Was tun, wenn die Liebe irgendwann nicht mehr trägt? Aushalten, weitermachen oder noch einmal ganz neu beginnen? Eine Begegnung hat unserer Autorin gezeigt, dass es für das persönliche Glück keine Altersgrenze gibt. In dieser Ausgabe unseres Beziehungs-Newsletters „Ein FUNKE Liebe“ geht es daher um Neuanfänge, aber auch um die Frage, wie man den Absprung aus einer Langzeitbeziehung tatsächlich schafft.

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Neulich saß ich beim Frühstück in einem Café und wurde ungewollt Zeugin einer kleinen Liebesgeschichte. Am Nebentisch saß ein älteres Paar, beide bestimmt um die 80. Und was ich dort beobachtete, ließ mich lächeln.

Er streichelte zärtlich ihre Hand. Sie sah ihn mit diesem besonderen Blick an, den man eigentlich nur frisch Verliebten zutraut. Er lachte über ihre Witze, sie strich ihm liebevoll über die Wange. Die beiden wirkten, als hätten sie gerade erst entdeckt, wie schön es ist, einen Menschen an seiner Seite zu haben. So verliebt wie Teenager, die zum ersten Mal Händchen halten.

Ich war gerührt. Und offenbar auch ein bisschen neugierig. Irgendwann kamen wir ins Gespräch, und ich sagte den beiden, wie schön ich es fände, dass sie nach so vielen gemeinsamen Jahren Beziehung noch immer so liebevoll miteinander umgingen. Die beiden lachten.

Trennung im hohen Alter
Holger Kuntze ist Paartherapeut und Buchautor mit Sitz in Berlin-Charlottenburg.© Privat | Sabine Engels

Denn ich hatte, wie sich herausstellte, eine ziemlich romantische, aber völlig falsche Annahme getroffen. Ich war ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass sie seit Jahrzehnten zusammen waren, vermutlich goldene oder gar diamantene Hochzeit gefeiert hatten und das Geheimnis ihrer Liebe einfach darin bestand, ein Leben lang miteinander durch dick und dünn gegangen zu sein.

Doch ihre Geschichte war eine ganz andere. Sie waren erst seit wenigen Monaten ein Paar. Kennengelernt hatten sie sich in einer Nordic-Walking-Gruppe. Und es habe sofort gefunkt, erzählten sie mir. Ich musste schmunzeln. Nordic Walking statt Dating-App. Und mittendrin zwei Menschen, die offenbar beschlossen hatten, der Liebe noch einmal eine Chance zu geben.

Trennung im hohen Alter bedeutet mehr, als nur getrennte Wege zu gehen

Im Gespräch stellte sich heraus, dass er verwitwet war. Sie hatte sich bereits vor zehn Jahren von ihrem Mann scheiden lassen. Da war sie 71. 71! Ich gebe zu, dieser Umstand hat mich mindestens ebenso beeindruckt wie die zärtlichen Blicke der beiden. Mit 71 eine Ehe zu beenden, die vermutlich einen großen Teil des eigenen Lebens geprägt hatte, bedeutet schließlich mehr, als nur getrennte Wege zu gehen. Es bedeutet, Gewohntes aufzugeben, sich neu zu orientieren und womöglich zum ersten Mal seit Jahrzehnten die Frage zu stellen: Wie möchte ich eigentlich den Rest meines Lebens verbringen?

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Ich bewunderte den Mut dieser Frau. Und den Mut dieses Mannes, der nach dem Verlust seiner Partnerin wieder bereit war, sein Herz zu öffnen. Beide hatten ihre eigene Geschichte, ihre Erfahrungen, ihre Verletzungen und ihre Erinnerungen. Und nun saßen sie zusammen da und zeigten, dass Liebe nicht etwas ist, das man irgendwann hinter sich hat, sondern etwas, das einen auch im hohen Alter noch überraschen kann.

Durch das Gespräch mit den beiden, ist mir klar geworden, dass wir zwar viel über die erste Liebe, über Hochzeiten, Familiengründungen und gemeinsame Lebenswege reden. Aber viel zu selten sprechen wir über das Ende einer langen Ehe. Besonders dann, wenn die Beteiligten längst das Rentenalter erreicht haben.

Dabei kann eine Trennung nach 30, 40 oder 50 gemeinsamen Jahren eine gewaltige Erschütterung sein. Das bestätigt auch Reiner Hagen. Nach 36 Jahren Ehe wagte er einen Neuanfang. Er trennte sich mit fast 70 Jahren von seiner Frau, verließ sein Haus. Dabei hätte er diesen Schritt Jahrzehnte lang nicht für möglich gehalten. „Für mich war die Vorstellung ganz klar, dass eine Ehe etwas fürs Leben ist“, erzählte er meiner Kollegin Eva Meeks. Doch die Zeit hinterließ ihre Spuren. Warum Reiner sich von seiner Frau trennte, was er danach erlebt und wie sich ein Neuanfang für ihn gestaltete, können Sie hier lesen.

Scheidung im Rentenalter? Welchen Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten

Eine langjährige Beziehung zu beenden, empfinden viele Menschen als Herausforderung. Hat man teilweise über Jahrzehnte Gefühle, Meilensteine und Besitztümer geteilt, kann ein Neubeginn ohne den Partner überwältigend wirken. Vor allem im höheren Alter (65+) stellt man sich vielleicht die Frage: Bin ich noch einmal bereit, ganz von vorn zu beginnen – und was wird mich der Schlussstrich wirklich kosten? „Vor einer Trennung sollte man die nötigen Hausaufgaben machen“, erklärt der Berliner Paartherapeut Holger Kuntze. „Denn die noch möglichen Lebenswege werden mit der Zeit nicht breiter, sondern schmaler. Genau das empfinden viele Menschen im höheren Alter als belastend.“ Was er damit meint, wann ein Neubeginn dennoch Sinn ergibt und welchen Fehler man unbedingt vermeiden sollte, das können Sie in diesem Text hier lesen.

Ich jedenfalls bin fest davon überzeugt, dass niemand in einer Beziehung bleiben soll, die einem nicht gut tut. Ganz egal, ob man 17, 30 oder 70 ist. Und dass ein Neuanfang sich immer lohnt.

Und jetzt würde mich interessieren, wie Sie zu diesem Thema stehen oder kennen Sie sogar jemanden, der im hohen Alter einen Schlussstrich gezogen hat? Erzählen Sie es mir gerne, ich freue mich darauf!

Alles Liebe,
Alina Juravel

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P.P.S.: Und wenn Sie gerne Podcasts hören, hätte ich hier eine besondere Empfehlung für Sie. Hören Sie rein in unseren FUNKE-Podcast „Länger Leben“. Darin spricht meine Kollegin Natalja Fischer mit dem Mediziner und Longevity-Experten Dr. Felix Bertram darüber, wie wir uns möglichst lange gesund halten. Neue Folgen erscheinen jeden Mittwoch, überall, wo es Podcasts gibt. Hier können Sie reinhören.