Donald Trumps neue Regierungssprecherin Katie Zacharia hat bei ihrem Debüt-Auftritt im Presseraum des Weißen Hauses erste Zweifel an ihrer Eignung geweckt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Schon nach 14 Minuten war Schluss. Drei Journalisten durften Fragen stellen, alle stammen von Trump zugeneigten Medien. Die Sprecherin stolperte beim Ablesen durch ihren vorbereiteten Text, blickte immer wieder auf die Blätter vor sich und beendete die Veranstaltung, bevor es richtig unbequem werden konnte. Der erste Eindruck: ernüchternd. Spott folgte auf dem Fuße.
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Trumps neue Sprecherin: Selbst Stabschefin Susie Wiles war außen vor
Zacharia, 41, Mutter von vier Kindern, folgt auf Karoline Leavitt, die nach zwei Mutterschaften privatisiert und ihr Geld nun bei Fox News verdient. Zuvor arbeitete die blonde Frau für Trumps Medienunternehmen und kurz im Heimatschutzministerium. Trump ernannte sie am Freitag offenbar im Alleingang. Selbst Stabschefin Susie Wiles erfuhr nach Recherchen der „Washington Post“ erst kurz vorher davon.
Die neue Sprecherin verbrachte den Großteil ihres ersten Auftritts mit einem dick aufgetragenen Lobgesang auf den Präsidenten, seine angeblich rekordverdächtigen Wahlkampfveranstaltungen und dessen rastlose Energie.
Dabei schläft Trump regelmäßig am helllichten Tag vor der Kamera ein und auch sonst gäbe es reichlich Fragen: Diesel-Deal mit Putin, Ukraine-Krieg, Midterms. Doch aufgerufen wurden im Pressesaal von Zacharia nur Breitbart, Fox News und die britische Daily Mail; allesamt nicht für harte Trump-Kritik in der Sache berühmt. Auf die Frage, ob Washington Geheimdienstinformationen für die Ukraine zurückhalte, versprach Zacharia, sie werde die Antwort nachzureichen.
News aus den USA
Freudscher Versprecher: „Mein Präsident“ statt „mein Ehemann“
Die Softball-Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Amt – die Zacharias residieren in Kalifornien – führte zu einem kuriosen Versprecher: Statt „mein Ehemann“ sagte Zacharia zunächst „mein Präsident“. Sie korrigierte sich später.
Jen Psaki, einst Sprecherin des Demokraten Joe Biden, spottete: „Diese Pressekonferenz war praktisch ein Sketch von Saturday Night Live – nur dass sie keiner war.“ Joe Lockhart, früher Sprecher Bill Clintons, befand bei CNN, es sei „ein wenig bizarr“ gewesen, Zacharia so schnell vor die Presse und dann ebenso schnell wieder hinauszuschicken. Vertrauen in ihre künftige Leistung habe das nicht geschaffen.
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Demokraten spotten über Debut
John Avlon, einst CNN-Kommentator und demokratischer Kongresskandidat, kritisierte die ausgedehnte Ableserei und stellte die zentrale Frage: Wie werde Zacharia reagieren, wenn sie ohne Manuskript schwierige Fragen zum russischen Diesel-Konflikt, zur Ukraine, zum Iran oder zur Gesundheitspolitik beantworten müsse? Der linke Kommentator Aaron Rupar nannte den Auftritt schlicht „brutal schlecht“. Die Demokratien höhnten auf X: „Sie macht einen großartigen Job.“

Aber die Kritik kommt nicht nur von links. Beverly Hallberg, Medienberaterin aus dem konservativen Independent Women’s Forum, diagnostizierte sichtbare Nervosität und einen verkrampften Blick auf Notizen. Megyn Kelly, die einflussreiche konservative Moderatorin, stellte fest: „Ich glaube, mit der Zeit könnte sie es schaffen. Aber sie ist eindeutig noch nicht so weit.“
Auch rechte Kommentatoren kritisieren den Auftritt
Kelly vermutete in ihrer Sendung, Trump habe Zacharia auch wegen ihrer Attraktivität ausgewählt. Sie kritisierte ausführlich deren Kleidung, Frisur und Make-up –eine Regierungssprecherin müsse seriöser auftreten. Trumps treuer Kommentator Jack Posobiec fand dagegen eine andere Erklärung für die Kritik an Zacharia: „Liberale hassen konservative Frauen.“
Der Präsident selbst nahm seine neue Mitarbeiterin in Schutz. „Ich fand, sie war sehr gut“, sagte Trump vor dem Abflug nach Alaska, während Zacharia hinter ihm stand.
Allein, die schwierigeren Fragen betreffen inzwischen nicht ihren Vortrag, sondern ihre Glaubwürdigkeit. CNN sichtete ältere Beiträge aus Zacharias sozialen Netzwerken: Sie verbreitete die widerlegte „Pizzagate“-Legende (Demokraten als Kinderschänder im Keller eines Washingtoner Lokals…) und beschimpfte den demokratischen Strategen John Podesta unbelegt als Pädophilen.

„Kranke pädophile Kannibalen“
Über Hollywood-Eliten schrieb sie sinngemäß, sie seien „kranke pädophile Kannibalen“. Auch die Behauptung eines Aktivisten, Demokraten wollten „eure Kinder vergewaltigen“, verbreitete sie weiter. Allesamt haltlose Anschuldigungen.
CNN und das Magazin „Bulwark“ fanden überdies inzwischen gelöschte Beiträge auf X, in denen Zacharia eine Aussetzung grundlegender Haftprüfungsrechte für Migranten verlangte und vor einem republikanischen „Blutbad“ bei den Midterms warnte. Das Weiße Haus ging darauf nicht ein.

Aber da wäre noch die Sache mit der Anwältin. Trump stellte Zacharia als „Rechtsanwältin“ vor, sie selbst benutzte die Bezeichnung jahrelang im Fernsehen. Ihr juristischer Abschluss von der Pepperdine University ist belegt. Aber der bekannte Journalist Judd Legum fand in sämtlichen US-Zulassungsregistern bisher keinen Nachweis, dass sie jemals als Anwältin zugelassen war.
Wo ist sie als Anwältin zugelassen?
Der „Business Insider” erhärtete die Zweifel: Weder im Anwaltsregister Kaliforniens noch im Mitgliederverzeichnis der Anwaltskammer von Washington D.C. sei sie zu finden. Die Redaktion dokumentiert außerdem anhand einer Videoaufzeichnung ihre irritierende Antwort auf die Frage, in welchem US-Bundesstaat sie ihre Anwaltsprüfung bestanden habe: „Als ich nach China zog.“ Kurz danach dann der Hammer: Kaliforniens Anwaltskammer bestätigte gegenüber der „Washington Post“, dass weder unter Zacharias’ Namen noch unter ihrem Geburtsnamen Kate Sharon Black eine Anwaltszulassung registriert ist.
Der verkorkste Start und die Zweifel an ihrer Befähigung, das alles weckt Erinnerungen an Anthony Scaramucci, Trumps Kommunikationsdirektor von 2017. Seine Dienstzeit endete schon nach elf Tagen.










