Juri Knorr? Atmete erstmal tief durch. Rings um ihn herum brachen sich die Emotionen ihren Bann. Johannes Golla wechselte kurzerhand die Sportarten und mutierte vom Handballer Golla zum Wrestler Golla, der in bester Hulk-Hogan-Manier die sämtliche Muskeln anspannte und die Arme nach vorne streckte. Aber Knorr? Der 25-Jährige beugte sich nur nach vorne und setzte die Hände auf den Oberschenkeln ab. Beinahe so, als hätte sich Knorr das gerade Geschehene selbst erst noch einreden und sich sechsmal kneifen müssen.
Handball-EM: Deutschland steht im Halbfinale
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Auch die 8000 Zuschauer in der Jyske Bank Boxen von Herning rieben sich verwundert die Augen über das größte Comeback der bisherigen Handball-EM. Juri Knorr hatte sich rechtzeitig zum großen Hauptrunden-Showdown um den Einzug ins Halbfinale zwischen den deutschen Handballern und Frankreich entschlossen, wieder am Turnier teilzunehmen. Er dürfte auch als Hoffnungsträger gelten, wenn es am Freitag gegen Kroatien um den Einzug ins Endspiel geht.

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Der Aalborg-Profi, über dessen wundersame Wendung sicher auch die vielen in Rot gekleideten Fans der später noch gegen Norwegen beschäftigten Dänen freuten, führte die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason, den es mit Ablauf der Spielzeit auch nicht mehr auf der Bank hielt, ins Medaillenrennen. In der Gefolgschaft von Gruppensieger Dänemark hieß es am Ende 38:34 (19:15) – von der Entstehung her nicht ganz das vor dem Spiel so oft bemühte Wunder von Lille, als die Deutschen den Olympia-Gastgeber vor anderthalb Jahren in Lille so spektakulär wie nervenaufreibend mit 35:34 nach Verlängerung aus dem Turnier geworfen hatten. Aber das war den Weißhemden im Hier und Jetzt eh völlig wumpe, als sie aufs Spielfeld stürmten und Torhüter Andreas Wolff unter sich begruben.

Sechsmal sollte sich Knorr selbst malträtieren, weil er so oft zur Pause getroffen hatte. Endlich war er der Führungsspieler, als den Gislason ihn sieht – und wie der Rückraumspieler sein Wirken selbst interpretiert. Wo war dieser Knorr in den vorangegangenen Spielen, nach denen er sich „extrem enttäuscht“ über die eigene Leistung gezeigt hatte? Er „keine Erklärung dafür“ hatte, außer: „So ist der Sport manchmal.“ Der Bundestrainer Alfred Gislason gab den so starken wie zerbrechlichen Leader nicht auf, „er ist wichtiger Teil unseres Teams“. Rückraumkollege berichtete, wie der Unterschiedsspieler im Quartier in Silkeborg aufgerichtet wurde: „Wir wissen alle, dass Juri ein Kopfmensch ist und dass er sich viele Gedanken macht“, so der Berliner. „Wir versuchen, ihn aufzubauen, aber da muss natürlich auch jeder wissen, wie sehr man das will.“ Knorr hatte offenbar große Sehnsucht danach, denn auch nach dem Seitenwechsel traf er wie am Schnürchen, ehe erst der elfte Wurf nicht sein Ziel (weitere danach aber auch nicht) fand.
Handball-EM: Späth vertritt diesmal glücklosen Wolff
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Vom 7:5 an – erzielt von? Genau: Knorr – legte die Grundstein für den erneuten Sieg im ersten Aufeinandertreffen seit dem olympischen Viertelfinale vor anderthalb Jahren. Und das, obwohl Abwehrmonster Tom Kiesler verletzt ausgefallen war und Torwart-Titan Andreas Wolff diesmal kaum seine Hände oder andere Körperteile an den Ball bekam. Sein Vertreter David Späth führte sich mit zwei gehaltenen Bällen beim Stand von 24:19 aber prächtig ein und stand auch seinen Mann, als Les Bleus im Laufe der zweiten Halbzeit noch einmal herankamen.

Doch diesmal hielt die deutsche Mannschaft dem Druck Stand, selbst wenn die Equipe Tricolore den Rückstand zwischendurch auf ein Tor schmilzen ließ. Knorr flitschte diesmal nicht mehr durch die Finger wie in den letzten Tagen, der zurückgekehrte Linksaußen Lukas Zerbe (2 Tore) behielt die Nerven wie Lichtlein am Siebenmeterstrich (2 von 2). Als sollte an diesem Mittwochabend alles richtig und gut laufen, drückte sogar Gislason anders als gegen Serbien zur rechten Zeit auf den Auszeit-Button, ehe der viermalige Torschütze Golla den Ball am Kreis verloren hätte. Da grinste auch der sonst so grimmige Isländer. Marko Grgic schrie nach seinem vierten Tor zum 34:31 die Erlösung heraus.
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Am Ende war auch wieder Wolff mit Paraden Garant dafür, dass Deutschland weiter von der ersten EM-Medaille seit dem Titelgewinn träumen darf.








