- Der Deutsch-Israeli Alon Ohel wurde am 7. Oktober 2023 nach Gaza verschleppt
- Ein inszeniertes Video der Hamas zeigt, in welchem Zustand sich die Geisel befindet
- Seine Eltern fürchten, „dass er auf dem rechten Auge nichts mehr sieht“
Ausgerechnet am Abend des Jüdischen Neujahrsfestes veröffentlichte die Terrororganisation Hamas ein Video der deutsch-israelischen Geisel Alon Ohel. In dem von den Terroristen inszenierten Video sieht man den 24-Jährigen blass, abgemagert und offenbar teilweise erblindet.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Ohels Eltern haben der Veröffentlichung des Videos nicht zugestimmt, da sie die psychologische Kriegsführung der Hamas nicht unterstützen wollen. Daher verzichten die Medien in Israel und auch in Deutschland darauf, es zu zeigen. Zur Recherche für diesen Text wurde das Video gesichtet.
Exklusive Politik-Hintergründe – für Sie recherchiert
Während Ohel den von den Terroristen mit vorgegebenen Text aufsagt, bewegen sich seine beiden Augen nicht synchron. Der Deutsch-Israeli wirkt stark geschwächt, es macht ihm sichtlich Mühe, den Text zu sprechen. Die Worte, die ihm die Terroristen in den Mund legen, ähneln dem Text, den auch schon frühere Geiseln vor Kameras aufsagen mussten: Darin gibt er Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Schuld an seinem Schicksal und bittet seine Familie aus tiefstem Herzen, weiterhin auf Israels Straßen für seine Freilassung zu demonstrieren.
Ohel besuchte mit Freunden ein Festival in Israel– am siebten Oktober 2023
Ohel ist ein begabter Pianist, der am 7. Oktober 2023 gemeinsam mit mehreren Freunden das Supernova-Festival im Süden Israels besucht hatte. Er war nur eine Stunde vor dem Überfall der Terroristen am Partygelände angekommen. Als der Raketenalarm losging, hatten Alon und seine Freunde einen Bunker aufgesucht. Als die Terroristen am Supernova-Gelände eindrangen, stießen sie jedoch auch zum Bunker vor. Viele der dort Schutzsuchenden wurden ermordet, mehrere von ihnen nach Gaza verschleppt – unter ihnen Alon Ohel, aber auch der amerikanisch-israelische Doppelstaatsbürger Hersh Goldberg-Polin, der von den Terroristen in einem unterirdischen Bunker erschossen wurde, als sich die israelischen Truppen dem Versteck näherten.

Bereits im Zuge des Massakers wurde Alon Ohel am Auge verletzt. Ärzte warnen daher schon seit Monaten, dass er sein Augenlicht auf dem rechten Auge verlieren könnte, falls die Verletzung nicht medizinisch versorgt wird. Nun scheint sich diese Befürchtung bestätigt zu haben. „Nach Konsultationen mit Augenmedizinern ist uns klar, dass er auf dem rechten Auge nichts mehr sieht“, erklärte seine Familie.
Medizinische Versorgung unmöglich: Das Augenlicht ist bereits verloren
Sie seien „erschüttert“ von den Bildern, sagten Irit und Kobi Ohel, die Eltern Alon Ohels. „Es ist klar, dass Alon sein Augenlicht am rechten Auge verliert. Er ist dünn und voller Angst.“
Aktuelle News aus dem Nahen Osten
Die Eltern der Geisel verlangen, dass ihr Sohn einen Arzt sehen darf, bevor Israel weitere humanitäre Hilfe in den Gazastreifen lässt oder mit der Hamas über eine Waffenruhe verhandelt.
„Es gibt keine Bestimmung im Völkerrecht, die es erlaubt, dass man einen verwundeten Zivilisten ohne entsprechende medizinische Versorgung festhält“, erklärten die Eltern. „Die Verantwortung für Alons Sicherheit liegt bei seinen Kidnappern und bei der Hamas-Führung.“
Israel steckt in einer großen Offensive in Gaza-Stadt
Die Hamas wiederum benutzt das Video, um die Israelis gegen ihre Regierung aufzubringen. „Wegen Netanjahus Sturheit wurde er in Gaza-Stadt für mehr als 700 Tage festgehalten“ – mit diesem zynischen Kommentar veröffentlichte der bewaffnete Flügel der Hamas das Video am Montag auf seinen Social-Media-Kanälen.
