Medaille sicher, jetzt geht es um Gold! Deutschlands Handballer sind bei der Europameisterschaft ins Finale gestürmt und kämpfen nun um ihren ersten Titel seit zehn Jahren. Die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason besiegte Angstgegner Kroatien nach einer mitreißenden Vorstellung im Halbfinale von Herning mit 31:28 (17:15) und kann sich am Sonntag zum dritten Mal nach 2004 und 2016 zum Europameister krönen.

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+++ Vor dem Spiel +++

In einer beispiellosen Wutrede hat Kroatiens Nationaltrainer Dagur Sigurdsson vor dem Halbfinale gegen Deutschland mit den EM-Organisatoren der Europäische Handballföderation (EHF) gnadenlos abgerechnet. „Ich muss diesen Zirkus hier mitmachen. Das ist eine Schande. Die EHF interessiert sich nicht für uns Spieler und auch nicht für das Team“, schimpfte Sigurdsson vor dem Spiel. Anwurf ist heute um 17.45 Uhr.

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Der frühere Bundestrainer bezog sich in seiner Tirade auf den vollgepackten Turnierplan für seine Mannschaft. Anders als Deutschland, das sich mit dem 38:34 über Frankreich das Halbfinalticket gesichert hatte, absolvierte Kroatien seine Hauptrundenspiele im schwedischen Malmö und musste zuletzt zwei Tage am Stück spielen. Am spielfreien Donnerstag stand für Kroatien der Reisetag nach Herning auf dem Programm, wo die Endrunde ausgetragen wird – und wo Deutschland seit Turnierstart spielt. 

Handball-EM: Knapp dreiminütiger Monolog von Sigurdsson

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Die EHF reagierte etwa zwei Stunden später. „Der Zeitplan ist allen Mannschaften spätestens bei der Auslosung der Endrunde mehr als sechs Monate vor Beginn der Meisterschaft bekannt. Es wird anerkannt, dass die Mannschaften aus Malmö mit einer schwierigeren Situation konfrontiert sind. Es ist jedoch anzumerken, dass die Mannschaften bei früheren Meisterschaften mit ähnlichen Zeitplänen konfrontiert waren“, hieß es.

Sigurdssons Monolog dauerte insgesamt 2:57 Minuten. „Sie werben mit dem Slogan ‚Pure Greatness‘“, sagte er in Bezug auf den EM-Slogan. „Wirklich? Ist das reine Großartigkeit? Es ist absolut schockierend“, befand der 52-Jährige, der Deutschland 2016 in Krakau sensationell zum EM-Titel geführt hatte, und wollte gehen: „Ich werde sehr glücklich sein, wenn ich gehen kann. Lasst mich einfach wissen, wann ich das kann.“ 

Handball: EM - Pressekonferenz vor dem Halbfinale
Zwei Isländer, eine Meinung: Deutschlands Bundestrainer Alfred Gislason (links) und Dagur Sigurdsson, Trainer von Kroatien , im Gespräch vor dem Halbfinale.© Sina Schuldt/dpa | Sina Schuldt

Sigurdsson prangerte unfaire Bedingungen und eine ungleiche Matchvorbereitung an. „Wir sind vier Stunden mit dem Bus von Malmö gefahren. Wir sind um 14.30 Uhr angekommen und unser Hotel ist nicht mal am Spielort Herning. Jetzt fahren wir 45 Minuten vom Hotel zur Halle und wieder zurück. Es ist sechs Uhr, wenn ich zurückkomme. Wir hatten kein Training, wir hatten kein Treffen mit dem Team“, polterte der 52-Jährige weiter.  In kroatischen Medien kursierten Bilder, auf denen zu sehen ist, wie sich Spieler während der Busfahrt auf den Boden legten, um schlafen zu können.

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Die EHF verteidigte die Entscheidung, dass das Mannschaftshotel der Kroaten in Silkeborg sei. „Um den beiden Halbfinalisten, Deutschland und Kroatien, identische Bedingungen zu bieten. Etwas längere Anreisen bei internationalen Meisterschaften sind keine Seltenheit“, erklärte der Verband.

Sigurdsson bezeichnete die EHF als „Fast-Food-Firma“, die sich nicht um die Qualität der Spiele schere. „Sie wollen einfach nur verkaufen. Sie bestellen Artisten, um eine großartige Show zu liefern. Alles andere ist ihnen egal“, sagte der kroatische Nationaltrainer und schimpfte: „Sie sind wie eine Eventfirma. Die bestellen ein paar Künstler, machen eine schöne Show, eine nette Pressekonferenz. Sie haben uns in einen kalten Bus gepackt wie gefrorenes Hühnchen.“ Deutschlands Bundestrainer Alfred Gislason pflichtete seinem Landsmann bei. „Er hat vollkommen recht und es tut mir leid“, sagte der 66-Jährige.

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