Friedrich Merz war noch nicht auf der Welt, als der Koreakrieg endete und eine der gefährlichsten Grenzen der Welt entstand. So lange ist das her – und so aktuell ist es wieder: An diesem Freitag steht Merz bei 16 Grad und milchiger Herbstsonne an der Grenze zu Nordkorea und ist sichtlich bewegt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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„Mir gehen in diesem Moment Gedanken durch den Kopf“, sagt der Kanzler, „wie dankbar wir sein dürfen, dass wir das in Deutschland seit 36 Jahren nicht mehr erleben müssen.“ Merz kommt gerade aus der blauen Baracke mit der Nummer T2, die unmittelbar auf der Grenzlinie steht. In der Baracke steht ein dunkelbrauner Holztisch, auf dem 1953 das Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet wurde. Die Grenzlinie verläuft direkt durch den Raum, die eine Tischhälfte steht heute in Südkorea, die Stühle auf der anderen Seite schon in Nordkorea. Es ist ein Ort, in dem die jahrzehntelange Teilung der Welt in Ost und West so sichtbar ist wie einst am Berliner Checkpoint Charlie.

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Merz in Südkorea: Der eingefrorene Krieg ist im Alltag zu spüren

Der Krieg in Korea ist auf dem Papier noch immer nicht beendet – nur eingefroren. Das ist auch im Alltag spürbar: Kartendienste wie Google Maps sind in Südkorea nur eingeschränkt nutzbar, Nordkorea soll möglichst wenige Daten bekommen. Beim Besuch des deutschen Kanzlers werden Mitglieder seiner Delegation mit Nachdruck aufgefordert, beim Betreten des Präsidentenpalastes die Handys abzugeben oder zumindest die Kameras zuzukleben. Auch auf der Fahrt zur Grenze gibt es Passagen, wo nicht fotografiert werden darf. Dahinter steht die Angst vor nordkoreanischer Spionage über infizierte Smartphones.

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Die Frage verfolgt Merz bis ans andere Ende der Welt
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

An der Grenze im Norden trifft Merz diejenigen, die hier das Abkommen überwachen: Seit dem Waffenstillstand von 1953 bildet die demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea einen Pufferstreifen zwischen den beiden Ländern. Die Grenzlinie verläuft in der Mitte, die Sicherheitszone ist insgesamt rund 250 Kilometer lang. Auf der südkoreanischen Seite wird das Gebiet von einem UN-Kommando unter US-Führung kontrolliert und gesichert. Seit zwei Jahren ist auch die Bundeswehr an der Sicherung des Waffenstillstands beteiligt: Mitte 2024 trat Deutschland dem UN-Kommando bei, seit Juli 2025 ist Deutschland dort mit einem Verbindungsoffizier und seit September 2026 zusätzlich mit einem Unteroffizier vertreten.

Nordkorea und Südkorea: Ist der Waffenstillstand ein Modell für die Ukraine?

Die Waffenstillstandslösung auf der koreanischen Halbinsel wird immer wieder als mögliches Modell für eine Nachkriegslösung für die Ukraine diskutiert. Die Fragen sind hier wie dort die gleichen: Wo wird die Grenzlinie gezogen? Wer sichert den Waffenstillstand? Wie lässt sich eine stabile regionale Ordnung schaffen? Doch die Antworten von 1953 sind nicht die Antworten von 2026. Es ist maximal unwahrscheinlich, dass die USA mit 30.000 Mann eine Grenze zu Russland sichern – so, wie sie es jetzt noch in Korea tun.

In Südkorea haben inzwischen 80 Prozent der Menschen Zweifel an einer dauerhaften Unterstützung der Amerikaner – einschließlich des nuklearen Schutzversprechens. Akut gibt es zudem die Sorge, dass Nordkorea gerade militärisch weiter gestärkt wird: Das kommunistische Land unterstützt Wladimir Putin aktiv – unter anderem mit rund 9000 Soldaten – und kann seinerseits Personal und Technik im realen Kriegseinsatz testen.

Zweiter Stopp der Asienreise: Tokio. Kanzler Friedrich Merz trifft Japans Premierministerin Sanae Takaichi – die erste Frau in diesem Amt. Im Mittelpunkt stehen die Unterstützung der Ukraine, wirtschaftliche Unabhängigkeit von China und die Zusammenarbeit beider Länder. Doch auch aus Berlin drängen Fragen nach: Wer soll Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsidentin oder Bundespräsident nachfolgen? Julia Emmrich erklärt, welche Signale aus dem Umfeld des Kanzlers kommen.

Trump und Putin: Machen die beiden einen Ukraine-Deal auf Kosten der Europäer?

Merz hat die Hoffnung auf einen Waffenstillstand in der Ukraine trotz der regelmäßigen Rückschläge nicht aufgegeben. Doch der Kanzler denkt inzwischen nur noch in sehr kleinen Schritten und dämpft große Erwartungen. Das alte, aber nach wie vor hochaktuelle Ziel: Die Europäer sollen bei den Verhandlungen zwischen den USA, Russland und der Ukraine mit am Tisch sitzen, oder zumindest – symbolisch gesprochen – im Raum sein. Sie wollen nicht außen vor bleiben, sie wollen die Ukraine unterstützen und mitentscheiden, wenn es um eine mögliche Nachkriegsordnung geht. Die Sorge ist groß, dass die Präsidenten Trump und Putin einen Deal machen, der für Europa bittere Folgen hat.

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Südkorea ist das dritte Ziel der Asienreise des Kanzlers. Nach Stationen in Singapur und Japan geht es Merz in Seoul vor allem um eine stärkere Zusammenarbeit bei Zukunftstechnologien. Südkorea ist Deutschlands drittgrößter Handelspartner in Asien – und Teil von Merz‘ Vorstellung eines Bündnisses von gleichgesinnten Ländern als Gegenmodell zu China, Russland und den USA unter Trump: „Deutschland will ein Netzwerk von robusten Partnern entwickeln“, sagt Merz am Morgen zur Eröffnung der 19. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft in Seoul.

Bei seiner Ankunft am Donnerstag war Merz im „Blue House“, dem in traditioneller Architektur errichteten Amtssitz von Präsident Lee Jae-myung, empfangen worden. Merz und der koreanische Präsident Lee Jae-myung kündigten eine engere Zusammenarbeit von Deutschland und Korea an. „Wir teilen Freiheitlichkeit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“, so der Gastgeber. Merz habe „aus eigener Teilungserfahrung tiefes Verständnis“ für die Lage der Koreaner bekundet. „Wir sind Partner und bleiben Partner“, verspricht Merz und nimmt den Ball auf: „Wir wissen, wie schmerzhaft es ist, in einem geteilten Land zu leben.“