Die AfD ist von einem massiven Hackerangriff betroffen. Hunderttausende, mutmaßlich parteiinterne E-Mails und Dateien wurden von Unbekannten im Internet veröffentlicht. Die Echtheit aller Daten ist noch nicht bestätigt. Doch der Leak könnte für die AfD zum Problem werden. Rund 421.000 Nachrichten wurden offenbar erbeutet. Die E-Mails sollen aus einem Zeitraum von November 2013 bis September 2026 stammen. Sie wurden von Unbekannten auf einer Webseite als KI-gestützte Zusammenfassung veröffentlicht. Diese Seite wurde erst Mitte Oktober registriert. Insgesamt soll es sich um Material im Umfang von rund 280 Gigabyte handeln. Die Originaldateien lassen sich von einem weiteren Server herunterladen.

Wie reagiert die AfD auf den Angriff?

Die AfD selbst räumte am Dienstag ein, dass es einen Angriff auf ihre Daten gegeben habe. „Im September 2026 kam es zu einem Hackerangriff auf einen Hosting-Dienstleister unserer Partei, bei dem offenbar Teile einiger weniger Mail-Postfächer – von denen die meisten seit Jahren nicht mehr genutzt waren – widerrechtlich kopiert wurden“, teilte die Partei auf Anfrage unserer Redaktion mit. Dabei seien „große Datenmengen“ abgeflossen, hieß es am Dienstagabend in einer Mitteilung weiter. Man stehe nun im engen Austausch mit den Sicherheitsbehörden und habe den digitalen Angriff und die Publikation angezeigt. „Das Geschehene besorgt uns sehr“, heißt es.

Aktuelle E-Mail-Postfächer des AfD-Bundesverbands seien von dem Leak jedoch nicht betroffen gewesen, hatte die Partei zunächst mitgeteilt. „Umgehend hat die AfD damals die Besitzer der Postfächer informiert, ebenso die Datenschutzbeauftragte“, heißt es nun. „Wir sehen es mit großer Sorge, dass allem Anschein nach mit einer sehr rudimentären KI die Inhalte der gestohlenen Dokumente analysiert wurden.“ Dabei gehe es um Schlagworte, nicht um den Kontext. „Die bislang veröffentlichten, vermeintlichen Skandale halten einer inhaltlichen Überprüfung nicht stand“, meint die AfD. Der Vorfall sei ein Angriff auf das deutsche Parteiensystem und damit auf die Demokratie.

Wie authentisch sind die geleakten E-Mails und Dokumente?

Auch nach ersten Einschätzungen von Experten könnte das Material echt sein. „Ich habe mich mit einigen IT-Expertinnen ausgetauscht, die sich mit den Datensätzen beschäftigt haben. Mein erster Eindruck ist: Die Daten sind authentisch“, sagt Manuel Atug. Er ist IT-Experte, Gründer und Sprecher der AG KRITIS, eines Zusammenschlusses unabhängiger Fachleute für kritische Infrastrukturen, und agiert unter dem Künstlernamen „HonkHase“. Noch sei es allerdings zu früh, eine endgültige Einschätzung des Datenlecks zu geben. Der Experte warnt davor, voreilige Schlüsse zu ziehen.

Könnte jemand die Daten manipuliert haben?

Es handelt sich um enorme Datenmengen, die von Unbekannten ins Netz gestellt wurden. „Es können auch Phishing-Mails, Spam oder andere E-Mails, die echt wirken, in dem Leak enthalten sein“, sagt Manuel Atug. „Es sind zunächst einmal Daten, da können auch E-Mails im Nachhinein hinzugefügt worden sein.“ Die einfach zu bedienende KI-gestützte Übersicht sage noch nichts über den tatsächlichen Inhalt des Leaks aus: „Da kann viel Halluziniertes drinstehen.“ Eine Auswertung der Originaldaten ist wegen ihres enormen Umfangs und aus Sicherheitsgründen in der Kürze der Zeit bislang schwer möglich.

