„Der größte Freund der AfD sind Facebook, Instagram und TikTok“, erklärt Markus Blume am Donnerstagabend bei „Markus Lanz“. Nur hat der CSU-Politiker ein unmittelbares Problem: Lanz. Der braucht keinen Algorithmus, um Blumes Argumente zu zerlegen. Er unterbricht, widerspricht, hakt nach. Juli Zeh lacht.
„Markus Lanz“: CSU in der Krise? Blume feiert den „Stabilitätsanker“
Blume startet die Sendung mit Eigenlob. Die CSU sei „gut im Takt“ und wirke „als echter Stabilitätsanker“. Parteichef Markus Söder klang auf dem jüngsten CSU-Parteitag weniger zuversichtlich: Es gehe um die „Existenz der Volksparteien“. Lanz nennt das blanke Panik, Blume eine „ehrliche Bestandsaufnahme“. In Bayern stehe die CSU immerhin besser da als die CDU anderswo. Nur regieren beide im Bund gemeinsam.
Für die Krise der Mitte macht Blume die sozialen Netzwerke mitverantwortlich. „Die Mitte ist heute nicht mehr so attraktiv“, weil Extreme mehr Aufmerksamkeit bekämen. „Der größte Freund der AfD sind Facebook, Instagram, TikTok, all die dergleichen.“ Der Algorithmus als Sündenbock. Das ist praktisch: Über Social Media lässt sich schließlich leichter klagen als über die eigene Regierungsbilanz.
Markus Lanz kontert CSU-Politiker: „Nee“
Lanz ist an diesem Abend erfreulich wach, spitz und wenig geneigt, sich Floskeln als Analyse verkaufen zu lassen. Als Blume erklärt, die Sendung funktioniere besonders gut, „wenn es richtig zur Sache geht und richtig Schlagzeilen geschrieben werden“, kommt ein trockenes „Nee“ von Lanz. Und weiter: „Also mit anderen Worten, ich bin dafür zuständig, wenn es schlecht läuft in der CDU, ja?“

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„Das ist jetzt eine Zuspitzung, die würde ich nicht treffen wollen“, windet sich Blume. „Aber das ist doch Quatsch“, sagt Lanz. Blume versucht zu retten: „So wie Sie es machen, ist es doch unterhaltsam.“ Danke, Herr Minister. Ein Kompliment ist das schon. Eine Antwort auf die Kritik allerdings nicht.
CSU-Minister bekommt bei Lanz Nachhilfe
Blume erklärt die Lage mit „Multikrisen in der Welt“ und dem Verlust alter Sicherheiten. Lanz hält ihm den Koalitionsvertrag entgegen: „Sie haben in Ihrem Koalitionsvertrag stehen, dass Sie den Strompreis für alle senken. Haben Sie bis heute nicht gemacht.“ Blume setzt zur Erklärung an, doch der Moderator lässt ihm kaum Gelegenheit, seine Gedanken zu Ende zu führen. Schlagfertig ist Lanz an diesem Abend zweifellos. Geduldig eher nicht.
Blume kommt kaum hinterher. „Sie haben jetzt sehr viele Fragen gestellt“, merkt er an. Lanz klärt auf: „Ich habe eher rhetorische Fragen gestellt. Ich will Ihnen eher klar machen, dass das Problem weniger Social Media ist.“ Pädagogik per Talkshow – für den bayerischen Wissenschaftsminister.
Juli Zeh bei „Markus Lanz“: Politik verliert Vertrauen
Juli Zeh ist die Person, die den Abend zurück auf den Boden holt. Ihre Diagnose: „Die Menschen trauen der Politik überhaupt nicht mehr zu, noch irgendwelche Probleme auf die Kette zu kriegen.“ Sie kritisiert, dass immer nur zwei Narrative bedient werden: Kommunikation und Social Media auf der einen, endlose Krisen auf der anderen Seite. Dabei fehle die eigentliche Frage: Ist unsere Demokratie in ihrer heutigen Form überhaupt noch funktionsfähig?
