- Donald Trump ist der mächtigste Mensch der Welt: Der US-Präsident nutzt seine Machtfülle nicht nur aus, überstrapaziert sie meistens.
- Seine zumeist erratischen Handlungen lösen Unsicherheiten aus, das hat Folgen auf den Goldpreis, Bauzinsen und Co.
- Den Zolldeal mit der EU kann er wieder einmal als Erfolg verbuchen
Die Europäische Union (EU) und die USA haben ihren Zollstreit vor wenigen Tagen beigelegt. Die ursprünglich von den USA geplanten 30-prozentigen Zölle auf europäische Waren sind laut beiden Seiten vom Tisch. Dennoch bringt der neue Deal spürbare Aufschläge mit sich: Auf viele EU-Produkte sollen künftig 15 Prozent Zoll erhoben werden – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem bisherigen Niveau.
Doch was bedeutet die Einigung für Verbraucherinnen und Verbraucher? Wir haben zusammengefasst, welche Auswirkungen der Deal auf Aktien, Bauzinsen und den Goldpreis haben könnte.
Gold, Bauzinsen und Co.: Trumps Zolldeal mit der EU

Schon in diesem Jahr haben die Bauzinsen spürbar auf geopolitische Entwicklungen reagiert. Könnte der jüngste Zolldeal zwischen der EU und den USA ebenfalls Folgen für Immobilienkäufer haben? „Wer heute eine Baufinanzierung plant, sollte seinen Blick über den Atlantik richten“, sagt Oliver Kohnen, Geschäftsführer vom Kreditvermittler Baufi24. Denn nicht nur die Fiskalpolitik der Vereinigten Staaten, auch neue Zollregelungen hätten laut Kohnen einen Einfluss auf die Zinsen für Baukredite in Deutschland.
Zwar hätten sich die USA und die Europäische Union kürzlich auf einen Zolldeal einigen können, doch komme Europa dabei klar schlechter weg als der transatlantische Partner, so Kohnen weiter. Die dadurch entstehenden globalen Unsicherheiten wirkten sich unmittelbar auf die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen aus – ein zentraler Hebel für die Zinsentwicklung hierzulande.

Der Hintergrund: Banken finanzieren langfristige Baukredite nicht über die kurzfristigen Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB), sondern vor allem über Pfandbriefe. Deren Verzinsung orientiert sich wiederum stark an den Renditen langfristiger Bundesanleihen. Steigen diese, verteuert sich die Refinanzierung der Banken – was sie in Form höherer Bauzinsen an ihre Kunden weitergeben. „Für Baufinanzierer ist daher die Entwicklung der Staatsanleihen relevanter als der EZB-Leitzins“, betont Kohnen. Wer die globalen Zusammenhänge verstehe, könne die Zinsentwicklung besser einschätzen – und seine Finanzierung entsprechend robust und zukunftssicher planen.
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Wie stark sind Bauzinsen also tatsächlich von politischen Spannungen wie dem Handelskonflikt abhängig? Für Kohnen ist die Antwort klar: „Die globalen Kapitalmärkte sind eng miteinander verflochten – und insbesondere Entwicklungen in den USA haben durch ihre wirtschaftliche Dominanz unmittelbare Auswirkungen auf die weltweiten Zinsmärkte.“ In Phasen politischer Unsicherheit sucht sich Kapital global die attraktivsten Standorte – dieser Wettbewerb setze auch Deutschland unter Zugzwang.
Kurz- bis mittelfristig erwartet Kohnen zwar ein stabiles Zinsniveau von rund 3,5 Prozent bei einer zehnjährigen Zinsbindung. Doch langfristig werde der Druck aus den USA nicht nachlassen – und könnte sich zunehmend belastend auf die deutschen Bauzinsen auswirken. Sein Rat: „Wer plant, sollte sich das aktuelle Zinsniveau langfristig sichern. Abwarten ist in diesem Umfeld keine gute Strategie.“
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Zolldeal zwischen EU und USA: Einfluss auf die Börse und Aktien
An den Finanzmärkten sorgte die Einigung zunächst für Erleichterung. „Die Einigung beseitigt eine zentrale Unsicherheitsquelle für die Märkte“, sagt Michael Metcalfe vom Finanzdienstleister State Street Global Markets. Zuvor hatte es mehrmals den Anschein, als würde ein längerer Handelskonflikt mit deutlich höheren Zöllen folgen. Diese Gefahr sei nun zumindest kurzfristig gebannt.
Maximilian Wienke von der Tradingplattform Etoro spricht von einem „asymmetrischen Deal, der die USA klar bevorteilt“. Während europäische Exporteure nun 15 Prozent Zoll auf Lieferungen in die USA zahlen müssten, könnten US-Unternehmen ihre Waren weitgehend zollfrei in die EU exportieren. „Die EU erkauft sich den US-Marktzugang mit milliardenschweren Zugeständnissen“, erklärt Wienke.
Für Wienke ist der Deal daher nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch aufgeladen. „Donald Trump diktiert die Spielregeln. Der Deal dient auch der symbolischen Machtdemonstration.“ Die USA agierten selbstbewusst und durchsetzungsstark, während Europa kooperationsbereit und eher defensiv auftrete. Als strategische Gewinner sieht Wienke klar die US-Sektoren Energie, Verteidigung und Infrastruktur, die durch die europäischen Verpflichtungen mit zusätzlicher Nachfrage rechnen könnten.

