Liebe Leserin, lieber Leser,

in Frankfurt und Berlin kehrt man nach den jüngsten Krawallen die Scherben zusammen und fragt sich: Wie kann man einen solchen Gewaltausbruch das nächste Mal verhindern? Wie kann es dazu kommen, dass ein Mob Geschäfte zerstört und plündert und so viele Polizisten verletzen kann?

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

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Interessanterweise gibt es in dieser Frage keine große Solidarität im Kabinett, sondern Streit darüber, der für mich in die Schublade „Political Correctness“ fällt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) beklagte, „gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu haben gestern Abend die friedlichen Demonstrationen vom Nachmittag gekapert“.

Jörg Quoos.
Jörg Quoos.

Exklusive Einblicke: Hinter den Kulissen der Politik

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Kabinettskollege und Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) kritisierte daraufhin diese Wortwahl und sagte: „Ich glaube, das führt in die falsche Richtung. Wenn es so wäre, wäre es sicher richtig, es so zu benennen. Ich weiß nicht, ob es so ist.“

Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) war – anders als Pistorius – vor Ort und weiß, wie es ist. Er analysierte nach Rücksprache mit seiner Polizei, die Frankfurts City verteidigen musste: „Diese Tätergruppe war überwiegend migrantisch geprägt“. Wer auch nur ein paar Videos aus der Krawallnacht gesehen hat, weiß genau, wen Dobrindt und Poseck meinen.

Die Krawalltäter, die Sportgeschäfte und einen Waffenladen plünderten, waren jedenfalls keine Schülerinnen und Schüler, die sich besseren Matheunterricht wünschen. Lesen Sie dazu auch den Kommentar meines Kollegen Matthias Iken.

Waldi Hartmann macht Politik

Waldemar Hartmann
Ex-Sportreporter Waldemar „Waldi“ Hartmann schießt mit Spruch über Elif Eralp weit daneben© picture alliance / ZB | dpa Picture-Alliance / Thomas Schulze

In meinem Newsletter habe ich schon viel Kritik an der möglichen nächsten Regierenden Bürgermeisterin von Berlin geübt. Wegen ihrer teuren Enteignungs-Fantasien, den Clan-Freunden und den vielen antisemitischen Ausfällen in ihrer Partei. Aber an einem Punkt will ich Elif Eralp heute ausdrücklich in Schutz nehmen.

Waldemar „Waldi“ Hartmann, Ex-Sportreporter und jetzt Mitarbeiter beim sehr rechten Portal „Nius“, hat sich in einem Text auf X an Eralp abgearbeitet. Er schließt mit dem Satz, er habe „einfach ein Problem damit, dass eine Regierende Bürgermeisterin der deutschen Hauptstadt Berlin Elif Eralp heißt“.

Damit outet sich Hartmann, der als Reporter sein Leben lang Top-Sportlern aus aller Welt hinterherrannte, als engstirnigen Nationalisten. Warum soll eine deutsche Regierungschefin bitte keinen türkischen Namen tragen dürfen? Wir haben in Deutschland nicht zu viele solcher Aufstiegsgeschichten, sondern zu wenige.

Da zitiere ich einfach Fußball-Legende Rudi Völler, der bei „Waldi“ im Studio schon mal legendär ausrastete, und rufe dem Kollegen Hartmann zu: „Ich kann diesen Sch……. nicht mehr hören!“

Mehrheit für Frau an der Spitze des Staates

CSU-Parteitag
Auch Markus Söder wünscht sich eine Frau im Amt – und zwar diese hier: Ilse Aigner (CSU)© Peter Kneffel/dpa | Peter Kneffel

Frau oder Mann? Ossi oder Wessi? Ilse Aigner von der CSU oder lieber Boris Rhein, den Ministerpräsidenten aus Hessen von der CDU? Oder doch die toughe Bundestagspräsidentin Julia Klöckner? Die Debatte um das nächste Staatsoberhaupt ist in vollem Gang und jeder in der der Politik hat seine eigenen Vorstellungen dazu.

Wir wollten die Meinung der Bürgerinnen und Bürger hören und haben dazu eine große Umfrage beim Meinungsforschungsinstitut Civey in Auftrag gegeben. Die durchaus überraschenden Ergebnisse finden Sie hier. Ich kann schon verraten: Eine Mehrheit der Deutschen wünscht sich endlich eine Frau.  

Importe werden für Verbraucher teurer

Fotomontage, Mehrere orangefarbene Temu-Pakete werden geliefert und im Treppenhaus gestapelt. Das Bild zeigt den Einfluss von Onlinehandel, Versand und E-Commerce auf den Alltag und die Paketlogistik.
Wer Produkte aus China shoppt, wird in Zukunft tiefer in die Tasche greifen müssen© picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer

Politikerinnen und Politiker, die sonst gerne nach dem freien Markt rufen, wollen jetzt die preiswerten Produkte aus China von Temu und Co. zurückdrängen, die vor allem Menschen schätzen, die mit ihrem Geld streng haushalten müssen.

Seit dem 1. November gilt für Sendungen eine neue Bearbeitungsgebühr von zwei Euro, die die meisten Hersteller natürlich auf die Kundschaft umlegen werden. Seit Juli gibt es bereits einen zusätzlichen Zoll für Waren aus dem Nicht-EU-Ausland von drei Euro pro Wareneinheit. Bestellt jemand einen Kochlöffel, einen Schneebesen und einen Zuckerstreuer sind neun Euro extra fällig. Manche Händler geben den Aufschlag sogar erhöht an die Kunden weiter, was die Gewinne sprudeln lässt.