Ihre Prognose ist düster: „Das wird weiter erodieren.“ Und: „Die Volkspartei alten Zuschnitts ist nicht zu retten.“ Was vor allem fehle, sei ein politisches Angebot, das über die nächste Wahl hinausreiche. „Niemand sieht ein ernst gemeintes, glaubwürdiges Zukunftsversprechen in dem, was die Parteien anbieten.“
Juli Zeh bei „Markus Lanz“: Was für ein Land wollen wir sein?
Zeh fordert, endlich langfristig zu denken – nicht in Wahlkampfzyklen, sondern in Generationen. Ihre Frage: „Was für ein Land wir sein wollen – nicht übermorgen, sondern in 50 Jahren, in 100 Jahren.“ Sie stellt auch die unbequeme Systemfrage: „Warum denkt denn kein Mensch über eine Alternative nach?“
Blume hört das natürlich als Angriff von ganz links: „Ich wundere mich, dass jetzt die Systemfrage gestellt wird.“ Sein Gegenangebot ist bemerkenswert mutig in seiner Banalität: „Ich will eine Lanze brechen für was ganz Langweiliges: Einfach gut regieren.“ Herr Blume, das ist ungefähr so, als würde ein Restaurantkritiker fragen, warum das Essen kalt ist – und der Koch antwortet: „Wir wollen einfach gut kochen.“ Ja. Dafür ist man da.
Jugendproteste: Bildungsforscherin warnt vor Gewalt
Bildungsforscherin Nina Kolleck sagt, junge Menschen fühlten sich kaum gehört. „Ich denke, da braut sich ganz schön was zusammen“, warnt sie mit Blick auf Frust und Gewaltbereitschaft. Lanz sagt, er könne die Anliegen der Jugendproteste unterschreiben – Gewalt lehne er allerdings ab. Blume verweist auf Frankreich, wo der Widerstand gegen Reformen groß sei. Die nächste Falle folgt prompt.
Für Blume gehe es dort „vor allem darum, dass es massiven Widerstand gibt gegen Reformen, die dort eigentlich zwingend notwendig sind“. Frankreich sei in seiner Entwicklung bereits weiter als Deutschland. Lanz hakt nach: „Also näher am Abgrund?“ Blume: „Genau, unmittelbar vorm Abgrund.“ Gemeint ist Frankreich. Doch Lanz versucht, den Vergleich auf Deutschland zu übertragen: „Herr Blume, haben Sie gerade gesagt, Sie sehen Deutschland auf dem Weg in Richtung Abgrund?“ „Nein, das habe ich nicht gesagt.“ Zeh schmunzelt.
Blume spricht von der Psychologie der Wirtschaft. „Schon wieder Stimmung, schon wieder Psychologie, Schönreden-TV?“, fragt Lanz. „Leute therapieren“, ergänzt Zeh. Blume will „einfach machen“. Das klingt gut. Nur bleibt ziemlich unklar, warum aus dem Machen bisher so wenig geworden ist.
Söder-Nachfolge: Lanz macht Blume zum Ministerpräsidenten
„Wir spielen jetzt, Sie wären Ministerpräsident in Bayern“, schlägt Lanz vor. „Das spielen wir nicht“, blockt Blume ab. „Das könnte doch passieren“, stichelt der Moderator. „Ein knallhartes Dementi war das nicht.“ Dann darf Blume seine Reformliste herunterbeten: Gesundheit, Pflege, Rente, Wirtschaft. Alles wichtig, alles bekannt. Wie Vertrauen zurückkehrt, bleibt offen.
CNN-Journalist Frederik Pleitgen sorgt für den internationalen Teil. Zu Donald Trumps Wirtschaftspolitik sagte er: „Man kann nicht sagen, dass die Wirtschaftspolitik von Donald Trump zurzeit erfolgreich ist.“ Zwar gebe es stärkeres Wachstum, aber auch größere Schere zwischen Arm und Reich. Der Iran-Krieg treibe Kosten hoch. Und Pleitgen warnte vor einer möglichen Annäherung an Russland zur Entlastung des Energiemarktes.