Metcalfe betont hingegen, dass Ankündigungen von Zöllen in den vergangenen Monaten nur punktuell Einfluss auf Währungs- und Aktienmärkte hatten. Zuletzt aber seien sie wieder ein stärkerer Treiber an der Börse geworden. Die Aktienanteile in vielen Portfolios lägen bereits nahe an Rekordhöhen – positive Nachrichten wie der Deal könnten die Risikofreude der Anleger weiter stärken.
Wienke warnt jedoch vor möglichen Nebenwirkungen: Der Deal könnte inflationär wirken, insbesondere durch höhere Importkosten für Europa und steigende Energiekosten. Mittelfristig dürften vor allem US-Unternehmen profitieren – Europa hingegen müsse sich auf anhaltende Inflationsrisiken einstellen, was auch die Aufgabe der EZB zusätzlich erschwere. Wie sich der Leitzins weiter entwickeln könnte, erfahren Sie in unserer EZB-Leitzins-Prognose.
Anleger, die zuletzt panisch ihre US-Positionen reduziert haben, könnten sich vorschnell vom robusteren Markt getrennt haben, ergänzt Wienke. Ein besonderer Fokus in Deutschland liegt außerdem auf der Autoindustrie. Zwar produzieren Unternehmen wie BMW und Mercedes-Benz bereits in den USA, was einen Teil der neuen Zollkosten abfedern könnte.
Doch es bleibt offen, wer letztlich die Last trägt: die Konsumenten – etwa durch höhere Endpreise – oder die Hersteller über sinkende Margen. Eine mögliche Reaktion sei der Ausbau der US-Produktionskapazitäten. Doch ein solcher Schritt wäre teuer – neue Werke und Investitionen erforderten hohe Kapitalsummen.
Goldpreis wird von Trump erratischer Politik beeinflusst
Und wie stark beeinflussen geopolitische Entwicklungen wie Zölle den Goldpreis? „Langfristig wird der neue Deal sicherlich die EU-Exporte in die USA beeinträchtigen – genau das, was Trump schon immer wollte“, sagt Adrian Ash, Forschungsleiter beim Edelmetallhändler Bullionvault. Allerdings bedeute das allein noch keine direkte Bewegung beim Goldpreis. Denn, so Ash weiter: „Das Volumen des Welthandels hat für sich genommen keinen starken Einfluss auf den Goldpreis.“

Viel entscheidender sei der Faktor Unsicherheit. „Gold profitiert traditionell eher von wirtschaftlicher oder finanzieller Instabilität“, erklärt Ash. Diese Unsicherheit sei auch ein zentrales Merkmal der US-Handelspolitik unter Trump. Gerade diese Unwägbarkeiten hätten dem Gold zuletzt Auftrieb gegeben.
Kurzfristig erwartet Ash eine saisonal bedingte Ruhephase beim Goldpreis. „In den Sommermonaten lässt die Nachfrage sowohl aus Asien als auch vom Finanzmarkt meist nach – erst im Herbst wird es wieder spannender“, sagt er. Dennoch könnte es früher als üblich Bewegung geben: Sollte sich etwa innerhalb der EU Unmut über das Abkommen mit den USA ausbreiten, könnte das politische Instabilität nach sich ziehen. Ein solcher Vertrauensverlust könnte den Goldpreis wieder antreiben. In unserem Artikel zur Goldpreis-Prognose erfahren Sie, was Anleger künftig erwarten.
Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.


