Wer wissen möchte, wie Donald Trumps Republikaner bei den Midterms am 3. November abschneiden, kann Umfragen lesen, Wahlforscher befragen – oder sein Geld auf den Ausgang der Zwischenwahlen setzen. Millionen Amerikaner und andere Marktteilnehmer verfolgen inzwischen die politischen Wettbörsen Polymarket und Kalshi. Dort wird darüber gehandelt, welche Partei künftig den Kongress kontrolliert, welche Kandidaten gewinnen und wie viele Sitze die Demokraten den Republikanern abnehmen.
Wettquoten vor den Zwischenwahlen: Überraschung bei Polymarket und Co.
Die derzeitigen Kurse erzählen eine bemerkenswerte Geschichte. Bei Polymarket wurde die Wahrscheinlichkeit einer demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus zuletzt mit 94 Prozent gehandelt (Stand: 30. Oktober). Beim Konkurrenten Kalshi waren es 92 Prozent. Für die Republikaner blieben demnach nur acht Prozent. Im Senat ist das Bild weniger eindeutig: Dort lagen die Demokraten bei beiden Plattformen mit ungefähr 69 Prozent vorn.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Das ist ein bemerkenswerter Befund, aber kein Wahlergebnis. Wettquoten sind weder Stimmenanteile noch wissenschaftliche Prognosen. Sie zeigen, zu welchen Preisen Marktteilnehmer bereit sind, Geld auf bestimmte Ergebnisse zu setzen. Eine demokratische Wahrscheinlichkeit von 92 Prozent bedeutet nicht, dass 92 Prozent der Amerikaner demokratisch wählen oder die Partei 92 Prozent der Sitze gewinnt.
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Vor den Midterms: So arbeiten Polymarket und Kalshi
Wie funktioniert das? Auf Kalshi kostet ein Kontrakt, der bei einem bestimmten Wahlausgang einen Dollar auszahlt, beispielsweise 65 Cent. Tritt das Ereignis ein, erhält der Käufer einen Dollar. Tritt es nicht ein, verliert er seinen Einsatz. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Je mehr Händler mit einem bestimmten Wahlergebnis rechnen und entsprechend kaufen, desto höher steigt der Kurs.
Dass es sich dabei längst um ein großes Geschäft handelt, zeigen die Umsätze. Kalshi bezifferte das gehandelte Volumen seiner Märkte für Senat, Repräsentantenhaus und Gouverneurswahlen am 21. Oktober auf 226 Millionen Dollar. Bei Polymarket wurden allein für die Frage nach der Mehrheit im Repräsentantenhaus rund 19 Millionen Dollar umgesetzt, für die Senatsmehrheit etwa acht Millionen. Ein weiterer Markt über die mögliche Machtverteilung zwischen beiden Kongresskammern erreichte ungefähr 28 Millionen Dollar.
Wichtig ist die Unterscheidung: Diese Summen sind Handelsvolumina, keine endgültigen Gewinne oder Verluste. Derselbe Kontrakt kann mehrfach gekauft und wieder verkauft werden. Auch darf man sie nicht einfach addieren und als einmalig eingesetztes Kapital darstellen.
Wettquoten zeigen Kongresswahl-Tendenz für Texas
Besonders lebhaft ist der Handel bei einzelnen Senatswahlen. Im traditionell republikanischen Texas kämpfen der Demokrat James Talarico und der von Donald Trump unterstützte Republikaner Ken Paxton um einen Sitz. Polymarket bewertete Talaricos Chancen zuletzt mit etwa 69 Prozent, Paxtons mit 32 Prozent (Stand: 30. Oktober). Rund fünf Millionen Dollar Handelsvolumen hatte dieser Markt bereits erreicht. Dass ausgerechnet Texas derart offen erscheint, ist ein Zeichen für den außergewöhnlichen Charakter dieses Wahljahres.
