Gleich alt, fünf Jahre Unterschied oder sogar eine ganze Generation dazwischen? Ob eine Partnerschaft langfristig glücklich ist, wird häufig auch mit dem Alter der beiden Partner in Verbindung gebracht. Unterschiedliche Lebensphasen, Zukunftspläne und Bedürfnisse können eine Beziehung schließlich auf die Probe stellen.

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Doch gibt es tatsächlich einen idealen Altersunterschied, der darüber entscheidet, ob eine Liebe hält? Die Wissenschaft beschäftigt sich seit Jahren mit dieser Frage. Die Ergebnisse sind weniger eindeutig, als man vermuten könnte.
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Altersunterschied in Beziehungen: Gibt es eine Formel für die Liebe?
Die Vorstellung, das passende Alter eines Partners ließe sich berechnen, ist keineswegs neu. Bereits 1901 griff der französische Schriftsteller Max O’Rell in seinem Buch „Her Royal Highness Woman“ eine damals bekannte Faustregel auf: Die Frau sollte halb so alt sein wie der Mann, plus sieben Jahre. Ein 40-Jähriger käme demnach auf eine 27-jährige Partnerin, ein 50-Jähriger auf eine 32-Jährige.
Heute wird die Formel eher scherzhaft zitiert. Wissenschaftlich begründet ist sie nicht. Zudem spiegelt sie überholte gesellschaftliche Rollenbilder wider, nach denen der Mann grundsätzlich älter sein sollte als die Frau. Doch was sagt die Wissenschaft?
Altersunterschied und Scheidungsrisiko: Je größer der Abstand, desto kürzer die Ehe?
Eine häufig zitierte US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2014 legt nahe, dass größere Altersunterschiede mit einem höheren Scheidungsrisiko zusammenhängen könnten. Dabei wollten die Wirtschaftswissenschaftler Andrew Francis-Tan und Hugo M. Mialon ursprünglich etwas ganz anderes herausfinden: ob teure Hochzeiten zu längeren Ehen führen. Dafür befragten sie mehr als 3.000 Menschen, die verheiratet waren oder bereits eine Ehe hinter sich hatten.
In ihrer Untersuchung berücksichtigten die Forscher auch den Altersunterschied zwischen den Ehepartnern. Demnach soll das Scheidungsrisiko bei fünf Jahren Altersunterschied um 18 Prozent höher liegen, bei zehn Jahren um 39 Prozent und bei 20 Jahren sogar um 95 Prozent.
Ein genauer Blick auf diese Zahlen mahnt allerdings zur Vorsicht. Denn die Prozentangaben beziehen sich auf ein relatives Risiko, nicht auf die tatsächliche Wahrscheinlichkeit, mit der eine Ehe geschieden wird. Zudem lässt sich aus einem statistischen Zusammenhang nicht ableiten, dass ein größerer Altersunterschied tatsächlich die Ursache für eine Scheidung ist.
Beziehungsglück: Warum das Alter mit den Ehejahren wichtiger werden kann
Doch wie steht es um Paare, die zusammenbleiben? Sind sie auf Dauer auch weniger glücklich? Dieser Frage gingen die Wissenschaftler Wang-Sheng Lee und Terra McKinnish in einer 2018 im „Journal of Population Economics“ veröffentlichten Studie nach.
Anhand australischer Langzeitdaten untersuchten sie, wie sich die Zufriedenheit von Ehepaaren über mehrere Jahre entwickelte. Dabei zeigte sich zunächst ein überraschendes Muster: Sowohl Männer als auch Frauen waren mit einem jüngeren Ehepartner tendenziell zufriedener als mit einem gleichaltrigen.
Doch dieser Vorsprung war nicht von Dauer. Im Laufe der Ehe nahm die Zufriedenheit bei Paaren mit größerem Altersunterschied stärker ab als bei etwa gleichaltrigen Partnern. Nach sechs bis zehn Jahren war der anfängliche Vorteil verschwunden.
Ein geringerer Altersabstand könnte demnach günstigere Voraussetzungen für eine langfristig zufriedene Ehe bieten. Wie glücklich zwei Menschen miteinander werden, lässt sich aus ihrem Geburtsdatum allein jedoch nicht ablesen.
Altersunterschied in Beziehungen: Warum eine neue Studie Zweifel weckt
Doch nicht alle Untersuchungen kommen zu denselben Ergebnissen. Für eine im Dezember 2024 im „Korean Journal of Geriatrics & Gerontology“ veröffentlichte Studie werteten der Wissenschaftler Young Sung Kim und seine Kollegen die Angaben von 4.498 älteren, verheirateten Menschen in Südkorea aus.
Sie wollten wissen, ob es für die Zufriedenheit mit dem Ehepartner eine Rolle spielt, wer von beiden älter ist und wie viele Jahre zwischen ihnen liegen. Dabei bezogen sie auch persönliche und soziale Faktoren in ihre Berechnungen ein.
Anders als die australischen Forscher fanden sie keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen dem Altersunterschied und der Zufriedenheit mit dem Ehepartner. Allerdings untersuchten sie ausschließlich ältere Menschen. Welche Rolle das Alter in den ersten Ehejahren spielt, bleibt damit offen.
Altersunterschied bei Paaren in Deutschland: Was die Zahlen verraten
Und wie groß ist der Altersunterschied bei Paaren hierzulande? Laut Sozialbericht 2024 der Bundeszentrale für politische Bildung liegen die meisten Partner altersmäßig nah beieinander. Bei 47 Prozent der Paare betrug der Altersabstand 2023 lediglich ein bis drei Jahre, jedes zehnte Paar war gleich alt. Mehr als zehn Jahre trennten dagegen nur sechs Prozent.
Die klassische Konstellation überwiegt weiterhin: Bei 72 Prozent war der Mann älter, bei 18 Prozent die Frau. Unter verheirateten Paaren beträgt der Altersunterschied im Durchschnitt vier Jahre. Ob Paare ähnlichen Alters deshalb glücklicher zusammenleben oder seltener auseinandergehen, verraten diese Zahlen allerdings nicht.
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Auch die Wissenschaft liefert darauf bislang keine eindeutige Antwort. Einen nachweislich idealen Altersunterschied gibt es nicht. Ähnliche Lebensphasen mögen das Zusammenleben erleichtern, doch ob eine Beziehung Bestand hat, entscheidet sich nicht allein am Alter. Die berühmte Formel von 1901 bleibt damit, was sie immer war: eine Rechnung, die über die Liebe wenig verrät.












