Kaderplanung

Personalpolitik nach Luhukays Wünschen birgt Risiken

Der erste Zugang der kommenden Saison bei Hertha BSC heißt Sebastian Langkamp. Es wird verpflichtet, wen Trainer Jos Luhukay kennt. Dennoch birgt Herthas Personalpolitik Risiken.

Foto: Stuart Franklin / Bongarts/Getty Images

Sein neuer Vorgesetzter ist ein alter Bekannter. „Gerade wenn man Erfolg hat, so etwas schweißt zusammen“, sagt Sebastian Langkamp über Jos Luhukay. Die Rede ist vom ersten Zugang der kommenden Saison. Langkamp hat einen Drei-Jahres-Vertrag bei Hertha BSC unterschrieben und wird zum Trainingsstart am 23. Juni seine Arbeit in Berlin aufnehmen. Im Sommer endet seine Anstellung bei Bundesligist FC Augsburg, der 1,90 Meter große Innenverteidiger kommt also ablösefrei.

Die Stadt war ein Aspekt bei seinen Überlegungen. „Zu einem Hauptstadt-Klub zu gehen, das ist ein Schritt für meine persönliche Entwicklung“, sagte Langkamp. Er weiß, dass das Umfeld, die Erwartungen, die Betriebstemperatur anders sein werden als auf seinen bisherigen Stationen Karlsruhe und Augsburg.

Langkamp unterschreibt bis 2016

Doch das wichtigste Argument für den Wechsel ist sein künftiger Chef gewesen. „Wir hatten eine positive Zeit, er kann mich einschätzen. Und ich weiß, wie der Trainer arbeitet“, sagte Langkamp. Luhukay war von 2009 bis 2012 in Augsburg. Der Trainer kennt Langkamp ebenso wie den nächsten Kandidaten, den Hertha verpflichten wird: Johannes van den Bergh (26), derzeit bei Fortuna Düsseldorf unter Vertrag, trainierte unter Luhukay in dessen Tagen bei Borussia Mönchengladbach.

Damit setzt sich in der neuen Saison ein Trend fort, der bereits in der vergangenen Saison zu beobachten war. Auch Peer Kluge war Luhukay-Zögling in Gladbach. Deutschlandweit einmalig dürfte die Karriere von Marcel Ndjeng sein, der bei Hertha mittlerweile beim vierten (!) Klub unter Luhukay trainiert (zuvor Paderborn, Gladbach, Augsburg).

Neben Langkamp und van den Bergh kennt Trainer Luhuaky auch Moritz Leitner (20) aus Augsburger Zeiten, das Supertalent im Mittelfeld, das Hertha von Borussia Dortmund ausleihen möchte.

Kritiker grätschen spätestens an dieser Stelle dazwischen. Wie kann es sein, dass ein Bundesliga-Aufsteiger sein Scouting auf das Notizbuch des Trainers beschränkt? So ehrenwert die Menschenkenntnis von Luhukay ist, ein Kader brauche auch frischen, vielleicht unkonventionellen Wind. Ganz abgesehen davon berge diese Art der Personalpolitik ehrhebliches Risiko. Das Beispiel von Ex-Trainer Markus Babbel habe bitter gezeigt, wie rasch eine funktionierende Mannschaft auseinander falle, wenn nach einer Trainer-Entlassung Spieler wie damals etwa Christian Lell nicht mehr als Leistungsträger agiert, sondern als Diva in eigener Sache unterwegs sind. Und so sehr Hertha aktuell den Vertrag mit Luhukay vorzeitig verlängern möchte: Es wäre im Profifußball naiv, wenn man nicht auch die Möglichkeit berücksichtigt, dass sich die Wege von Verein und Trainer vorzeitig trennen können. Und dann werde es problematisch, wenn vier, fünf oder mehr Spieler eine besondere Beziehung zum Ex hätten.

Doch der Trainer schüttelt bei solchen Überlegungen den Kopf. Er sieht das Thema aus gänzlich anderem Blickwinkel. „Die finanzielle Situation von Hertha ist schwierig. Wir schauen auf ablösefreie oder auf Leih-Spieler.“ Sein Blick wird intensiv: „Wir suchen drei, vier Spieler für die Stammformation. Und wir dürfen uns dabei nicht irren.“ Deshalb gehe es immer um zwei Ebenen. Sportlich muss der Kandidat passen. Und charakterlich soll der Neue mit der bereits bestehenden Gruppe harmonieren. „Da bin ich froh, wenn ich auf die Erfahrungen schauen kann, die ich mit bestimmten Spielern bereits gemacht habe“, sagte Luhukay. Manchmal, sagt Manager Michael Preetz, sei auch der Faktor Zufall dabei. „Langkamp hat Bundesliga-Erfahrung, ist aber noch entwicklungsfähig. Er ist kopfballstark. Dazu ablösefrei.“ Fazit: „Mit diesem Profi hätten wir uns in jedem Fall beschäftigt, egal, wer Hertha-Trainer ist.“ Insgesamt sieht er Langkamp als „Win-win-Situation“. „Es ist doch ein erheblicher Vorteil, wenn beide Seiten mehr voneinander wissen, als man sonst in einem Vorstellungsgespräch mitbekommt.“

Janker, Bastians vor dem Abflug

Langkamp ist vorbereitet. „Ich ziehe den Hut vor Hertha, eine absolut souveräne Saison. Wenn man die wenigsten Gegentore der Liga kassiert, hat auch die Innenverteidigung einen exzellenten Job gemacht. Ich freue mich auf den Konkurrenzkampf.“ Langkamp weiß, wie der ablaufen wird: „In der Vorbereitung bekommt jeder die Chance, sich zu zeigen. Dann entscheidet der Trainer.“ Der Manndecker wurde vor drei Wochen an der Leiste operiert. Derzeit befindet er sich im Lauftraining. Läuft alles rund, ist die Reha-Phase Ende Mai beendet. „Dann verzichte ich auf den Urlaub und mache mit einem Athletik-Konditionstrainer ein Vor-Trainingslager.“ Ausdauer, Koordination sowie das Training der Bauch- und Rumpfmuskulatur steht nach der Operation im Vordergrund. Langkamp: „Mein Ziel ist es, beim Trainingsstart am 23. Juni dabei zu sein.“

Mit dem neuen Manndecker ist auch klar, dass Hertha sich von Verteidigern trennen wird. Der Vertrag von Christoph Janker läuft aus. Und Felix Bastians spielt seit Monaten keine Rolle mehr.