Zweite Liga

Herthas Luhukay sortiert Torwarttrainer Fiedler aus

Nach 22 Jahren bei Hertha BSC muss der ehemalige Profi gehen, weil Luhukay andere Pläne hat. Fiedler scheitert auch an seiner Ausstrahlung. Als Nachfolger ist ein Vertrauter Luhukays im Gespräch.

Foto: Oliver Mehlis / picture alliance / dpa

Geahnt hatte Christian Fiedler nichts. Um so tiefer war die Enttäuschung: Am Dienstagabend nach der Mitgliederversammlung bekam der Torwarttrainer der Berliner einen Anruf. Er solle am Mittwoch auf die Geschäftsstelle kommen. Immer noch keine Vorahnung. Nichts. Am Mittwoch teilten Herthas Manager Michael Preetz und Cheftrainer Jos Luhukay dem 38-Jährigen mit, dass er ab sofort nicht mehr Teil des Trainerteams ist.

Nach 22 Jahren im Verein, zunächst als Spieler, ab der Saison 2009/2010 als Verantwortlicher für die Torhüter, muss Fiedler die Berliner verlassen. „Ich bin schockiert und kann mir das nicht erklären“, sagte Fiedler der Morgenpost. „Ich muss das jetzt erst einmal verarbeiten. Für mich ist das eine schwierige Situation, denn ich habe mit Hertha BSC fast alles erlebt.“

Mangelnde Wertschätzung

Das Erlebte bei Hertha war ähnlich ambivalent wie die Figur Christian Fiedler selbst: 1990 wechselte er in die Hertha-Jugend und spielte bald in der Amateurmannschaft der Blau-Weißen. Mit den sogenannten „Hertha-Bubis“ stand er 1993 sensationell im DFB-Pokal-Finale, das 0:1 gegen Bayer Leverkusen verloren ging. 1996/97 gelang ihm mit den Profis als Stammtorwart der Aufstieg in die Bundesliga. Seitdem gilt er bei den Anhängern als sehr beliebt. Als Torwart war Fiedler seiner Zeit voraus, weil er über ein außergewöhnlich gutes Spiel mit dem Fuß verfügte.

Doch er klagte auch stets über die mangelnde Wertschätzung bei Hertha. Unter dem damaligen Manager Dieter Hoeneß hatte es Fiedler schwer: Für Hoeneß war der Schlussmann mit 1,80 Meter zu klein. Dennoch bestritt er insgesamt 234 Erst- und Zweitligapartien für den Klub, spielte 16 Mal für die deutsche U21-Nationalmannschaft und lieferte sich bei Hertha über Jahre einen Konkurrenzkampf mit seinem Kollegen Gabor Kiraly.

Erst mit der Verpflichtung von Jaroslav Drobny war ihm der Weg ins Hertha-Tor endgültig verbaut. Nach der Saison 2008/09 beendete Fiedler seine Karriere und beerbte schließlich Enver Maric als Torwarttrainer. Nach vier Jahren aber ist nun abrupt Schluss. Kommentieren wollte Fiedler seine Demission nicht. Es geht noch um eine Abfindung für ihn.

Kritik an der täglichen Arbeit

Die treibende Kraft hinter der Beurlaubung Fiedlers war nach Morgenpost-Informationen Herthas Cheftrainer Jos Luhukay. Die tägliche Trainingsarbeit mit den Torhütern Thomas Kraft, Sascha Burchert und Philip Sprint war für den Niederländer nicht zufriedenstellend. Dass Fiedler seinem Stammtorwart Kraft weitestgehend freie Hand ließ, stieß bei Luhukay ebenfalls auf Kritik.

Dazu aber eckte Fiedler besonders mit seiner wenig positiven Ausstrahlung an. Schon unter vorigen Cheftrainern hatte es von Preetz die Aufforderung an Fiedler gegeben, besonders in schwierigen Situationen positiver aufzutreten. Da auch dies nicht nach Zufriedenheit der Verantwortlichen geschehen ist, hat sich Preetz gemeinsam mit Luhukay entschieden, mit einem neuen Torwarttrainer in die kommende Bundesliga-Spielzeit zu gehen.

„Nach intensiven Gesprächen über die künftige Ausrichtung im Arbeitsbereich der Torwarte bestand Konsens in dem Wunsch, in diesem Segment eine Veränderung vorzunehmen“, heißt es von Seiten des Vereins. Nachdem bereits der Vertrag des langjährigen Amateurtrainers Karsten Heine nicht verlängert wurde, ist dies der nächste Schritt in der strukturellen Umgestaltung des Klubs.

Bade soll Nachfolger werden

Fiedlers Nachfolge soll nach Wunsch von Luhukay Alexander Bade antreten. Der 42-Jährige ist seit 2009 Torwarttrainer beim 1. FC Köln. In Berlin geboren, spielte er bis zu seinem 18. Lebensjahr in der Jugend des Stadtrivalen Tennis Borussia und begann seine Profikarriere später in Köln.

Wie schon bei den bisherigen drei Spielerverpflichtungen für die neue Saison setzt Hertha nun wohl auch beim Torwarttrainer auf Bewährtes. Wie Linksverteidiger Johannes van den Bergh, den Hertha am Freitag offiziell für drei Jahre unter Vertrag genommen hat (ablösefrei von Fortuna Düsseldorf), Innenverteidiger Sebastian Langkamp (ablösefrei vom FC Augsburg) und Defensiv-Allrounder Hajime Hosogai (rund eine Million Euro von Bayer Leverkusen) kennt Luhukay auch Bade von früheren Trainerstationen.

Zwischen 2002 und 2005 war Luhukay Co-Trainer in Köln und arbeitete dort mit dem Profi Bade zusammen. In der Branche ist es nicht unüblich, dass ein Trainer seine Assistenten zu einem neuen Klub mitbringt. Der 49-Jährige kam im Sommer 2012 lediglich mit zwei Co-Trainern. Nun soll mit Bade ein weiterer Vertrauensmann dazustoßen.