Umgang mit sozialen Netzwerken hört nicht bei den Spielern auf“, rüffelte der Manager das Präsidiumsmitglied Wurzbacher.
Lustenberger wollte zunächst nicht in die Fan-Kurve
Wurzbacher, ein Internet-Unternehmer, kommt aus der Fanszene. Gegenbauer hatte dessen Kandidatur im vergangenen Jahr unterstützt. Wurzbacher störte sich daran, dass Lustenberger die Mannschaft nach dem dritten Heimsieg an der Ostkurve vorbeidirigiert hatte. Und sich mit Änis Ben-Hatira stritt, der fand, dass die Mannschaft die Unterstützung der Fans honorieren sollte.
Lustenberger, der schließlich umdrehte und sich per Mikrofon mit ein paar allgemeinen Sätzen für den Support bedankte, ging es um anderes. Den Kapitän hatten die heftigen Reaktionen gestört im Gäste-Block nach dem Pokal-Aus in Kaiserslautern (Halsabschneider-Gesten, „Stinkefinger“, fliegende Bierbecher) sowie an den Pfiffen aus der Ostkurve vor und während des Mainz-Spiels gegen einzelne Hertha-Profis (Sandro Wagner, Tolga Cigerci). Lustenberger sagte gestern zur Situaton vor der Ostkurve: „Die Stimmung war super. Aber es geht um andere Sachen, und das haben wir angesprochen. Man hat gesehen, dass wir wieder angefeuert wurden, als wir gegangen sind. Deshalb glaube ich, dass wir wieder auf einem guten Weg sind.“
Mannschaft und Fans haben keinen Vermittler nötig
Wurzbacher meinte mit seinen Twitter-Äußerungen darauf aufmerksam zu machen, dass sich zwischen Mannschaft und Fans kein Graben auftun solle. Schließlich hätte die Mehrheit der Ostkurve das Team ungeachtet des anfänglichen Rückstandes lautstark unterstützt. Das soll auch intern in den Gremien noch einmal zur Sprache kommen. Präsident Gegenbauer dagegen findet, dass das Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans gut sei, da sei kein Vermittler nötig.
Preetz fordert ein geschlossenes Auftreten. „Wer Verantwortung trägt, muss das Ganze im Blick haben.“ Gemeint ist: Und nicht nur die Nische der eigenen Klientel. Preetz: „Es ist wichtig, dass alle im Verein Trainer und Mannschaft den Rücken freihalten.“





