Heruntergelassene Rollläden statt Luxusshopping: Aus Angst vor neuen Ausschreitungen schließen zahlreiche Geschäfte in Mailands exklusivem Modeviertel Quadrilatero della Moda bereits zur Nachmittagszeit. In der Via Montenapoleone beenden unter anderem die Luxusmarken Hermès, Chanel und Pomellato vorzeitig ihren Geschäftsbetrieb. Auch andere Händler bereiten sich auf eine mögliche Eskalation vor. Nach den Plünderungen und schweren Sachbeschädigungen des vergangenen Wochenendes bleibt die Lage in der Innenstadt angespannt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Auslöser der Vorsichtsmaßnahmen waren unter anderem in sozialen Netzwerken und Messenger-Gruppen verbreitete Hinweise auf mögliche neue Zusammenkünfte im Stadtzentrum. Eine Bestätigung für unmittelbar bevorstehende Ausschreitungen gab es zunächst nicht, die Polizei verstärkte dennoch ihre Präsenz. Einige Geschäfte entfernten ihre Waren aus den Schaufenstern oder sicherten die Auslagen. Händler und Sicherheitsmitarbeiter tauschten Informationen aus, um bei einer Verschärfung der Lage rasch reagieren zu können. Trotz zahlreicher Touristen herrschte in der Luxusmeile erhöhte Wachsamkeit.

Italien: Regierung reagiert mit Sicherheitskonzept

Die italienische Regierung reagiert auf die Gewalt und die Plünderungen im Stadtzentrum der lombardischen Mode- und Finanzhauptstadt mit einem umfangreichen Sicherheitspaket. Vizeregierungschef Matteo Salvini kündigte an, dass 500 zusätzliche Soldaten zum Schutz Mailands eingesetzt werden sollen. Die Verstärkung ist im Rahmen der Operation „Strade sicure“ (Sichere Straßen) vorgesehen, bei der das Militär die Polizei und andere Sicherheitskräfte bei der Überwachung öffentlicher Plätze unterstützt.

Proteste in Italien
Polizisten patrouillieren in der Mailänder Via Monte Napoleone, während die Luxusgeschäfte geschlossen bleiben.© Luca Bruno/AP/dpa | Luca Bruno

Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni erwägt zudem, die Möglichkeiten für vorbeugenden Polizeigewahrsam bei Minderjährigen auszuweiten. Geprüft werden außerdem Versammlungsverbote für Personen, die an gemeinschaftlichen Gewalttaten oder schweren Verwüstungen beteiligt waren. Dafür sollen einzelne Bestimmungen eines bereits im Senat beratenen Sicherheitsgesetzentwurfs in das geplante Dekret übernommen werden.

Polizei setzte Tränengas ein

Den Unruhen waren Proteste gegen steigende Lebenshaltungskosten und Defizite bei öffentlichen Dienstleistungen vorausgegangen. Was zunächst als friedliche Demonstration begonnen hatte, eskalierte am Wochenende in Mailand und mehreren anderen norditalienischen Städten. Am Samstag kam es unter anderem in Mailand, Bologna, Brescia, Bergamo und Turin zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. In Mailand gingen vermummte Gruppen gegen Geschäfte und öffentliche Einrichtungen vor.

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Schaufenster wurden eingeschlagen, Läden geplündert und Straßenmobiliar zerstört. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Besonders betroffen war die Innenstadt rund um den Domplatz. In der Via Torino, einer Einkaufsstraße in Richtung Piazza del Duomo, wurden Geschäfte und ein Supermarkt geplündert. Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Der Handelsverband Confcommercio bezifferte die Schäden an Geschäften und Lokalen einschließlich entgangener Einnahmen zunächst auf eine Million Euro. Neben zerstörten Schaufenstern und beschädigter Einrichtung schlagen vor allem gestohlene Waren und Umsatzausfälle zu Buche.