Wer in Amerika einen Wahlkampf gewinnen will, braucht sehr viel Geld. Für Fernsehwerbung, Mitarbeiter, Reisen, Meinungsforschung, digitale Kampagnen und die Mobilisierung der Wähler. Bei den Midterms 2026 fließen Milliarden Dollar in die Kongresswahlen. Ein großer Teil stammt nicht aus den Wahlkampfkassen der Kandidaten selbst, sondern von Organisationen, die unabhängig von ihnen Werbung finanzieren.

Eine zentrale Rolle spielen sogenannte Political Action Committees, kurz PACs. Das sind politische Spendenkomitees, die Geld sammeln, um Kandidaten oder Parteien zu unterstützen. Normale PACs unterliegen gesetzlichen Spendenbegrenzungen. Ein sogenannter Multicandidate-PAC darf beispielsweise pro Wahl höchstens 5000 Dollar direkt an einen Kandidaten geben.

Super-PACs sammeln unbegrenzt Spenden für unabhängige Wahlwerbung

Anders funktionieren Super-PACs. Diese Organisationen dürfen unbegrenzt Spenden von Privatpersonen, Unternehmen und Gewerkschaften entgegennehmen. Auch für ihre eigenständigen Wahlkampfausgaben gibt es grundsätzlich keine Obergrenze. Sie können Millionen für Fernsehspots ausgeben, Umfragen finanzieren oder politische Gegner attackieren. Sie dürfen ihren bevorzugten Kandidaten aber nicht unmittelbar Geld überweisen und ihre Ausgaben grundsätzlich nicht mit dessen Kampagne koordinieren.

Möglich wurde dieses System vor allem durch Gerichtsentscheidungen aus dem Jahr 2010, darunter das berühmte Urteil „Citizens United“. Der Oberste Gerichtshof stärkte damals den verfassungsrechtlichen Schutz unabhängiger politischer Ausgaben.

Mehr zum Thema: Die wichtigsten aktuellen Entwicklungen bei den Midterms lesen Sie in unserem Liveblog

Wie weit das System inzwischen reicht, zeigt Elon Musk. Der Tesla- und SpaceX-Chef hat nach US-Medien-Recherchen bis Mitte Oktober rund 366 Millionen Dollar in den laufenden Wahlzyklus eingebracht. Allein seit Juli waren es 276 Millionen Dollar. Musk gilt damit als der größte bekannte Einzelspender dieser Midterms.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

158 Millionen Dollar gingen an den Senate Leadership Fund, der republikanische Senatskandidaten unterstützt. Weitere 20 Millionen erhielt der Congressional Leadership Fund für Wahlkämpfe zum Repräsentantenhaus. 76 Millionen flossen in Musks eigene Organisation America PAC. Hinzu kamen zehn Millionen Dollar für eine Gruppe, die Ken Paxton im texanischen Senatsrennen gegen den Demokraten James Talarico unterstützt.

Großspender und Kleinspender finanzieren Wahlkampf beider Parteien

Musk ist allerdings nur einer von zahlreichen Großspendern. Auf republikanischer Seite engagieren sich auch Investoren, Unternehmer und wohlhabende Unterstützer aus der Finanz- und Technologiebranche. 

Auf demokratischer Seite stehen ebenfalls vermögende Geldgeber, Gewerkschaften und große Organisationen. Hinzu kommen viele Kleinspender, die über digitale Plattformen regelmäßig wenige Dollar überweisen.

Lesen Sie auch: US-Kongresswahlen bei Polymarket: Was die Wettquoten aussagen

Der Unterschied liegt in den Größenordnungen. Nach einer aktuellen Auswertung der „Financial Times“ verfügen die großen republikanischen Parteikomitees und verbundenen Organisationen über rund 683 Millionen Dollar – gegenüber 484 Millionen auf demokratischer Seite. Unter Einschluss besonders finanzstarker Trump-Organisationen nähert sich das republikanische Lager 900 Millionen Dollar.

Noch deutlicher fällt der Vergleich der bereits getätigten Wahlkampfausgaben aus: Republikanische Organisationen haben nach dieser Erhebung mehr als 1,3 Milliarden Dollar ausgegeben, demokratische rund 800 Millionen. Die Zahlen beziehen sich auf die jeweils erfassten Organisationen; sie sind nicht mit sämtlichen Ausgaben aller amerikanischen Wahlkampagnen gleichzusetzen.

Besonders teuer sind Senatsrennen. In Texas steuert die Auseinandersetzung zwischen Paxton und Talarico auf mehr als 500 Millionen Dollar an Werbung zu. Sollte dieser Betrag erreicht werden, wäre es der teuerste Senatswahlkampf der amerikanischen Geschichte.

Wahlkampfkosten steigen: Super-PACs dominieren mit Millionenbudgets

Warum ist Geld derart wichtig? Amerika hat riesige Medienmärkte und teure Fernsehwerbung. Wer in einem umkämpften Wahlkreis überzeugen will, muss Menschen häufig wiederholt erreichen. In den letzten Wochen vor einer Wahl steigen die Werbepreise. Super-PACs können außerdem besonders scharfe Angriffe übernehmen, ohne dass der unterstützte Kandidat formell als Auftraggeber auftreten muss.

Das System hat Grenzen. Direkte Spenden an einen Bundeskandidaten sind für Einzelpersonen im Wahlzyklus 2025/26 auf 3500 Dollar pro Wahl begrenzt. Vorwahl und Hauptwahl zählen dabei getrennt. Super-PACs unterliegen dieser Begrenzung nicht, müssen ihre Geldgeber und Ausgaben aber gegenüber der Bundeswahlkommission FEC offenlegen.

Daneben existieren Organisationen, die bestimmte politische Ziele verfolgen und ihre Geldgeber nicht vollständig veröffentlichen müssen. Dieses schwer durchschaubare Geld wird als „Dark Money“ bezeichnet. Die Herkunft solcher Mittel lässt sich nicht immer bis zur ursprünglichen Person oder Firma zurückverfolgen.

US-Milliardäre: Mit Millionen-Einsatz politische Mehrheiten beeinflussen

Für europäische Beobachter ist vor allem eines ungewohnt: Ein Milliardär kann in den USA völlig legal einen dreistelligen Millionenbetrag einsetzen, um eine politische Mehrheit zu beeinflussen, solange die einschlägigen Regeln eingehalten werden. Geld garantiert keinen Wahlsieg. Es ermöglicht aber eine enorme Präsenz und kann Gegner zwingen, ihre knappen Mittel zur Verteidigung einzusetzen.

Ebenfalls spannend: Welche Rolle spielt die Generation Z für die US-Midterms?

Lesen Sie auch

Die Midterms 2026 zeigen deshalb zwei unterschiedliche Kräfte im amerikanischen Wahlkampf: Auf der einen Seite die Unzufriedenheit vieler Wähler mit der Regierung, auf der anderen die gewaltigen finanziellen Möglichkeiten ihrer Unterstützer. Wer am 3. November gewinnt, entscheiden die Wähler. Wer zuvor die politische Debatte besonders laut führen kann, entscheidet sich in den Spendenbüchern.