Zwei von drei möglichen Partnern haben den Weg schon frei gemacht. Nur das „Go“ des Wahlsiegers fehlt noch. Stimmt nach den Grünen und Sozialdemokraten auch die Linke für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen, wird in Berlin – trotz bundesweiter Warnungen – schon bald ein Koalitionsvertrag für ein rot-grün-rotes Bündnis verhandelt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Den Regierungspartnern in spe weht dabei nicht nur von der Bundesebene und der politischen Konkurrenz von rechts bis rechtsaußen kräftiger Wind entgegen. Auch in den eigenen Reihen in der Hauptstadt gibt es Kritik – in allen drei Parteien, aus unterschiedlichen Richtungen, jeweils aber nur von einer Minderheit. Bei den Grünen und den Sozialdemokraten kommen die Zwischenrufe aus dem jeweils pragmatischen bis konservativen Lager. Bei der Linken übt der palästinasolidarische und regierungskritische Flügel Kritik.

Trotz Aufregung um Emde: Linke wird wohl für Koalitionsverhandlungen stimmen

Ihm ist auch die extrem israelkritische Abgeordnete Vanessa Emde zuzuordnen. Dieses Lager kritisiert die zu Beginn der Sondierungen vorgestellte Einigung zum Thema Antisemitismus als zu weitreichend. Die Linke falle damit hinter eigene Positionen zurück, heißt es. Emde selbst hatte zuletzt in einem Video ihre umstrittenen Aussagen wiederholt, dass Staaten kein Existenzrecht hätten und die Forderung nach einer demokratischen Einstaatenlösung legitim sein müsse.

Nach Ansicht führender Linker hat sie damit gegen interne Absprachen verstoßen. Am Dienstag wurde sie deshalb zu einer außerordentlichen Sitzung der Fraktion einbestellt. Emde meldete sich krank. Die Beratungen würden in der kommenden Woche fortgesetzt, teilte ein Fraktionssprecher mit.

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Bei aller Aufregung um Emde: Es darf als sicher gelten, dass auch die Linke auf ihrem Parteitag Ende Oktober für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen stimmt. Auf Funktionärsebene soll nach einer zwischenzeitlichen Unterbrechung der Gespräche ohnehin große Einigkeit zwischen den drei Parteien herrschen.

Risikofaktor SPD: Immer mehr Sozialdemokraten fordern Mitgliederentscheid

Als letztes großes Risiko gilt ein möglicher Mitgliederentscheid der SPD. Die amtierende Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) forderte bereits Anfang Oktober in einem Interview mit unserer Redaktion eine Abstimmung der Basis über den Koalitionsvertrag. Mit Reinickendorf und Lichtenberg haben sich mittlerweile zwei Kreisverbände dafür ausgesprochen. Damit es zu einem Mitgliederentscheid kommt, müssten sich insgesamt fünf von zwölf Kreisverbänden dieser Forderung anschließen. Die Basis der SPD tickt traditionell konservativer als die Führungsebene.

Unterdessen versuchen führende Köpfe einer möglichen Koalition, der bundesweiten Kritik etwas entgegenzusetzen. Die Berliner Grünen-Chefin Nina Stahr sieht in dem geplanten Regierungsbündnis mit SPD und Linken ein Modell auch für den Bund. Wenn es gelinge, das Leben der Menschen in Berlin besser zu machen, könne die gemeinsame Arbeit von Rot-Grün-Rot „Strahlkraft“ entwickeln. „Dann kann dieses Bündnis auch ein Zeichen sein“, sagte Stahr mit Blick auf die nächste Bundestagswahl 2029 im Interview mit unserer Redaktion.