Nach dem deutlichen Sieg der AfD in Sachsen-Anhalt richtet sich der Blick auf Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Im direkten Duell mit SPD-Aushängeschild Manuela Schwesig kann die AfD in MV auf ein starkes Ergebnis jenseits der 30 Prozent hoffen. Anders sieht es dagegen in der Hauptstadt aus: Umfrageinstitute wie Infratest dimap sehen die Berliner AfD bei 18 Prozent – und damit auf Augenhöhe mit Linken, CDU und den Grünen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Für die Berliner AfD tritt Kristin Brinker zum dritten Mal als Spitzenkandidatin an. Nach zwei Wahlen unter den Erwartungen muss sie dieses Mal zeigen, dass die AfD unter ihrer Führung mehr als das Bundesparteiprogramm zu bieten hat. Doch für den Senat reicht es trotz zweistelliger Prognosen nicht, weil keine Partei mit der in Teilen rechtsextremen Partei koalieren möchte.
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Kristin Brinker: Das konservative Gesicht der Berliner AfD
Die 54-Jährige wurde in Bernburg in Sachsen-Anhalt geboren und kam 1994 zum Architekturstudium nach Berlin. Sie promovierte über Wohnformen für ältere Menschen und arbeitete im Immobilienbereich. Sie ist damit Expertin auf einem Feld, das viele Berlinerinnen und Berliner beschäftigt – bezahlbare Wohnungen sind in der Hauptstadt Mangelware und im Wahlkampf eins der wichtigsten Themen. Hier führt die AfD ihre ganz eigenen Vorstellungen ins Feld.
Während die Linke Schlagzeilen macht mit der Forderung nach Enteignungen und über den Neubau vieler Wohnungen diskutiert wird, lautet Brinkers Ansatz: Landeseigene Wohnungen sollen priorisiert an Personen mit langjährigem Aufenthalt in Berlin vergeben werden. Politikwissenschaftler Aiko Wagner von der Freien Universität Berlin sieht darin ein Muster: „Selbst ein klassisches Großstadtthema wie die gestiegenen Mieten wird unter dem Dach der Migrationsdebatte behandelt. Die AfD bedient hiermit den Gedanken: ‚Wenn die nicht wären, hätten wir auch mehr und bezahlbare Wohnungen‘.“
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Wie umstritten diese Forderung aber ist, zeigte zuletzt der Berliner Mieterverein: Zur Podiumsdiskussion beim Wahlforum in der Genazareth-Kirche in Neukölln Ende August war die AfD nicht geladen. Aufgrund fehlender konstruktiver Vorschläge und diskriminierender Positionen, erklärte der Verein und verwies auf ihr Hausrecht. Die Spitzenkandidaten der anderen namhaften Parteien stellten dagegen ihre Parteipläne vor.
Selbst ein klassisches Großstadtthema wie die gestiegenen Mieten wird unter dem Dach der Migrationsdebatte behandelt.
Aiko Wagner, Politikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin
Auch Brinkers Wahlslogan „Für ein sicheres und sauberes Berlin“ klingt weniger nach radikalen Forderungen – sie steht für einen deutlich gemäßigteren Ton als etwa Bundes-Pendant Alice Weidel. Politikwissenschaftler Wagner sieht darin eine „mögliche De-Dämonisierungsstrategie, um enttäuschte konservative Wähler für sich zu gewinnen“.
AfD Berlin: Radikale Kandidaten lassen bürgerliches Image bröckeln
Doch hinter Brinker beginnt die bürgerlich-konservative Fassade der Hauptstadt-AfD zu bröckeln. Auf den Plätzen vier und fünf der AfD-Landesliste finden sich zwei weniger bürgerliche Kandidaten: Jan Streeck und Martin Kohler, beide aus der früheren Jungen Alternative Berlin. Letzterer hatte sogar den Landesvorsitz inne. Die Jugendorganisation der Partei war in den Fokus des Verfassungsschutzes geraten und hatte sich danach aufgelöst.
Der Zwiespalt zwischen bürgerlichem Auftreten nach außen und radikalen Kräften im Inneren ist das eine. Für den Politikwissenschaftler Wagner liegt das größere Problem der Berliner AfD in der politischen DNA: „Die AfD ist in Berlin immer noch keine wirkliche Landespartei. Brinkers Wahlkampf ist sehr vom Bundestrend getrieben“. Was die Spitzenkandidatin zuletzt im Interview mit dem RBB einräumte. Es ginge häufig eher um Themen mit Bundesbezug, Berliner Themen stünden dabei oft hintenan.
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Hat die AfD in Berlin eine eigene Identität?
Gleichwohl wächst die AfD in Berlin. Ihre Hochburgen liegen zwar weiter in den östlichen Außenbezirken wie Marzahn-Hellersdorf. Wagner beobachtet eine erweiterte soziale Basis: Die AfD erreiche verstärkt Jüngere, dringe in die Mittelschicht vor und gewinne an Zustimmung jenseits ihrer früheren Hochburgen. Dazu trägt auch Brinker ihren Teil bei.
Für Wagner ist die Berliner AfD damit mittlerweile zwar „weniger Nicht-Großstadtpartei als vorher“. Aber, so das Fazit des Politikexperten: „Berlin bleibt für die AfD ein schwieriges Pflaster.“