Ähnlich aufschlussreich ist Ohio. Dort fordert der frühere demokratische Senator Sherrod Brown den republikanischen Amtsinhaber Jon Husted heraus. Beide Plattformen sahen Brown zuletzt vorn; bei Kalshi schwankte sein Kurs in den vergangenen Tagen im Bereich von rund 60 bis knapp 70 Prozent. Eine Marist-Umfrage vom Oktober zeigte Brown unter wahrscheinlichen Wählern mit 48 zu 44 Prozent vor Husted. Die Marktpreise spiegeln also einen realen politischen Wettbewerb wider, ersetzen aber keine Umfrage.
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In North Carolina wiederum sehen die Händler den früheren demokratischen Gouverneur Roy Cooper mit ungefähr 96 Prozent deutlich vor dem Republikaner Michael Whatley. In anderen Bundesstaaten liegen die Bewertungen enger beieinander. Ständig werden neue Umfragen, Fernsehdebatten, Spendeneinnahmen und Nachrichten verarbeitet.
Midterms: Wer kann sich am Ende die Mehrheit sichern?
Die politische Brisanz liegt in der Mehrheitsfrage. Derzeit besitzen die Republikaner 53 der 100 Senatssitze. Die Demokraten verfügen einschließlich zweier parteiloser Verbündeter über 47 Stimmen. Für eine eigene Mehrheit müssten sie netto vier Sitze hinzugewinnen. Dabei zählt nicht nur, welche republikanischen Mandate sie erobern, sondern auch, ob sie ihre eigenen gefährdeten Sitze verteidigen können.
Im Repräsentantenhaus reichen 218 der insgesamt 435 Mandate zur Mehrheit. Die dort gehandelten Kurse deuten auf weit stärkere Erwartungen eines demokratischen Machtwechsels hin. Selbst, wenn die Republikaner den Senat behaupten, könnte Trump seine Mehrheit in der anderen Kongresskammer verlieren. Dann wären demokratische Untersuchungsausschüsse, Vorladungen und die Blockade wichtiger Gesetzesvorhaben möglich.

US-Zwischenwahlen bei Polymarket und Co.: Die Wettmärkte sind nicht unfehlbar
Die Wettmärkte sind allerdings keineswegs unfehlbar. Ein Preis von 90 Cent ist keine Garantie. Märkte können auf schlechte Informationen reagieren, kurzfristige Stimmungen überbewerten oder durch große Einzelpositionen verzerrt werden. Auch unterscheiden sich Handelsliquidität und Teilnehmerzahl von Rennen zu Rennen. Ein viel gehandelter landesweiter Kontrakt ist deshalb aussagekräftiger als eine kleine Wette auf einen unbekannten Wahlkreis.
Hinzu kommt die rechtliche Debatte. Kalshi ist eine von der amerikanischen Rohstoff-Terminaufsicht CFTC regulierte Handelsplattform. Polymarket ist vor allem durch seine internationalen Kryptomärkte bekannt geworden. Die Frage, wie politische Ereigniskontrakte reguliert werden sollen, beschäftigt Gerichte und Behörden seit Jahren. Kritiker warnen davor, demokratische Entscheidungen zum Spekulationsobjekt zu machen. Befürworter argumentieren, dass Menschen ihre Einschätzungen genauer abwägen, wenn sie mit eigenem Geld dafür einstehen müssen.
Für den Wahlkampf selbst haben die Kurse eine doppelte Wirkung. Sie verdichten eine Vielzahl von Erwartungen zu einer täglich verfügbaren Zahl. Zugleich können sie politische Schlagzeilen produzieren, die wiederum beeinflussen, was Händler für wahrscheinlich halten. Der Markt beobachtet die Politik – und die Politik beobachtet den Markt.
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Wenige Tage vor der Wahl spricht die Börse damit eine deutlichere Sprache als manche traditionelle Prognose: Ein demokratischer Wechsel im Repräsentantenhaus wird mit sehr hohen Wahrscheinlichkeiten gehandelt, der Senat bleibt die größere Unbekannte. Ob die Händler recht behalten, entscheidet sich nicht an den Bildschirmen von Polymarket und Kalshi, sondern am 3. November in den Wahllokalen.