Es ist das zweite Video, in dem man Ohel sieht, aber das erste, in dem man ihn auch sprechen hört. Vor mehreren Wochen hatte man Ohel in einer Aufnahme gesehen, in der er neben der Geisel Guy Gilboa Dalal zu sehen ist. Gilboa Dalal, ebenfalls stark abgemagert und geschwächt, erklärte in dem Video, dass er sich derzeit in Gaza-Stadt befinde und wegen der herannahenden israelischen Truppen um sein Leben fürchte.
Israels Armee steckt mitten in einer großangelegten Militäroffensive in Gaza-Stadt. Diese Operation wird von der Armeeführung als riskant eingestuft – nicht nur für die israelischen Soldaten, sondern auch für die Geiseln. Der Generalstabschef der Israelischen Streitkräfte, Eyal Zamir, ist daher ein entschiedener Gegner der Offensive und hat der Regierung davon abgeraten. Netanjahus Kabinett hielt jedoch an den Plänen fest.
Die Familien der Geiseln haben Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wiederholt vorgeworfen, das Leben der verschleppten Angehörigen aufs Spiel zu setzen.

In einem Treffen mit Generalstabschef Eyal Zamir am Montag brachten Vertreter von sieben Familien israelischer Geiseln ihren Ärger erneut zum Ausdruck. „Wenn ihnen auch nur das Geringste passiert, sind Sie verantwortlich“, soll einer der Angehörigen zu Zamir gesagt haben.
Der Armeeboss versuchte, die Familien zu beruhigen: „Ich dränge auf einen Geisel-Deal und ich werde das auch weiterhin tun“, versprach er. Solange die politische Führung Israels aber den bewaffneten Weg gehen will, werde er alles tun, damit die Operation in Gaza-Stadt die Geiseln nicht gefährdet. „Ich habe alle Kommandanten zum Beginn der Operation persönlich geschult“, sagte Zamir.
Mehr von Israel-Korrespondentin Maria Sterkl
- Staatsbesuch: Israel und die USA: Plötzlich steht Netanjahu der Schweiß auf der Stirn
- Militärexperten warnen: „Bitte, Israel, komm!“ – Warum Ex-Iraner einen neuen Krieg fordern
- Bestechungsskandal: Netanjahu kämpft um sein politisches Überleben
- Hamas in Gaza: Sie warten in Tunneln auf den nächsten Einsatz
- Radikale Siedler: „Ärgern sich, weil Krieg vorbei ist“ – So brutal agieren sie
Irit und Kobi Ohel haben nun angekündigt, erneut den Kontakt mit der deutschen Bundesregierung zu suchen, damit sie sich für eine baldige Freilassung Alons einsetzt. Sie werden auch Gespräche mit Vertretern der serbischen Regierung suchen – Alon hat auch die serbische Staatsbürgerschaft.
Aus dem Auswärtigen Amt (AA) hieß es bereits im Juli, die Freilassung aller Geiseln habe „nach wie vor oberste Priorität und ist durchweg wichtiges Thema bei der Pendeldiplomatie der Bundesregierung“. Man betreibe sowohl in Berlin als auch in Tel Aviv einen Sonderstab unter Leitung des Krisenbeauftragten, teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes dieser Redaktion mit. Einen aktuellen Stand zu den Vermittlungsbemühungen der deutschen Diplomaten teilte das AA bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht mit.
Israels Armee geht davon aus, dass mindestens zwanzig der 48 von der Hamas festgehaltenen Geiseln noch am Leben sind. In den Videos, die zuletzt veröffentlicht wurden, sieht man die noch lebenden Geiseln jedoch ausgehungert und äußerst geschwächt.












