- Viele Menschen nutzen die Fastenzeit für eine Ernährungsumstellung
- Eine einfache Formel kann helfen, Fasten nicht nur bis Ostern in den Alltag zu integrieren
- Schon unserer Vorfahren verließen sich darauf
Wer schon mal gefastet hat, kommt ins Schwärmen: Fasten, sagen viele, befreie Kopf und Seele, gibt Selbstvertrauen – vorausgesetzt, die Kur wird nicht vom ewig nörgelnden Spiegel vorgeschrieben, der so viele Menschen schon so oft auf sinnlose Diäten gehetzt hat. Dabei ist nicht das Ziel, plötzlich zum Asketen zu werden.

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Die Glücks-Formel, auf die immer mehr Menschen schwören, heißt 16:8. Dabei geht es um das Essen in Etappen, um Genießen auf Raten und Fasten nach der Uhr, kurz und schmerzfrei. Dass dabei auch noch ein paar Pfunde verloren werden können, ist die Belohnung für die neue Ordnung im Küchenplan.
Fasten: Arzt erklärt die beliebte 16:8-Methode
Kurzzeitfasten, auch Intervallfasten genannt, ist das neue Fasten, kurz, knapp, einem genauen Terminplan angepasst, wie es unserer Zeit entspricht. Der Arzt und Bestsellerautor Ruediger Dahlke erklärt der Zeitschrift „Herzstück“: „Kurzzeitfasten ist eine Form intelligenten Essens, das einem eigenen Rhythmus folgt.“
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Das Prinzip ist simpel: Kurze Phasen der Enthaltsamkeit wechseln mit Phasen ab, in denen wir normal essen. Die einfachste Form des Kurzzeitfastens praktizieren wir alle schon jeden Tag: nachts im Schlaf. Allerdings sollte die Esspause mindestens 12 Stunden dauern. „Wer nach der 16:8- oder 18:6-Formel fastet und die Esspause also auf 16 bzw. 18 Stunden verlängert, profitiert noch stärker von den positiven Effekten des Fastens“, sagt Ruediger Dahlke. Geht ganz einfach, indem man Frühstück oder Abendessen ausfallen lässt.
Das Gute daran: Wir bekommen von der Fastenzeit kaum etwas mit, weil wir sie zum Großteil verschlafen. Außerdem werden wir großzügig belohnt: Beim Fasten schüttet der Körper nach sechs bis acht Stunden das Wachstumshormon HGH aus. Dieses Hormon erfüllt uns mit Glücksgefühlen, hellt unsere Stimmung auf, ähnlich wie beim Joggen. „Darüber hinaus ist es für viele notwendige und oft überfällige Regenerations- und Reparatur-Vorgänge im Organismus zuständig“, erklärt Ruediger Dahlke.
Fasten: Warum es unser Leben verlängern kann
Schon die Fastenpäpste Otto Buchinger und Helmut Lützner wussten, dass Fasten nicht nur beim Abnehmen hilft, sondern vor allem auch gesund ist. Dafür gibt es gerade für das Kurzzeitfasten in den letzten Jahren viele neue wissenschaftliche Beweise. Mal eine Mahlzeit auszulassen senkt den Blutdruck, gleicht Blutzucker- und Cholesterinspiegel aus und verbessert die Entzündungsmarker.
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Gerade schwankende Blutzuckerwerte und chronische Entzündungen sind eine Ursache von häufigen Zivilisationskrankheiten, von Depression über Diabetes, Herzinfarkt bis zum Krebs. Außerdem machten Forscher die erstaunliche Entdeckung, dass Kurzzeitfasten die Produktion sogenannter „neurotropher“ Stoffe begünstigt, die das Wachstum und die Vernetzung der Nervenzellen fördern. Damit helfen sie, Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson entgegenzuwirken.
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Eine andere bahnbrechende Studie konnte zeigen, dass Kurzzeitfasten Stammzellen zur Bildung neuer Immunzellen anregt und so das Immunsystem von Grund auf regeneriert. Ein starkes Immunsystem ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine gute Gesundheit. Für Ruediger Dahlke liegt in dieser Erkenntnis zugleich die wissenschaftliche Erklärung für die lebensverlängernde Wirkung des Fastens, „denn Altern hat erheblich mit der Rückbildung unseres Immunsystems zu tun.“
Fasten: Das ist der wahre Zauber
Weniger essen macht mehr aus uns, holt das Beste aus uns heraus, weckt schlummernde Fähigkeiten, schärft den Geist und tut der Seele gut. Beim Fasten fühlen wir uns wacher, und die Dinge gehen uns leichter von der Hand. Außerdem werden unsere Sinne feiner, sensibler und empfänglicher. „Wir nehmen besser wahr, was uns wirklich guttut und was wir brauchen, um gut zu leben, klar zu denken und glücklich zu sein“, sagt Ruediger Dahlke.

Was wir verdrängten, wird laut. Was uns unbewusst belastet, wird wach – vielleicht spüren wir in uns plötzlich das Bedürfnis, bestimmte Dinge neu zu ordnen. Sicher nicht nur in der Wohnung, auch in unserem Leben. Fasten hat eine schier magische Wirkung, durch den konsequenten Verzicht stärkt es unser Selbstvertrauen, führt es uns auf das Wesentliche zurück, zu uns selbst. Wir können uns selbst nicht mehr ausweichen, nicht mehr aus Frust zu den Gummibärchen flüchten. „Fasten kann uns unsere Mitte finden lassen. In der Mitte ruhend, fühlen wir uns ausbalanciert und ausgeglichen und manchmal schon heil und rund“, sagt Dahlke.
Fasten: Seit Urzeiten bewährtes Programm
Für unsere Ururahnen war es übrigens keineswegs ungewöhnlich, nichts zu essen zu haben. Schließlich mussten sie ihre Nahrung erst einmal finden und womöglich noch erlegen. Im Laufe der Entwicklungsgeschichte waren unsere Vorfahren Hungerperioden notgedrungen immer wieder ausgesetzt.
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„Fasten ist also für unseren Körper nichts Neues, sondern ein uraltes bewährtes Programm, um Zeiten des Mangels zu überdauern und von den angelegten Reserven zu zehren. Wir haben das Fasten sozusagen in unseren Genen“, weiß Ruediger Dahlke.
Dabei lässt sich Kurzzeitfasten mühelos in den Alltag integrieren, viel leichter als Fastenkuren oder Diäten, denn das Konzept ist vollkommen flexibel. Ob wir 12, 16 oder 18 Stunden oder sogar jeden zweiten Tag nichts essen – wir können den Rhythmus von mageren und fetten Zeiten jeden Tag aufs Neue ganz auf unsere Bedürfnisse abstimmen und die Dauer so lange ausdehnen, wie es uns gefällt – im Extremfall auf unser ganzes Leben.
Legen wir öfters mal Messer und Gabel zur Seite und genießen wir dann umso bewusster die Zeiten der vollen Teller! Vielleicht stellen wir überrascht fest, dass Fasten eine große Bereicherung für uns ist – und zwar für Körper, Geist und Seele.
Zum Weiterlesen: „Kurzzeitfasten – Mit Esspausen gesünder, länger und schlanker leben” von Ruediger Dahlke (Südwest Verlag, 17 €)













