Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist in Deutschland längst eine Volkskrankheit. Laut der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin (DGSM) sind fast jeder dritte Mann und jede achte Frau betroffen. Während des Schlafs kommt es dabei zu wiederholten Atemaussetzern, da die oberen Atemwege blockiert sind. Die Folgen reichen von lautem Schnarchen und unruhigem Schlaf bis hin zu massiver Tagesmüdigkeit – und erhöht nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle erheblich.

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Nun sorgt jedoch eine kleine klinische Studie aus Indien für Aufsehen: Dort haben Forschende einen ungewöhnlichen Ansatz untersucht, der so alt ist wie das indische Epos Mahabharata, aber überraschend moderne Effekte zeigen könnte.

CPAP-Maske bei Schlafapnoe: Standardtherapie, Wirksamkeit – und warum viele nach Alternativen suchen

Bislang gilt die Überdrucktherapie mittels CPAP-Maske („Continuous Positive Airway Pressure“) als gängigste Behandlung der Schlafapnoe. Der Mechanismus ist so schlicht wie wirksam: Ein leichter Überdruck hält die oberen Atemwege offen und verhindert die nächtlichen Aussetzer. Entsprechend fest etabliert ist sie in den Leitlinien. „Die CPAP-Therapie ist die effektivste und am besten untersuchte Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe“, schreibt etwa die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie auf ihrer Webseite.

Im Alltag jedoch scheitert die beste Evidenz oft an der Praxis. Viele Betroffene empfinden die Maske als störend und unhandlich; sie berichten, das Gerät störe ihren Schlaf. Der Befund ist klar: Der Bedarf an Alternativen ist groß.

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Studie aus Indien: Tradition trifft Schlafmedizin

Genau hier setzt die Untersuchung aus Jaipur an. Sie wurde im Fachjournal „ERJ Open Research“ veröffentlicht und von Dr. Krishna K. Sharma vom Eternal Heart Care Centre and Research Institute in Jaipur geleitet.

Wie in der Publikation berichtet, nahmen 30 Erwachsene im Alter von 19 bis 65 Jahren mit moderater Schlafapnoe an der Studie teil. Die Teilnehmenden wurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe lernte, eine Muschel, die in Indien Shankha genannt wird, zu blasen, während die andere Gruppe lediglich tiefe Atemübungen durchführte.

Über einen Zeitraum von sechs Monaten sollten alle Probandinnen und Probanden zu Hause täglich mindestens 15 Minuten an fünf Tagen pro Woche trainieren. Die Wirksamkeit der Methode wurde mittels Polysomnografie überprüft, einem standardisierten Verfahren, das Daten wie die nächtliche Sauerstoffsättigung und die Zahl der Atemaussetzer objektiv erfasst.

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Ergebnisse der Shankha-Studie: Weniger Atemaussetzer und bessere Schlafqualität

Nach sechs Monaten zeigte sich ein klares Bild. Die Forschenden dokumentierten „deutliche Unterschiede“ zwischen den Gruppen, wie es in dem Bericht heißt. Die Teilnehmenden, die regelmäßig das Muschelblasen trainierten, berichteten über eine 34 Prozent geringere Tagesmüdigkeit im Vergleich zum Ausgangswert.

Auch objektive Daten stützten den Befund: Die Polysomnografie zeigte im Schnitt vier bis fünf weniger Apnoen pro Stunde sowie eine verbesserte nächtliche Sauerstoffsättigung. Darüber hinaus, so schreiben die Autoren der Studie, habe sich die subjektive Schlafqualität in der Shankha-Gruppe deutlich verbessert.

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Wie das Muschelblasen bei Schlafapnoe wirken könnte

In einer Pressemitteilung der European Respiratory Society erläuterte Studienleiter Sharma, worauf die Wirkung beruhen könnte. „Die Art und Weise, wie das Muschelhorn geblasen wird, ist recht charakteristisch“, erklärte er. Dabei werde zunächst tief eingeatmet und anschließend kräftig sowie anhaltend durch fest zusammengepresste Lippen ausgeatmet. „Diese Bewegung erzeugt starke Vibrationen und einen Luftstromwiderstand, wodurch wahrscheinlich die Muskeln der oberen Atemwege gestärkt werden, darunter auch die Kehle und der weiche Gaumen – Bereiche, die bei Menschen mit OSA während des Schlafs häufig kollabieren.“

Darüber hinaus, so Sharma weiter, könne die spiralförmige Struktur des Shankhas „zu spezifischen akustischen und mechanischen Effekten beitragen“, die diese Muskulatur zusätzlich stimulierten.

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Schlafapnoe-Therapie: Warum weitere Studien zum Muschelblasen nötig sind

Fachleute außerhalb Indiens bewerten die Ergebnisse der Untersuchung bislang vorsichtig. Erika Kennington, Forschungsleiterin bei Asthma + Lung UK, sagte gegenüber „The Guardian“, die Resultate seien zwar „ermutigend“, doch aufgrund der kleinen Fallzahl sei es „noch zu früh, Muschelblasen als neue Behandlungs-Option von krankhaftem Schnarchen in Betracht zu ziehen“.

Auch die Autoren der Studie selbst dämpfen die Erwartungen. In ERJ Open Research schreiben sie, dass es sich ausdrücklich um eine Pilotstudie handle. Man plane jedoch eine größere Folgestudie über längere Zeiträume, die den Effekt des Shankha-Blasens direkt mit der CPAP-Maske vergleichen soll.

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Shankha: Vom Ritual zur möglichen Therapie bei Schlafapnoe

Die Muschel Turbinella pyrum, in Indien als Shankha bekannt, hat eine jahrtausendealte Tradition. Im indischen Nationalepos Mahabharata diente sie als Kriegshorn, später wurde sie zum Attribut des Gottes Vishnu. Ihr Klang gilt in hinduistischen Tempeln bis heute als reinigend und begleitet religiöse Rituale, wie die „Times of India“ berichtet.

Auch in der traditionellen Heilkunst hat der Shankha einen festen Platz. Nach Angaben des Kulturportals „Indian Culture“ wird er in der Ayurveda-Medizin zu Pulver verarbeitet („Shankha Bhasma“) und als Heilmittel eingesetzt.

Ob aus spiritueller Praxis irgendwann eine anerkannte Therapie gegen Schlafapnoe wird, ist noch offen. Klar ist nur: Die ersten klinischen Daten haben einen Stein ins Rollen gebracht. Was bislang vor allem in Tempeln und Ritualen Bedeutung hatte, rückt nun in den Fokus der modernen Medizin – als Symbol für die ungewöhnlichen Wege, die Forschung manchmal einschlägt.