Die Politik macht bei Importen also das, was sie am besten kann: Sie macht es für die Verbraucher mal wieder teurer.

Spritpreisdeckel nimmt Formen an

Tanken
Wird der Spritpreisdeckel wirklich die erhoffte Entlastung bringen?© Lennart Preiss/dpa | Lennart Preiss

Apropos teurer: Seit heute sind die ersten Details des geplanten „Spritpreisdeckels“ bekannt, mit dem die Bundesregierung den zum 31. Dezember auslaufenden „Tankrabatt“ ablösen will. Es ist zwar noch nichts entschieden, aber laut „Handelsblatt“ soll ein Höchstpreis für Benzin und Diesel nicht automatisch greifen, sondern an strenge Voraussetzungen geknüpft sein. Das Gesetz würde erst wirksam, wenn Benzin- und Dieselkraftstoff drei Wochen in Folge je mehr als fünf Prozent teurer sind als die Preise im EU-Durchschnitt.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ist keine Freundin staatlicher Eingriffe auf dem Energiemarkt, und das sieht man dem Entwurf ihres Spritpreisdeckels auch an. Meine Kollegen Dominik Bath und Theresa Martus haben die Details.

Wie radikal ist die AfD wirklich?

Bundestagswahl - Wahlparty AFD
Leaks zeigen: Früher hatte Alice Weidel noch deutliche Worte für Björn Höcke (AfD)© DPA Images | Sören Stache

Diese Frage versuchen Rechercheteams in vielen deutschen Medienhäusern zu klären, nachdem Hunderttausende E-Mails aus der Partei geleakt wurden. Wir gehen mit der Recherche sehr bewusst und vorsichtig um, weil der Grat zwischen Persönlichkeitsrecht und berechtigtem öffentlichen Interesse gelegentlich schmal ist. Meine Kollegin Doreen Reinhard aus Dresden wandelt dabei trittsicher und ging anhand der Dokumente der Frage nach: An welchem Punkt hat sich die Parteiführung um Alice Weidel radikalisiert? Hier ist ihre Story.

Ein Blick in Bärbel Bas‘ Seele

Bas und Feldenkirchen
Bärbel Bas zeigt sich gegenüber Markus Feldenkirchen von ihrer verletzlichen Seite© Foto: © WDR/Denise Jacobs/beckground tv | Foto: © WDR/Denise Jacobs/beckground tv

Heute Abend um 21:45 Uhr bekommen wir tiefe Einblicke in das Seelenleben von Ex-SPD-Chefin Bärbel Bas, die Parteivorsitz und Ministeramt niedergelegt hatte, weil sie nach dem Tod ihrer nur vier Jahre jüngeren Stieftochter nicht weitermachen konnte.

In der ARD erklärt Bas dem „Spiegel“-Kollegen Markus Feldenkirchen ihre Beweggründe, die sehr tief ins Persönliche gehen. Als Zuschauer fühlt man sich wie ein Zaungast in einer Psychotherapie, die in dem Bekenntnis gipfelt: „Es ist schon manchmal schwer, morgens überhaupt aufzustehen, wenn man sich fragt: Wofür?“

Ich bin hin- und hergerissen in der Frage, ob diese Gefühlsbeichte in der ARD zu viel ist, schließlich müssen viele Menschen sterbende Angehörige pflegen und stehen ebenfalls im Job unter größtem Druck – aber ohne die opulenten Annehmlichkeiten des Ministeramtes zu haben. Andererseits sind auch Politikerinnen und Politiker nur Menschen und keine Maschinen und so sieht es auch mein Kollege Philipp Luther, der in seinem Kommentar eine Lanze für Bärbel Bas bricht.

Das Gespräch mit Bärbel Bas wird heute Abend um 21:45 Uhr in einer 30-minütigen Fassung im Ersten und ab 22:15 Uhr in einer 60-minütigen Fassung im WDR Fernsehen ausgestrahlt.

Apple warnt vor iPhone-Angriff

38. Parteitag der CDU Deutschlands in Stuttgart, Februar 2026
Kanzler Friedrich Merz benutzt bereits ein zertifiziertes Spezialgerät© imago/Chris Emil Janßen | imago stock

Es gab in meinem Journalistenleben eine äußerst heikle Phase, für die mir mein damaliger Arbeitgeber ein abhörsicheres Kryptohandy zur Verfügung stellte. Nur so war sichergestellt, dass vertrauliche Recherchen auch nicht von staatlichen Profis angezapft werden konnten.

Es gibt also immer technische Möglichkeiten, um Vertrauliches wirklich vertraulich zu halten. Daher ist es für mich unverständlich, dass viele Politikerinnen und Politiker auch höchst vertrauliche Informationen oft über ihre ungeschützten privaten Handys teilen. Da wird mancher erschrocken sein, als Apple jetzt die Politik vor einer Spionagesoftware auf den iPhones warnte.

Noch ist kein erfolgreicher Hacker-Fall bekannt, aber es ist höchste Zeit, dass jeder in Regierungsverantwortung ausschließlich die zertifizierten Spezialgeräte nutzt, wie sie zum Beispiel der Bundeskanzler, Kabinettsmitglieder und Spitzenbeamte haben.

Schon Helmut Kohl misstraute übrigens den frühen Autotelefonen. Er hatte immer Münzen in der Hosentasche und ließ seinen Fahrer „Ecki“ Seeber mit der gepanzerten S-Klasse regelmäßig an den gelben Telefonzellen anhalten, wenn er sehr vertraulich sprechen wollte.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche, ohne Spione im Handy,

herzlich, Ihr

Jörg Quoos
Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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