Hertha BSC

Trainer Luhukay glaubt an Herthas Erfolg in der ersten Liga

Der Aufstiegstrainer von Hertha BSC schreibt exklusiv in der Berliner Morgenpost über die Stärken von Torjäger Ronny, sein Verhältnis zu Berlin, Abende ohne Bier und die kommende Saison.

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Es gab keinen Moment, in dem ich gezweifelt habe. Ich war vom ersten Spieltag an überzeugt, dass wir aufsteigen. Die Zusammenstellung im Kader, die Mischung, die Qualität – alles war gut. Es war nur die Frage, wie schnell wir in die richtige Richtung kommen. Für mich ist die Geschlossenheit auf und neben dem Platz wichtig. Der Respekt und die Akzeptanz untereinander. Und die Art, wie wir Fußball spielen wollen. Ich war etwas überrascht, dass wir uns zu keinem Zeitpunkt der Saison Sorgen machen mussten. Alle Konkurrenten haben irgendwo in dieser Saison Probleme gehabt. Wir nicht. Die Mannschaft war stets auf den Erfolg fixiert.

Eigentlich möchte ich niemanden hervorheben, weil der gesamte Kader gut gearbeitet hat. Aber wir haben einen Spieler, durch den wir uns von allen Konkurrenten unterschieden haben: Ronny. Manchmal kann man gar nicht genau sagen, woran es liegt. Aber er und ich hatten von Anfang an ein gutes Gefühl füreinander. Zu Beginn der Saison habe ich gewechselt zwischen einem 4-4-2-System und einem 4-3-3. Aber für unseren Kader passt das 4-4-2 nicht richtig. Wir haben da nicht die Stabilität drin, die wir brauchen. Ich habe wegen Ronny umgestellt auf ein 4-2-3-1. Ronny hat eine überragende Saison gespielt. Aus dem System heraus, aber auch mit seinen Standards hat er uns eine Extraqualität gegeben. Ronny hat der Mannschaft zu wichtigen Zeitpunkten mit Vorlagen und Toren geholfen - toll.

Ich war nur einmal am Brandenburger Tor

Die Zeit hier ist wie im Fluge vergangen. Wenn es etwas gibt, was ich gern anders hätte: Ich habe von Berlin viel zu wenig mitbekommen. Meine Familie oder Freunde, die mich besuchen, erzählen immer, was sie Tolles in der Stadt erleben. Ich war einmal mit meiner Frau am Brandenburger Tor. Und habe eine Bootstour mit meinen Kindern im Regierungsviertel gemacht - sehr eindrucksvoll.

Aber sonst war ich in diesem Jahr voll fokussiert auf Hertha. Ich war nicht einmal abends aus, um ein Bier zu trinken. Ich gehe mal Essen. Ich brauche keine spektakulären Sachen, um mich in einer Stadt wohl zu fühlen. Wenn ich mal einen freien Nachmittag habe, sitze ich im Café auf der Terrasse und lese Zeitung. Oder ich genieße es, mit meiner Frau ein Stündchen spazieren zu gehen.

Die Mentalität in Berlin finde ich toll

Die Mentalität in Berlin gefällt mir. Zumeist spricht mich niemand an. Wenn, ist es meist direkt. Ich bin ein eher zurückhaltender Mensch, am Anfang war ich manchmal überrascht. Aber ich mag das. Mit der Art komme ich viel besser klar, als wenn nach vorne immer freundlich getan wird und hinten rum ganz anders geredet wird. Und im übrigen ist es so: Ich bin hierher gekommen. Nicht die Berliner müssen sich an mich anpassen, sondern ich mich an Berlin.

Parallel zum Zweitliga-Alltag hatte ich die Bundesliga immer im Blick. Ab dem Winter haben wir intern mindestens einmal pro Woche über die erste Liga gesprochen. Nicht mit der Mannschaft, die sollte auf ihre Aufgabe konzentriert bleiben. Aber mit meinen Trainer-Kollegen und mit Manager Michael Preetz. Wie sehen die Planungen aus? Wer kann uns helfen? Wer passt vom Typ her? Was ist bei unserem Budget realistisch?

Wir suchen noch Neue für das Mittelfeld und den Sturm

Seitdem der Aufstieg feststeht, können wir das, was vorbereitet war, konkret machen. Sebastian Langkamp und Hajime Hosogai sind unsere ersten Verpflichtungen. weitere werden folgen. Wir wollen uns in jedem Mannschaftsteil verstärken, auch im Mittelfeld und im Sturm. Damit sind wir im Moment intensiv beschäftigt.

Für die Bundesliga müssen wir uns in drei Bereichen verbessern: Das Tempo ist höher. Wir müssen schneller werden beim Umschalten von der Defensive auf Offensive und umgekehrt. Und die Handlungsschnelligkeit muss schneller werden. Wenn wir diese Eigenschaften rasch beherrschen, können wir auch in der Bundesliga erfolgreich sein.

Das Vorbild heißt SC Freiburg

Wie das aussehen kann, haben in dieser Saison der SC Freiburg oder Eintracht Frankfurt eindrucksvoll gezeigt. Wenn ich die als Beispiel für Hertha nenne, meine ich nicht, dass das Saisonziel für uns als Aufsteiger die Europa League ist. Das wäre überheblich und arrogant. So bin ich nicht.

Unser Ziel ist es, die Klasse zu halten. Ich würde mir wünschen, dass wir kommende Saison die Liga überraschen können. Der Punkt, um den es mir geht: Wir müssen überzeugt sein, dass wir Bundesliga können: als Mannschaft, als Verein mit unseren Fans im Rücken.

Wir dürfen keine Angst haben, dass etwas schiefgehen könnte. Oder zweifeln, ob die Mannschaft vielleicht nicht gut genug ist. Wir haben mit dem Aufstieg den ersten großen Schritt geschafft. Aber machen wir uns nichts vor: Die nächsten Schritte werden schwieriger. Doch ich habe Vertrauen in meine Mannschaft. Wir haben uns die Anerkennung erarbeitet, dass wir wieder erstklassig sind. Ich glaube an unsere Stärke und vor allem – ich freue mich auf die Bundesliga.

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