Hackerangriff auf AfD-Goldshop
Betroffen ist unter anderem ein E-Mail-Konto des Bundesverbands.© dpa | Bernd von Jutrczenka

Wie viele Personen, Organisationen und Parteigliederungen sind betroffen?

Die unbekannten Täter, die das Material veröffentlicht haben, behaupten, dass es sich um Daten aus zehn Postfächern handele, darunter ein Account auf den Namen des früheren AfD-Parteichefs Alexander Gauland sowie ein Konto, das von der AfD früher als Kontakt für die Bundesgeschäftsstelle genannt wurde. In der KI-gestützten Zusammenfassung tauchen auch vermeintliche Mails von Landes- und Kreisverbänden auf. Zudem E-Mails von Unterstützern der AfD an deren Postfächer.

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Will die AfD Sie abschaffen, Frau Ataman?
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Warum kann der Leak für die AfD gefährlich werden?

Bisher sind die Inhalte des Leaks auf der Internetseite nicht verifiziert. Es handelt sich unter anderem, so kann man es bei ersten Sichtungen feststellen, um Zusammenfassungen von Mails und Mail-Verteiler, die verschiedene AfD-Mitarbeiter und -Politiker betreffen sollen. Angedeutet werden unter anderem mutmaßlich rassistische, antisemitische und rechtsextremistische Nachrichten. Sollte sich deren Echtheit nach Abgleich mit den Originaldateien bestätigen, werden sich Vertreter der Partei dazu erklären müssen. Auch für einen möglichen Verbotsantrag gegen die AfD, könnten die Nachrichten relevant werden. „Um einen Verbotsantrag so wasserdicht wie möglich zu machen, könnten die Mails ein weiterer wichtiger Baustein sein“, sagt auch die Juristin und Gutachten-Autorin Valentina Chiofalo von der Gesellschaft für Freiheitsrechte unserer Redaktion. Zudem wird ein Sicherheitsleck offenbar, sensible Daten sind an die Öffentlichkeit gelangt, auch dazu gibt es Aufklärungsbedarf.

Kann ich die Daten selbst einsehen und herunterladen?

Die Daten lassen sich im Internet frei herunterladen. Der IT-Sicherheitsexperte Atug warnt jedoch eindringlich davor, große Datenmengen aus unbekannter Quelle aus dem Netz zu beziehen. Er verweist darauf, dass die Daten von unbekannten Hackern stammen, die sich mittels Phishing-E-Mails Zugang verschafft haben. Er wirft auch ein grundsätzliches ethisches Problem auf: „Die Frage ist: Sollte jetzt jeder in privaten Daten herumschnüffeln, auch wenn es sich hier um eine Partei handelt, die sehr viele Menschen kritisch sehen?“ Für ihn ist entscheidend, dass sich jede und jeder Einzelne die Motivation hinter dem eigenen Interesse bewusst macht: „Jeder, der sich diese Daten herunterlädt und anschaut, muss sich die Frage stellen, warum er diese E-Mails unbedingt lesen möchte.“

Sind schon andere Parteien Opfer von Hacker-Angriffen geworden?

Cyberangriffe auf Parteien und staatliche Stellen sind nichts Neues. Die Bundes-CDU wurde im Mai 2024 Ziel einer großen Cyberattacke. Vorsichtshalber wurde die IT-Infrastruktur damals teilweise vom Netz genommen. Die Ermittlungen übernahm später der Generalbundesanwalt, da man von Spionage ausging. Bereits Ende 2022/Anfang 2023 waren E-Mail-Konten in der SPD-Parteizentrale Ziel eines Angriffs gewesen. Diesen ordneten die Sicherheitsbehörden später einer vom russischen Militärgeheimdienst GRU gesteuerten Gruppierung zu. Dieselbe Gruppierung soll auch für den Cyberangriff 2015 auf den Deutschen Bundestag verantwortlich gewesen sein. Der Bundestag schaltete damals sein internes Datennetz zeitweise komplett ab und musste es später weitgehend neu aufbauen.

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(mit dpa)