Fußball

Lukasz Piszczek – der einstige Herthaner im Londoner Finale

Zwei Jahre lang trug Lukasz Piszczek das Trikot von Hertha. Als die Berliner aus der Bundesliga abstiegen, wechselte er zu Dortmund. Und dort blühte der Pole unter Trainer Jürgen Klopp richtig auf.

Foto: Soeren Stache / pa/dpa

Irgendwann. Das war das Wort, das Dortmunds Lukasz Piszczek (27) benutzte, als er vor gut eineinhalb Jahren über sein Vorbild Dani Alves vom FC Barcelona sprach. „Ich bin in meinen Leistungen noch meilenweit von ihm entfernt. Alves spielt in der besten Mannschaft der Welt. Ich hoffe, dass wir uns irgendwann auch mit solchen Mannschaften messen können. Aber das ist noch ein weiter Weg.“ Piszczeks damaliges Irgendwann ist jetzt. Morgen Abend (20.45 Uhr, ZDF) spielt er mit dem BVB gegen den FC Bayern das Champions League Finale. Für Barcelona und Madrid bleibt nur der Fernsehsessel.

Favre schulte den Stürmer um

Es klingt merkwürdig, aber der Weg in die Champions League begann bei Hertha. 2009 kam Trainer Lucien Favre auf die Idee, den Polen zum Rechtsverteidiger umzuschulen. Bis dahin spielte er mal links, mal rechts im Mittelfeld und auch vorne im Angriff. Auf eine Position festspielen konnte sich Piszczek aber nicht. Die Idee des Schweizer Coaches stieß bei ihm zunächst auf wenig Gegenliebe. Doch Favre sah in ihm den Typ Fußballer, den er gerne als „polyvalent“ bezeichnete.

Eine Eigenschaft, die Jürgen Klopp nicht entging. Der Dortmunder Coach suchte ein Backup für den verletzungsanfälligen Patrick Owomoyela auf der rechten Verteidigerseite und schrieb seinem Sportdirektor Michael Zorc nur einen Namen auf: Lukasz Piszczek. Es war der absolute Wunschspieler des Trainers, den der BVB nach dem Abstieg von Hertha 2010 holte. „Piszczu ist unser Königstransfer der letzten Jahre. Das muss wirklich unterstrichen werden. Vor allem, wenn man bedenkt, dass er ablösefrei zu uns gekommen ist“, so Klopp.

Prototyp des modernen Außenverteidigers

In Dortmund gilt der nach außen sehr ruhige Piszczek mittlerweile als Prototyp des modernen Außenverteidigers. Er ist laufstark, hat ein gutes Spielverständnis und zeigt die optimale Bilanz zwischen Offensive und Defensive. Kurz, beim BVB zeigt er all das, was schon Favre bei Hertha in ihm sah. Hinzu kam das nötige Quentchen Glück. Durch Owomoyelas Verletzung wurde er sofort Stammspieler und gab diesen Status seitdem nicht mehr her. Zusammen mit Jakub Blaszczykowski, den Piszczek schon seit seiner Jugendzeit im oberschlesischen Zabrze kennt, bildet er die polnische rechte Außenbahn der Dortmunder. Beide werden von Klopp nach den bekannten polnischen Zeichentrickfiguren nur Lolek und Bolek genannt.

Bei Hertha, wo Piszczek noch Kontakt zu seinem damaligen Mitspieler Fabian Lustenberger pflegt, sieht man die Entwicklung mit Erstaunen. Die Intensität und Laufbereitschaft, die er in Dortmund zeigt, konnte er in Berlin so nie abrufen. „Das Finale ist eine Sensation für Lukasz. Damit krönt er seine starke Zeit beim BVB mit zwei Meistertiteln und dem Pokalsieg“, sagte Michael Preetz. „Ich gönne ihm die Entwicklung von ganzem Herzen, weil er ein guter Junge ist.“

Preetz und Luhukay schauen im Wembley-Stadion zu

Am Sonnabend wird sich der Manager den Leistungssprung des Ex-Herthaners aus nächster Nähe anschauen. Gemeinsam mit Trainer Jos Luhukay wird er sich das Finale im Wembley-Stadion ansehen. Auch Piszczek hat noch ein gutes Verhältnis zu Berlin, auch wenn seine Karriere mit dem Abstieg in die Zweite Liga bitter endete. „Wir hätten niemals absteigen müssen. Doch auf einmal ging alles schief“, meinte er im Rückblick.

Doch mit Blick auf seine Berliner Zeit hat der Pole noch ein anderes, auch körperlich schmerzhaftes Déjà-vu. Nach dem Endspiel der Champions League muss er operiert werden. Schon die ganze Rückrunde plagen ihn Hüftschmerzen, die dazu führen, dass ihm Jürgen Klopp bei Rotationen immer als erstes eine Pause gönnt.

Bittere Erinnerung an die Zeit bei Hertha

Das Problem ist ihm nicht unbekannt. Schon Ende 2008 fiel er bei Hertha nach einem Trainingsunfall monatelang aus. Am Ende blieb auch da nur die Operation als Ausweg. Die noch junge Fußballkarriere stand auf der Kippe. „Die Ärzte sagten mir, dass das unumgänglich ist, wenn ich noch länger spielen will“, so Piszczek damals. Dortmund wird nach dem Eingriff ebenfalls mindestens fünf Monate auf ihn verzichten müssen.

Doch der scheinbar so märchenhafte Aufstieg des Polen hat auch eine dunkle Seite. Hertha sicherte sich schon 2004 für nur 50.000 Euro die Transferrechte an dem damals 19-Jährigen, der aus der Jugend von Gwarek Zabrze stammt. Allerdings verliehen die Berliner ihn gleich für drei Jahre an den Erstligisten Zaglebie Lubin, wo er in eine Spielmanipulation verwickelt war. Um die Uefa-Cup-Qualifikation zu sichern, kaufte sich das Team einen Sieg. Nach einer Selbstanzeige wurde Piszczek von einem polnischen Gericht zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Der Fußballverband sperrte ihn für drei Jahre auf Bewährung für die Nationalmannschaft, sah aber von einer Ausweitung der Spielsperre auf Deutschland, wie sie von Funktionären gefordert wurde, ab.

Juventus, Arsenal und Real sollen Interesse haben

Piszczeks Aufstieg ist international nicht verborgen geblieben. Fast im Wochentakt wird das Interesse von Klubs wie Juventus Turin, dem FC Arsenal oder Real Madrid kolportiert. Alles Vereine, mit denen sich der Pole irgendwann einmal messen wollte. Doch die Sehnsucht nach einem Wechsel ist gering. „Ich hoffe, dass Dortmund die letzte Station meiner Karriere ist“, sagt er. Wohl wissend, dass der BVB nicht irgendwann, sondern schon jetzt sich mit den Großen messen und bestehen kann.